ZUR SITUATION VON DEUTSCH ALS FREMDSPRACHE UND ZUR SPRACHARBEIT DER GOETHE-INSTITUTE IN DEN USA Do Americans need more than one language?

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Rund eine halbe Million Schüler und Studenten lernen in den USA Deutsch als Fremdsprache – es werden aber weniger und sollten mehr sein. Wo die Probleme für das Unterrichtsfach Deutsch liegen und was zu seiner Stärkung getan wird, erklärt Dr. Christoph Veldhues, zuständig für die Spracharbeit der Goethe-Institute in Nordamerika.

Schätzungsweise 400.000 Schülerinnen und Schüler sowie knapp 100.000 Studierende an Colleges und Universitäten lernen derzeit in den USA Deutsch als Fremdsprache (DaF); schätzungsweise, weil es für den Fremdsprachenbereich keine landesweite Datenerfassung gibt und nur wenige bundesstaatliche Bildungsbehören (Departments of Education) hierzu Statistiken auf ihren Webseiten veröffentlichen. Demnach gab es in den letzten Jahren in absoluten Zahlen einen merklichen Rückgang an Deutschlernenden im öffentlichen US-Bildungsbereich – und mehr noch im prozentualen Anteil an der Gesamtschülerschaft, die insgesamt gewachsen ist –, auch wenn Deutsch in quantitativer Hinsicht immer noch den dritten Platz hinter Spanisch und Französisch belegt.

Während sich diese Entwicklung im universitären Bereich nicht zuletzt durch die verbreitete Umstellung von Germanistik auf German Studies (sc. Reduktion der Deutschanforderungen) erklären lässt, erweisen sich Begründungen für den Schulbereich als komplizierter.

 Animations by Power-Tuns Dabei ist für die Einschätzung der schulischen DaF-Situation in den USA die uneinheitliche Tendenz bei den Deutschprogrammen aufschlussreicher als die reine Lernerzahl: Einerseits werden viele geschlossen, zum Teil sehr spontan, andererseits wachsen andere erheblich – so dass in der Bilanz bei US-weit weniger schulischen Deutschprogrammen oft an einem Ort mehr Schüler Deutsch lernen. Generell stabiler sind die Deutschprogramme in der Nähe von Standorten deutscher Wirtschaftsunternehmen (z.B. CA, Südosten, Süden) und in Gebieten mit einem höheren Bevölkerungsanteil mit deutschen Wurzeln („German Heritage“ - z.B. PA, TX, UT, Midwest); wobei, wohlgemerkt, nur 1% aller Schüler angibt, dass sie Deutsch aufgrund ihrer deutschen Herkunft lernen.

Oft genug sind es einfach persönliche Faktoren, die über das Schicksal eines Deutschprogramms entscheiden: So z.B. seine Sichtbarkeit für Eltern und Schüler, die nicht unwesentlich durch attraktive extracurriculare Aktivitäten (Austauschprogramme usw.). erzielt wird; seine Unterstützung durch die Schulleitung, die keineswegs immer nur sachlich, sondern auch durch deren intuitive Einstellung zu Fremdsprachen allgemein und Deutsch im Besonderen beeinflusst ist; und sicher immer das Engagement und – damit zusammenhängend – die Popularität der einzelnen Deutschlehrer. Diese persönliche Anbindung kann allerdings dazu führen, dass die Existenz der vielen mit nur einer Lehrkraft ausgestatteten Deutschprogramme gefährdet ist, sobald eine Verrentung ansteht und keine geeignete Nachbesetzung unmittelbar zur Verfügung steht (hierin besteht die strukturelle Bedeutung des in USA dringend anstehenden Generationswechsels in der Deutschlehrerschaft incl. der notwendigen Konsequenz Nachwuchsförderung).

Problematisch für den Erfolg gerade von schulischen Deutschprogrammen ist schließlich die Tatsache, dass US-Schüler während ihrer Schulzeit selten mehr als eine Fremdsprache erlernen, was zu einer Konzentration und mithin einer verschärften Konkurrenz im Sprachenangebot einer Schule führt. In vier Highschool-Jahren kommt man bei kontinuierlicher Belegung einer Fremdsprache damit bis zum GER-Niveau B1+ (weiter in den besonders intensiven, bereits collegerelevanten AP-Kursen); sofern ein Schüler seine Pflichtsprachbelegung (language requirement) nicht wechselt, was natürlich weder die Qualität des Sprachenlernens noch die Stabilität der Sprachprogramme befördert. Ein weiterer struktureller Nachteil besteht darin, dass der Fremdsprachenunterricht im Allgemeinen viel zu spät, oft erst ab der Highschool, beginnt.

Fremdsprachen im US-Bewusstsein – ein pragmatisches Desinteresse

Insgesamt lässt sich die Situation von Deutsch als Fremdsprache also, jenseits der Statistik, nicht auf einen einfachen „US-Nenner“ bringen; es gibt erhebliche regionale und lokale Unterschiede. Die Ursache dafür liegt zunächst in der starken Dezentralisierung des US-Bildungssystems einschließlich einer uneinheitlichen, von Bundesstaat zu Bundesstaat wechselnden Zuständigkeitsregelung für den Umgang mit Sprachprogrammen. Es zeigt sich daran aber weitergehend, dass Fremdsprachen – im Unterschied zu anderen Schulfächern – kein prioritäres Anliegen einer systematischen US-Bildungspolitik sind; oder, um von der staatlichen auf die gesellschaftliche Perspektive umzustellen, dass Mehrsprachigkeit im US-Bewusstsein nicht derselbe Wert als ein relevanter Bildungsinhalt zukommt, wie dies etwa in Europa der Fall ist.

Kein Wunder: Jeder Amerikaner kann sich ja mit seiner Muttersprache Englisch praktisch überall zumindest verständlich machen und ist mithin für globale Teilhabe nicht notwendig auf Fremdsprachenkenntnisse angewiesen. „Do Americans need more than one language?“ lautete die Fragestellung eines vom Goethe-Institut organisierten Symposiums in New York (September 2014); und die einfache Antwort müsste lauten: Nein. Bezeichnenderweise ging es in dieser Diskussion dann auch weniger um Fremdsprachen als internationale Kommunikationsmittel (und mehr), sondern um den Umgang mit den US-Minderheitensprachen, v.a. der zweiten Landessprache Spanisch im Schulunterricht und seine nationale sprachpolitische Implikation. Entsprechend resultiert die absolute Dominanz von Spanisch im schulischen Fremdsprachenangebot in erster Linie aus seiner Anwendbarkeit in der US-Binnenperspektive (jenseits dieser Perspektive taucht die Notwendigkeit von Sprachkenntnissen im US-Bildungsdiskurs regelmäßig nur dann auf, wenn ihnen eine direkte Funktionalität für die außenpolitische Agenda zugesprochen wird – vgl. Orientierung auf den pazifischen Raum sc. asiatische Sprachen, v.a. Chinesisch; „Kampf gegen Terror“ sc. Arabisch…).

Unter diesen Bedingungen muss die Förderung von Deutsch als Fremdsprache in den USA einer Doppelstrategie folgen:

  • Allgemein für Mehrsprachigkeit und besonders für Deutsch werben
  • Die persönlichen und institutionellen „Deutschentscheider“ vor Ort durch konkrete, ihren Interessen entsprechende Maßnahmen unterstützen
Werbung für Mehrsprachigkeit – und Deutsch gehört dazu

Zum einen gilt es, gerade hier die Funktion von Sprachkenntnissen über die des rein instrumentellen Kommunikationsmittels hinaus zu verdeutlichen; in diesem Sinne ist also jede DaF-Werbekampagne immer eingebettet in eine Argumentation für Mehrsprachigkeit, für den grundsätzlichen (persönlichen, gesellschaftlichen) Wert fremdsprachlicher Bildung. 

 Darauf aufbauend sollten die besonderen Gründe für Deutsch, im Unterschied zu anderen Sprachen, vorgetragen werden – was sich in der Sache oft mit allgemeiner Sympathiewerbung für Deutschland überschneidet. Diese kann in den USA an ein in der Öffentlichkeit weitgehend positives, wenn auch zuweilen eher diffuses Deutschlandbild anschließen, besetzt mit Vorstellungen wie Qualität, Effizienz, Innovation; also oft genug Übertragungen von hierzulande etablierten deutschen Produkten oder Ableitungen des direkten Engagements deutscher Unternehmen. Diese traditionellen Vorstellungen offensiv einsetzen, sie um neuere Aspekte des Deutschlandbildes ergänzen (aktives Umweltbewusstsein, kreative Impulse im ästhetischen Bereich, alternative Lebensart), dabei durchaus selbstironisch auch die – zumal aus US-Perspektive – deutschen Merkwürdigkeiten in markantes Profil verwandeln: Das sind Möglichkeiten, um in einer breiten Öffentlichkeit Interesse an, Sympathie für ein Land zu schaffen, dessen Sprache als fundiertester Zugang zu seiner Kultur gelten darf. Dann kann man rasch auf die konkreten Vorteile von Deutschkenntnissen kommen, wie sie exemplarisch in der Werbekampagne „Just Add German“ 2014 auf fünf konzise Slogans gebracht werden, die jeweils thematische Gruppen von Gründen für Deutsch in den USA auf den Punkt bringen:
  • Thinking about the future? Just add German. (Deutsch bedeutet Zukunft, Innovation, Karriere, Chancen…)
  • Passionate about culture and history? Just add German. (Deutsch bedeutet Geschichte, Tradition, Europa, Bildung…)
  • Ready for a warm welcome? Just add German. (Deutsch bedeutet Herzlichkeit, Emotionalität, Vertrautheit, Sicherheit…)
  • Want to stand out from the crowd? Just add German. (Deutsch bedeutet Anspruch, Herausforderung, Eigenständigkeit, Individualität…)
  • Feeling adventurous? Just add German. (Deutsch bedeutet Vielseitigkeit, Offenheit, Multikulturalität, Überraschung…)
USA-weit verbreitet wurden diese Argumente im Kampagnejahr 2014 in einer Vielzahl von Produkten (Versand von 1.100 „TeacherKits“ mit Info-, Deko- und Streumaterialien plus Werbetrainings/Webinare für über 200 Deutschlehrer, Erstellung von ca. 30 DaF-VideoClips zur Distribution per SocialMedia und Website) und Aktionen (Musiktournee „Tonbandgerät“ März 2014, Ausstellungstournee „Deutschland im Koffer“ seit September 2014, Career Days in Chicago, Atlanta und San Francisco, mehrere online-Wettbewerbe…); entfaltet werden sie auf dem gleichnamigen DaF-Werbeportal „Just Add German“ 2014, auf dem ab Frühjahr 2015 Schüler, Eltern, Schulleiter, Laufbahnberater, aber auch Deutschlehrer (in ihrer Rolle als „DaF-Werbeagenten“) eine Börse von aktuellen landesspezifischen Werbeargumenten und -materialien für Deutsch als Fremdsprache in USA finden.

Wen wie unterstützen? Vier Ansätze der Spracharbeit

Solche Werbung zielt auf gesellschaftlichen Bewusstseinswandel (mit erhofften Folgen für das staatliche Bildungssystem) und braucht einen langen Atem, ein rasches Anschnellen der DaF-Lernerzahlen ist damit nicht zu erwarten. Sie muss daher ergänzt werden durch nachhaltige und sichtbare DaF-Förderangebote, die konkrete Entscheidungen für Deutsch bewirken. Nach den obigen Überlegungen bedeutet das Fehlen einer zentralen bildungspolitischen Entscheidungsinstanz und der hohe Stellenwert von Initiativen auf lokaler, allenfalls regionaler Ebene für den Erhalt und eventuellen Auf-/Ausbau von schulischen Deutschprogrammen, dass es die vielen einzelnen „Entscheidungsträger“ im ganzen Land sind, die durch zielgruppenspezifische Maßnahmen von Deutsch überzeugt und für Deutsch begeistert werden müssen: Das betrifft sowohl die Schüler und ihre Eltern als wichtigste persönliche Entscheider (und Einflussgruppen) für – oder gegen – Deutschunterricht als auch solche strukturellen Entscheider wie Schulleiter oder Laufbahnberater (counselors), die in ihren Institutionen organisatorisch für das Fremdsprachenangebot einer Schule und die Orientierung der Schüler auf einzelne Sprachen zuständig sind. Zugleich muss sich die Unterstützung im besonderen Maße auf die Deutschlehrer richten, die durch ihren Unterricht, aber auch ihr darüber hinaus gehendes Engagement entscheidenden Anteil am Erfolg eines Deutschprogramms haben.

Wie können diese für das schulische Fremdsprachenangebot relevanten Personengruppen am besten involviert werden? Die Spracharbeit der Goethe-Institute in den USA konzentriert sich – neben dem genannten Werbeansatz – auf vier Handlungsfelder:
  • Schüler motivieren
  • Lehrer (weiter-)qualifizieren
  • Institutionen informieren
  • Mit Sprachpartnern kooperieren
Schüler motivieren

Insbesondere Schüler können durch attraktive virtuelle und reale „Deutsch/land-Erlebnisse“ emotional angesprochen und beteiligt werden – mit dem Ziel, ihre Aufmerksamkeit auf Deutsch als interessante Sprachmöglichkeit zu lenken, so dass sie es lernen wollen (Einsteiger-Motivation); oder diejenigen, die schon DaF-Lerner sind, an Deutsch als Unterrichtsfach zu binden (Bleiber-Motivation).


Tonbandgerättour 2014 – Konzert in Boston (c) Mark Römisch Tonbandgerättour 2014 – Konzert in Boston (c) Mark Römisch Motivierend in diesem Sinne wirken zum einen alle Aktionen, die deutsche Jugendkultur unmittelbar sinnlich erfahrbar machen: Ausstellungen, die ein schülerrelevantes Thema mit Deutsch/land assoziieren (z.B. „Deutschland im Koffer“ 2014; „Umdenken: Von der Natur lernen“ 2015; „Mathematik zum Anfassen“ 2016); Musiktourneen deutscher Bands (z.B. „Tonbandgerät“ 2014, „Einshochsechs“ 2015); wirklich vitale Jugendautorenauftritte und Kreativfestivals von und für Schüler (z.B. das Schülerfilmfestival im Rahmen von „Berlin&Beyond“ des GI San Francisco).

Hierzu gehören aber auch alle Maßnahmen, die Jugendliche persönlich vernetzen und ihren Austausch befördern, wie Schülerkonferenzen, Jugendcamps, Klassenpartnerschaften, Sprachwettbewerbe (z.B. US-Vorlauf 2015 zur Internationalen Deutscholympiade 2016) usw. Fundamental kann dabei die Erfahrung sein, die 40 Schüler aus fünf Ländern Nordamerikas beim PASCH-Sommercamp 2014 in Portland, OR machten: Dass nämlich die Sprache Deutsch ihr verbindendes Element bei der gemeinsamen Projektarbeit ist. Ein besonders motivierendes, lang nachwirkendes Schlüsselerlebnis ist natürlich ein mehrwöchiger Deutschlandaufenthalt, wie er für jährlich ca. 3.500 US-Schüler aus 800 US-Schulen durch das überaus erfolgreiche Austauschprogramm GAPP („German American Partnership Program“) organisiert wird.

Nicht zuletzt wird eine positive DaF-Einstellung der Schüler über die verschiedensten Formen virtueller Aktion befördert – Deutsch digital & interaktiv & mobil: Insbesondere sei hier auf das gerade komplett überarbeitete regionale Jugendportal „Step into German“ des Goethe-Instituts verwiesen, das sich mit jugendaffinen Themen (v.a. Fußball, Musik und Film) in digitaler Aufbereitung an Deutschschüler in Kanada, Mexico, Zentralamerika und USA richtet. Neben Wettbewerben und anderen Mitmachaktionen – 2015 steht z.B. ein gemeinsam mit dem FC Bayern München durchgeführter Fußball-Klassenwettbewerb im Mittelpunkt – stellt es auch thematisch zugeordnete DaF-Unterrichtsmaterialen für Deutschlehrer zur Verfügung. Überhaupt lassen sich alle webgestützten Kreativ- oder Wissenswettbewerbe (z.B. „Award of Exzellence“) wie auch das ganze Feld der SocialMedia-Kommunikation (z.B. DaF-Community „Deutsch für Dich“) hervorragend zur DaF-Motivation von Schülern nutzen.

Gerade unter dem Motivationsaspekt ist die Assoziation von Deutsch mit den mathematisch-technisch-naturwissenschaftlichen MINT-Fächern (engl. STEM) ein zukunftsweisender Ansatz der DaF-Förderung – in diesem Kontext agieren daher die beiden genannten Ausstellungen zur Natur und Mathematik, die in USA 2015 bzw. 2016 tournieren. Die Verbindung DaF&MINT bestimmt übrigens seit 2008 die Auswahl der derzeit neun vom Goethe-Institut betreuten PASCH-Schulen (Exzellenzprojekt „Schulen: Partner der Zukunft“) in den USA: Schulen mit ausgewiesenem fachlichen MINT-Profil, deren sprachliche Orientierung auf einen Grundbedarf Deutsch, also auf eine vornehmlich instrumentelle Funktion für die Vermittlung von nichtsprachlichen Bildungsinhalten geht. Auch das „Transatlantic Outreach Program“ (TOP) für SocialStudies-Lehrer wird 2015 um eine MINT-Komponente erweitert.

Eine Disposition zum Fremdsprachenlernen kann anerzogen werden, wenn damit früh begonnen wird – spätestens in der Grundschule, besser schon im Vorschul- und Kindergartenalter (wo es offensichtlich nicht um Unterricht, sondern um „Fremdsprachenersterfahrung“ geht). Sind die Grundlagen hier richtig geschaffen, muss man sich um die Deutschmotivation in der weiteren Schulkarriere wenig(er) Sorgen machen. „Frühes Fremdsprachenlernen“ (FFL), der Deutschaufbau „von unten“, ist ein langfristiges, aber sicher lohnendes Unternehmen, bei dem sich das Goethe-Institut z.B. mit Blick auf die Qualifikation der Erzieher/Lehrkräfte und insbesondere in Kooperation mit den sehr aktiven Immersionsschulen in den USA künftig stärker engagieren wird.

Lehrer (weiter-)qualifizieren

Deutschlehrer sind – neben den Deutschlernern – die wichtigste Zielgruppe der Spracharbeit der Goethe-Institute, ihre Fortbildung (ggfs. die Unterstützung der Ausbildungsinstitutionen) der zentrale Betreuungsansatz: In der Annahme, dass gut qualifizierte Lehrer einen attraktiven Deutschunterricht anbieten, der die Leistungen der Schüler steigert und damit das Interesse an Deutsch als Fremdsprache verstärkt.

 Animations by Power-Tuns In USA muss, angesichts des dringend erforderlichen Generationswechsels in der Deutschlehrerschaft, ein klarer Schwerpunkt auf Nachwuchsförderung liegen (spezielle Fortbildungsangebote für Lehrkräfte mit weniger als 4 Jahren Unterrichtserfahrung). Inhaltlich soll in den nächsten Jahren ein besonderer Akzent auf die besonders zukunftsrelevanten Themen „Digitalisierung des Deutschunterrichts“ (schulische Anwendung digitaler Unterrichtsmedien und –formate), „DaF&MINT“ (z.B. das Fortbildungsprojekt des GI Chicago für MINTeressierte) sowie „Werbung für Deutsch“ (DaF-Werbetrainings) gesetzt werden. Begleitet werden diese fachlichen Qualifizierungsmaßnahmen durch Angebote zur sprachlichen Fortbildung für Deutschlehrer in USA und Deutschland.

Mit Blick auf die Formate bietet das Goethe-Institut ab 2015 zwei komplementäre Fortbildungslinien für Deutschlehrer an: Seminare und Workshops durch DaF-Multiplikatoren, d.h. vom Goethe-Institut im Rahmen des Trainernetzwerks USA qualifizierte Experten, die landesweit lokale Fortbildungen für Deutschlehrer v.a. im Präsenzformat durchführen (einschließlich einer neu eingerichteten Goethe-Sommerschule für Nachwuchslehrer zum Thema DaF&MINT in Denver CO Juli 2015); sowie ab Herbst 2015 die plattformgestützten Fortbildungskurse „Deutsch Lehren Lernen“ (DLL) im Hybridformat incl. tutorierter Online- und Präsenzphasen mit klarem Praxisbezug – mit einem „kickoff“ im Juli 2015 in einer länderübergreifenden DLL-Sommerschule der Goethe-Institute USA und Kanada. Ergänzend können sich US-Deutschlehrer um Stipendien zur Teilnahme an fachlichen Fortbildungsveranstaltungen in Sommerschulen in den USA oder an Goethe-Instituten in Deutschland bewerben.

Institutionen informieren

Wer immer institutionell (mit-)entscheidet über Deutschprogramme – von der Ebene der einzelnen Schule (Schulleiter, Laufbahnberater) bis hin zu den lokalen und regionalen Bildungsbehörden (School Districts, Departments of Education) – sollte gut informiert sein über die damit verbundenen Möglichkeiten: Hier geht es also um fachliche Schulberatung, und weiter gefasst um wohlverstandene Lobbyarbeit für Deutsch als Fremdsprache, vorbereitet und durchgeführt in enger Abstimmung der zuständigen deutschen Mittlerorganisationen (Goethe-Institut und Zentralstelle für das Auslandsschulwesen - ZfA) und ihrer US-Partnerinstitutionen, v.a. dem Deutschlehrerverband AATG („American Association of Teachers of German“).

Eine besondere Rolle kommt dabei in den USA den seit 2014 aktiven neun Deutschunterricht (BDU) von ZfA und Goethe-Institut zu, die in jeweils mehreren zugeordneten Bundesstaaten als regionale Ansprechpartner (consultants) für Schulen und Bildungsbehörden zur Verfügung stehen und so, unterstützt durch lokale Verbindungslehrer (liaisons), insgesamt eine landesweite DaF-Informationsfunktion übernehmen. Die Einrichtung dieses BDU-Netzwerks ist einer der Kernpunkte des sog. „Strategiepapiers“ zur Förderung von Deutsch als Fremdsprache in USA, das 2011/12 gemeinsam von deutschen und amerikanischen DaF-Akteuren (Botschaft, Mittlerorganisationen, Deutschlehrerverband usw.) erarbeitet wurde. Eine weitere dort angeregte Maßnahme ist die Entsendung von deutschen Lehramtsstudierenden als Fremdsprachenassistenten an US-Schulen; eine erste Gruppe war bereits im Schuljahr 2013/14 tätig, das Programm soll im Schuljahr 2015/16 fortgesetzt und erweitert werden.

Information ist auch das zentrale Anliegen des „Transatlantic Outreach Programs“ (TOP), einem genuinen Bildungsprojekt über den Sprachbereich hinaus in perfekter Umsetzung der Idee „public private partnership“ (Durchführung durch das Goethe-Institut, Finanzierung durch deutsche Wirtschaftsunternehmen und das Auswärtige Amt). Hier geht es darum, amerikanische Sozialkundelehrer durch Materialien, Workshops und Besucherreisen für das Thema „Deutschland aktuell“ als möglichem Unterrichtsgegenstand zu interessieren; ein wünschenswerter Nebeneffekt kann die positive Auswirkung auf die Deutschprogramme der TOP-Schulen sein, die so ins Blickfeld von Schülern, Eltern und Leitung geraten oder sich für eine Kooperation von Sozialkunde- und Deutschlehrern anbieten.

Mit Sprachpartnern kooperieren

Das genannte „Strategiepapier“ empfiehlt insbesondere die bessere Vernetzung und engere Zusammenarbeit aller DaF-Partner in USA: Der deutschen Mittlerorganisationen untereinander und mit den US-Deutschlehrerverbänden, v.a. AATG; auch mit außerschulischen Deutschanbietern und nicht zuletzt mit Wirtschaftsunternehmen mit Deutschland-Bezug (wie sie z.B. auf den „Karriereseiten“ als Teil des DaF-Werbeportals des Goethe-Instituts vorgestellt werden).

Drei wichtige Kooperationsinstrumente für die Spracharbeit des Goethe-Instituts sind die besonders geförderten Programme PASCH, TOP und GAPP. Übergeordnetes Ziel der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) des Auswärtigen Amtes ist es, ein globales Netz von besonders engagierten Schulen als Exzellenzzentren für Deutschunterricht aufzubauen: Die Zusammenarbeit nicht nur der Schüler und Lehrer, sondern auch auf institutioneller Ebene ist wesentlicher Bestandteil des Projekts. Mögliche PASCH-Vernetzungsrichtungen sind die Kooperation mit anderen PASCH-Schulen – national, regional, weltweit (z.B. per pasch.net oder in PASCH-Sommercamps); mit anderen DaF-Schulen im lokalen Umfeld der PASCH-Schule, die sie in die PASCH-Aktivitäten einbindet und so „mitzieht“ („Leuchtturm“-Funktion); der PASCH-Schulleitungen und ihrer zugeordneten Bildungsbehörden, die regelmäßig informiert und in neue Entwicklungen eingebunden werden sollten (Jahrestreffen, Besucherreisen…). Auch das „Transatlantic Outreach Program“ (TOP) setzt, wie beschrieben, auf die personale und institutionelle Vernetzung nicht nur der beteiligten SocialStudies-Lehrer, sondern darüber hinaus dieses und weiterer Fächer (Stichwort MINT) mit dem Deutschunterricht. Den über das GAPP („German American Partnership Program“) organisierten Schüleraufenthalten in Deutschland wird seit 2014 eine Projektphase vorgeschaltet, in der mehrere GAPP-Schulen in den USA gemeinsam ein Rahmenthema zur Bearbeitung an der deutschen Partnerschule vorbereiten.

DaF-Kooperation findet schließlich zwischen den Goethe-Instituten als Anbieter von Sprachkursen und Prüfungen und amerikanischen Deutschinstitutionen jenseits der sechs amerikanischen GI-Standorte statt: An ca. 30 US-Universitäten, die als offizielle Prüfungspartner des Goethe-Instituts akkreditiert sind und deren Prüfer regelmäßig zertifiziert werden, kann man die weltweit anerkannten Goethe-Zertifikate ablegen. Ausgebaut werden soll 2015 die Zusammenarbeit mit unabhängigen Kulturgesellschaften und privaten Sprachschulen, die sich in ihrem DaF-Kursangebot an den Qualitätsstandards des Goethe-Instituts orientieren und dabei von den Goethe-Instituten gefördert werden (Beratung im Sprachkursmanagement, Unterstützung bei Werbemaßnahmen, sprachliche und fachliche Fortbildung der Lehrkräfte usw.). Solche Sprachkurskooperationen bieten den kommerziell agierenden, also wirtschaftlich selbständigen und insofern „eigeninteressierten“ Sprachschulen den werbewirksamen Imagevorteil einer Partnerschaft mit dem Goethe-Institut; das Goethe-Institut kommt auch auf diese Weise seinem sprachpolitischen Auftrag nach, auch da qualitative Deutschangebote v.a. im Erwachsenenbereich sicher zu stellen, wo es nicht mit einem eigenen Institut vertreten sein kann (was in Flächenländern wie den USA eben nur begrenzt möglich ist).

An solchen Kooperationen, aber auch durch ihren Einbezug in die Deutschförderaktivitäten in den Handlungsfeldern Schüler-Motivation und Lehrer-Qualifikation zeigt sich, dass die Sprachkurs- und Prüfungsbetriebe der Goethe-Institute eine über den ökonomischen Aspekt hinausgehende Funktion erfüllen als Kompetenzzentren und Experimentierlabore für Deutsch als Fremdsprache: Hier wird Deutschunterricht für alle Zielgruppen (Erwachsene, Jugendliche, Firmen), auf allen GER-Niveaustufen (A1-C2), in allen Formaten (Präsenz, Hybrid, Online) und der aktuellsten Medienausstattung nicht nur durchgeführt, sondern auch erprobt und diese – letztlich weltweit gesammelte – DaF-Erfahrung weitergegeben. Schließlich zeigen die Kurs- und Prüfungsteilnehmerzahlen der Goethe-Institute auch, dass es in den USA durchaus einen relevanten Deutschbedarf gibt; in gewisser Weise substituiert dieses private Angebot kurzfristig den Ausfall von Deutsch an öffentlichen Schulen und Universitäten. Da aber muss, in langfristiger sprachpolitischer Perspektive, Deutsch als Fremdsprache in erster Linie seinen Ort haben.

Alle Angebote der Spracharbeit des Goethe-Instituts in den USA finden Sie auf dieser Website unter „Deutsch lehren“ - oder kontaktieren Sie einfach die Goethe-Institute in Boston, Chicago, Los Angeles, New York, San Francisco, Washington oder das Goethe-Zentrum in Atlanta.

Lesen Sie in den nächsten Wochen weitere Beiträge Artikel zu Deutsch als Fremdsprache in USA: Interviews mit jungen Deutschlehrern, Möglichkeiten der Digitalisierung des Deutschunterrichts, ein Vorabdruck zur Vortragsreihe „Sprache und“ (Goethe-Institut New York ab April 2015), eine Führung durch das Jugendportal „Step into German“.