Sarah Fetterhof

© Sarah Fetterhof Frau Fetterhof, erzählen Sie uns etwas über Ihren Hintergrund: Wo, wann und weshalb haben Sie Deutsch gelernt?

Ich habe an der Abington Heights High School in Clarks Summit, Pennylvania Deutsch gelernt. Ich war schon immer an Sprachen interessiert, und Deutsch erschien mir als etwas sehr besonderes und einmaliges. Meine High School bot auch Russisch an, aber da ich deutsche Vorfahren habe, dachte ich mir, Deutsch sei die richtige Wahl.

Wo, wann und weshalb haben Sie beschlossen, Deutschlehrerin zu werden?

Ich habe im College (an der Fordham University) im Hauptfach Deutsch studiert, weil ich es toll fand, hatte aber keine Vorstellung davon, was ich damit anfangen wollte. Lange Zeit beantwortete ich alle Fragen über meine Zukunft mit „alles, nur nicht Lehrer“! Ich hatte allerdings angefangen, Nachhilfe zu geben, und es war wirklich ein schönes Gefühl, meinen Kommilitonen zu helfen, das Fach zu begreifen, an dem mir so viel lag. Diese Erfahrung hat zu der Überlegung geführt, dass Unterrichten vielleicht doch nicht so schlecht wäre, und ein Fulbright Teaching Assistantship und das Unterrichten von Einführungskursen im weiterführenden Studium ließen diesen Verdacht erhärten.

Was ist die größte Herausforderung beim Deutschunterricht? Was ist besonders lohnend dabei?

Es gibt zwei große Herausforderungen beim Deutschunterricht. Verwaltungstechnisch gesehen ist es schwer, das Budgetkommittee zu überzeugen, dass Deutschunterricht eine lohnende Investition ist und zu vermitteln, wie wichtig er angesichts der heutigen internationalen Wirtschaftsbeziehungen ist. Amerikanische High Schools legen einen viel stärkeren Schwerpunkt auf Mathematik und Naturwissenschaften, wo sie eine direktere Verbindung zum finanziellen Erfolg der Schüler erkennen. Im Unterricht besteht die größte Herausforderung darin, Schülern die Fälle nahezubringen.

Gibt es so etwas wie den typischen Deutschlernenden?

Viele Schüler haben sich für Deutsch entschieden, weil sie an Geschichte interessiert sind oder weil sie – wie ich – deutsche Vorfahren haben. An unserer Schule wissen viele Schüler von unserem tollen GAPP-Austauschprogramm und schließen Freundschaften mit deutschen Schülern, wenn diese drei Wochen lang hier sind: Das wiederum regt sie an, Deutsch zu lernen. Das trägt auch dazu bei, dass sich viele jüngere Geschwister für den Deutschunterricht anmelden, sodass wir oft ein richtiges „Familienerbe“ haben!

Wo haben Sie sich Unterstützung und Anleitung als noch recht unerfahrene Deutschlehrerin geholt bzw. wo holen Sie sich diese?

Es gibt enorm viele tolle Ressourcen, bei denen man sich als relativ unerfahrener Deutschlehrer Anleitung holen kann. Offline unterstützt uns das Goethe-Institut hervorragend durch Workshops wie den Lehrkräftetag, der alljährlich in Boston stattfindet, oder das Nachwuchslehrerseminar, das ich vor kurzem in San Francisco besucht habe. Online verwende ich häufig „Step into German“, die Deutsche Welle und die AATG-Mailingliste, um mir Ideen und Unterlagen für den Unterricht zu holen. Und natürlich muss ich meine Mentorin und mein leuchtendes Vorbild für den Deutschunterricht, Joan Campbell, ins Feld führen. Ich habe nun das Glück, an derselben Schule wie sie zu arbeiten, doch auch bevor ich nach Lincoln Sudbury kam, unterstützte sie mich persönlich und im Unterricht.

Welche Aussichten hat Deutsch als Fremdsprache in den USA?

Deutsch hat meiner Meinung nach gute Aussichten als Fremdsprache in den USA. Die Sprache ist heute sogar noch relevanter als damals, als ich vor 15 Jahren auf der High School war. Das Land hat auf wirtschaftlicher und politischer Ebene auf sich aufmerksam gemacht, Fußball wird in den USA immer beliebter, Deutschland war mit den Siegen in jüngster Zeit in dem Bereich viel in den Medien, und deutsche Filmstars und Musiker haben sich hier in den USA auf eigene Faust einen Namen gemacht. Deutschland hat eine größere Präsenz hier als je zuvor, und ich denke mir, dass sich der Trend nur fortsetzen wird. Ich glaube, diese Dinge werden dazu beitragen, Deutsch als Fremdsprache in den USA zu fördern und zu erhalten.

Die Fragen stellten Christoph Veldhues und Olga Liamkina.