Christina Schultz

© Christina Schultz Frau Schultz, erzählen Sie uns etwas über Ihren Hintergrund: Wo, wann und weshalb haben Sie Deutsch gelernt?

An meinem Nachnamen – Schultz – sieht man ja schon, dass ich deutscher Herkunft bin. Mein Großvater wurde in einer deutschen Gemeinde in Wisconsin hier in den USA geboren und sprach bis zum zweiten Weltkrieg Deutsch. Zuhause haben wir gar kein Deutsch gesprochen. Trotzdem warf mir meine Mutter als Teenager vor, dass ich „furchtbar Deutsch“ wäre – also beschloss ich, wie man das in diesem Alter so macht, Deutsch zu lernen, um meine Mutter zu ärgern. Ich belegte an der High School und dann im College jeweils ein Jahr lang Deutsch. Einer meiner Lehrer riet mir zu einem Auslandssemester in Deutschland. Den Rat nahm ich an und ging nach Bonn – ab da war ich Feuer und Flamme. Ich habe von Musik in das Hauptfach Deutsch gewechselt, meinen Bachelor in Deutschland gemacht und dann in den USA weiterstudiert.

Wo, wann und weshalb haben Sie beschlossen, Deutschlehrerin zu werden?

Ich habe nebenbei ein paar Musikstunden gegeben, natürlich nicht auf professionellem Niveau, und dabei meine ersten Unterrichtserfahrungen gesammelt. Ich habe das Unterrichten genossen. In Deutschland habe ich an einer Sprachschule Englisch unterrichtet und es hat mir Spaß gemacht, mein Können an andere zu vermitteln. Als ich dann während des Master-Studiums als Teaching Assistant anfing, war ich begeistert davon, dass ich den Studenten etwas vermitteln konnte, was ihnen völlig neu war. Es ist ein gutes Gefühl, zu sehen, welche Fortschritte die Schüler und Studenten machen! Außerdem macht mir die Herausforderung Spaß, alles auf Deutsch zu erklären.

Was ist die größte Herausforderung beim Deutschunterricht?

Es ist immer schwierig, das Material für die Schüler und Studenten relevant zu machen. Der Kurs muss gleichzeitig Spaß machen und eine Herausforderung darstellen, und man muss die richtige Balance finden. Das ist besonders schwierig, wenn man mit den Klassen anderer Lehrer arbeitet, wie das im Augenblick der Fall ist, wo ich Schüler mit dem Online-Angebot unterstütze.

Eine weitere Herausforderung beim Online-Unterricht ist das Zeitmanagement. Die Schüler machen im Kurs Aufgaben am Computer. Wie viel Zeit soll man ihnen geben, bevor bei einigen Langeweile aufkommt oder andere aussteigen? Ich schätze, dass es hilfreich sein wird, mehr Erfahrung zu sammeln.

In meinem Kurs an der Uni spreche ich nur Deutsch. Im Online-Kurs sind alle Anleitungen auf Englisch gehalten und die Schüler haben Angst, wenn sie auf ein unbekanntes Wort stoßen. Sie haben keine Toleranz für Unsicherheit und es ist schwieriger, sie zu motivieren, Deutsch zu sprechen und auf Deutsch Fragen zu beantworten, wenn sie nicht jedes Wort verstehen.

Schüler muss man immer motivieren, und es ist nicht einfach, mit Teenagern umzugehen. Man möchte sie nicht einschüchtern, aber man muss auch für Disziplin sorgen.

Gibt es so etwas wie den typischen Deutschlernenden?

Jetzt, da ich meine Schüler und Studenten kenne, würde ich sagen, es gibt zwei Kategorien. Zum einen sind da die Schüler und Studenten, die von Hause aus zweisprachig oder internationaler Herkunft sind, und dann gibt es Schüler und Studenten, die das Lernen sehr Ernst nehmen und strebsam sind. Meiner Erfahrung nach sind die Jungs äußerst wettbewerbsorientiert.

Wo haben Sie sich Unterstützung und Anleitung als noch recht unerfahrene Deutschlehrerin geholt bzw. wo holen Sie sich diese?

Ich bekomme ehrlich gesagt keine Unterstützung als Deutschlehrerin an der Schule. Wenn ich ein Problem mit einem Schüler habe, kann ich mich an Kollegen wenden, die den Schüler kennen. Ich bin nach wie vor Teaching Assistant an der University of Illinois in Chicago. Daher kann ich andere Teaching Assistants oder Professoren dort fragen, wenn ich Fragen in Bezug auf Sprache oder Unterricht habe. Ich kann auch beim Goethe-Institut nachfragen, wenn ich Unterstützung benötige. Natürlich ist mir die American Association of Teachers of German ein Begriff und ich habe vor, Mitglied zu werden, sobald ich eine Vollzeitstelle habe. Aber Mitgliedschaften kosten Geld, und eine aktive Rolle in einer Organisation zu übernehmen ist zeitraubend – und Zeit ist etwas, was ich zumindest im Augenblick nicht habe.

Ich weiß, dass einige der Probleme, auf die ich in der Schule stoße, darauf zurückzuführen sind, dass ich keine Vollzeitlehrerin im öffentlichen Schulsystem von Chicago bin. So habe ich beispielsweise keinen Zugang zu Kopiergeräten, zu technischer Unterstützung, oder auch nur umfassenden Computerzugang. Weniger bürokratische Hürden wären nett.

Ich bin immer auf der Suche nach neuem Material und nach Hinweisen darauf, wo ich es finden kann. Manche Sachen sind eine Geldfrage, auch bei einfachen Dingen wie farbigem Papier usw., um Gegenstände für das taktile Lernen zu entwickeln.

Die Workshops für Teaching Assistants haben mir Spaß gemacht und wir haben Dinge gelernt, die wir sofort anpassen und im Unterricht einsetzen konnten.

Welche Aussichten hat Deutsch als Fremdsprache in den USA?

Die Zahlen sind bekannt – es belegen viel mehr Schüler Spanisch oder Französisch als Deutsch. Deutsch ist nie die naheliegende Wahl. Ich bin überzeugt, dass Schüler einen Grund haben müssen, um sich für Deutsch zu entscheiden. Das können deutsche Vorfahren oder ein bestimmtes Interesse sein. Beispielsweise lernen viele Ingenieurstudenten Deutsch, weil sie in deutschsprachigen Ländern studieren möchten. In der High School wissen viele Schüler jedoch nichts von den Möglichkeiten, die einem Deutschkenntnisse eröffnen.

Allgemein gesehen glaube ich allerdings, dass Deutsch immer eine Rolle spielen wird. Es wird nie die beliebteste Sprache sein, aber sie wird immer mitmischen – vorausgesetzt, die Schüler erfahren auch in Zukunft von ihren Vorteilen. Hier ist gute Öffentlichkeitsarbeit wichtig.

Die Fragen stellten Christoph Veldhues und Olga Liamkina.