Ressourcen für Schulverwalter

Schulleiter Foto: Graham Oliver, Colourbox.de

Herzlich Willkommen!

Hier erfahren Sie als Verwaltungs- oder Führungskraft im Bildungssektor, weshalb die Einführung eines Deutsch-Immersionsprogramms an ihrer Schule bzw. ihren Schulen sinnvoll ist, welche Lehrplanmodelle in den verschiedenen US-Staaten verbreitet sind, wie Sie Kontakt zu Schulen aufnehmen, die solche Programme bereits umgesetzt haben, und wie Sie Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler am besten unterstützen.

Fabrice Jaumont, ein bekannter Experte für zweisprachige Erziehung, umreißt die aktuelle Situation und die Trends in der bilingualen Schulbildung in den USA.
Bilinguale Immersionsprogramme in den USA: Ein Überblick
 
Forscher haben umfassend nachgewiesen, welche enormen positiven Auswirkungen das Erlernen einer zweiten Sprache privat, gesellschaftlich und beruflich für Schüler hat. Vom Spracherwerb profitieren nicht nur die Hirnleistung und das Gedächtnis, sondern es eröffnen sich außerdem zusätzliche akademische und berufliche Chancen, das kulturelle Bewusstsein wird geschärft und die soziale Interaktion wird bereichert. In Kanada haben zwei renommierte Lehrerorganisationen, der Second Languages and Intercultural Council of the Alberta Teachers’ Association (ATA) und die Canadian Association of Second Language Teachers (CASLT), eine umfassende Literaturliste mit den neuesten Forschungsergebnissen zu den kognitiven, akademischen, persönlichen, gesellschaftlichen, interkulturellen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Erlernens einer Zweitsprache zusammengestellt.
Eine Menge guter Gründe sprechen dafür, neben anderen Sprachen auch Deutsch an Ihrer Schule anzubieten:

Wirtschaft
  • Deutsche Unternehmen stellen 800.000 Arbeitsplätze in den USA und amerikanische Firmen haben etwa dieselbe Zahl an Arbeitsplätzen in Deutschland geschaffen.
  • Deutschland ist der drittgrößte Investor in den USA, die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt und die größte Volkswirtschaft in der EU.
  • Wer Deutsch kann, verdient in den USA bis zu 4 % mehr als andere Arbeitnehmer – in Europa ist der Vorteil sogar noch größer.

Bildung
  • Jedes Jahr werden 2.000 Stipendien für Deutschlandaufenthalte an Schüler, Studenten und Professoren vergeben.
  • Deutschland hat hervorragende Universitäten, die keine Studiengebühren erheben.
  • Derzeit sind 233.000 ausländische Studierende an 350 deutschen Universitäten eingeschrieben, das sind ca. 12% aller eingeschriebenen Studenten. Deutschland ist somit nach den USA und Großbritannien das attraktivste Land für ausländische Studierende.
  • Etwa 750 amerikanische High Schools betreiben Langzeit-Austauschprogramme mit deutschen Schulen. Über das GAPP (German American Partnership Program) nehmen mehr als 10.000 Schülerinnen und Schüler am Schüleraustausch mit dem Partnerland teil.

Tradition und Sprache
  • Mehr als 50 Mio. Amerikaner sind deutscher Abstammung. Damit sind deutschstämmige Amerikaner die größte ethnische Gruppe in den Vereinigten Staaten.
  • Neben Spanisch und Englisch ist Deutsch die am häufigsten gesprochene Sprache in den USA.
  • Mehr als 100 Mio. Menschen weltweit sind deutschsprachig – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Ländern wie Österreich, der Schweiz, in Teilen Frankreichs und Italiens, in Liechtenstein, Luxemburg, Dänemark und Belgien.
  • Deutsch ist die meistgesprochene Sprache in Europa. 18 % aller EU-Einwohner sind Deutsch-Mutterprachler, weitere 14 % sprechen Deutsch als Fremdsprache. Deutsch ist außerdem die zweithäufigste Sprache im Internet, nur Englisch wird häufiger verwendet.

Kultur
  • In Deutschland leben derzeit 7,62 Mio. Ausländer. Damit ist Deutschland das führende Ziel für Einwanderer nach den USA.
  • Deutschland ist ein modernes, weltoffenes Land. Die deutsche Gesellschaft ist von Pluralität und hoher ethnischer und kultureller Diversität geprägt. 

In unserem Informationsportal Just Add German erfahren Sie mehr darüber, warum es gut für die Zukunftschancen Ihrer Schülerinnen und Schüler ist, Deutsch zu lernen.
Dieser Vortrag geht auf die häufigsten Fragen aus der Verwaltung darüber ein, worum es sich bei diesen Programmen handelt, warum sie sinnvoll sind, und wie der Aufbau eines bilingualen schulischen Deutschprogramms gelingt.
Im Laufe der Jahre haben sich im Bildungswesen die verschiedensten Begriffe für eine zweisprachige Schulbildung etabliert. So kommt es, dass dual language education und dual language immersion gleichbedeutend und als Überbegriff für andere Konzepte verwendet werden, u. a. bilingual immerson, bilingual enrichment, developmental bilingual und heritage language immersion. Im Rahmen dieses Projekts wird der Begriff dual language immersion (bzw. bilinguale Immersionsprogramme) als Überbegriff verwendet, um zu betonen, dass Schülerinnen und Schüler in zwei Sprachen mit Immersionsmethoden unterrichtet werden.

Das Center for Applied Linguistics (CAL) definiert den Begriff dual language immersion bzw. dual language education so: „Im Rahmen sogenannter dual language education-Programme lernen Schülerinnen und Schüler Lesen, Schreiben und akademische Inhalte auf Englisch und in einer Partnersprache. Ziel ist die Beherrschung beider Programmsprachen in Wort und Schrift, das Erbringen akademischer Leistungen auf hohem Niveau sowie Anerkennung und Verstehen unterschiedlicher Kulturen.“

Das Center for Advanced Research on Language Acquisition (CARLA) führt die folgenden Kernqualitäten bilingualer Immersionsprogramme auf:
  • Additive Bilingualität bei fortgesetztem Unterricht in der Mehrheitssprache (Englisch) und der Minderheitssprache (z. B. Deutsch)
  • Mindestens die Hälfte des täglichen Sachunterrichts in den Grundschulklassen erfolgt in der Minderheitssprache
  • Alle Lehrkräfte beherrschen ihre Unterrichtssprache(n)
  • Starke Unterstützung der Mehrheitssprache im Gemeindeumfeld
  • Klare, anhaltende Trennung der Sprachen während des Unterrichts

In den USA wird zwischen zwei Arten bilingualer Immersionsprogramme unterschieden: sogenannten „one-way“ und „two-way“ Programmen, also uni- und bidirektionalen Programmen. Der Unterschied liegt hier in der Schülerpopulation, auf die diese Programme jeweils zugeschnitten sind.

One-way dual language immersion (auch als foreign language immersion bezeichnet): Diese Art von Programmen unterstützt primär Schülerinnen und Schüler einer „Sprachgruppe“ (z. B. Kinder mit englischer Muttersprache) beim Erwerb der Sprache (in Wort und Schrift) und der Kultur eines anderen Sprachraums. Angeboten werden solche Programme z. B. für Chinesisch, Deutsch, Französisch, Russisch oder Spanisch. Es sind jedoch auch Lernende in solchen Programmen vertreten, die zuhause eine andere Sprache als Englisch sprechen. Dabei kann es sich um die Partnersprache oder um eine dritte Sprache handeln. So könnten beispielsweise Schülerinnen und Schüler, die zuhause Arabisch sprechen, an einem bilingualen Immersionsprogramm für Englisch und Deutsch teilnehmen.

Two-way dual language immersion: Diese Art von Programmen sieht vor, dass zwei „Sprachgruppen“ gemeinsam in einem Klassenzimmer unterrichtet werden, wobei eine Gruppe Englisch als Muttersprache hat und die andere Gruppe zuhause die Partnersprache spricht. „Two-way“ weist darauf hin, dass diese beiden Sprachgruppen, also Englisch und beispielsweise Deutsch, sich zeitgleich und zunehmend immer stärker zur jeweils anderen Sprache hinbewegen. Um beiden Sprachgruppen gleichermaßen gerecht zu werden, sollte keine Gruppe einen Anteil von weniger als einem Drittel der Klasse darstellen.

Weitere Begriffe für solche Programme sind u. a. bilingual immersion, bilingual enrichment sowie developmental bilingual, wobei bilingual enrichment häufig für Programme verwendet wird, bei denen weniger als 50 % des Unterrichts an einem Schultag in der Partnersprache stattfindet. Als developmental bilingual bezeichnete Programme unterrichten primär Englischlernende und in der Regel nicht zwei zu gleichen Teilen vertretene Sprachgruppen. Die one-/two-way dual language programs sind unterschiedlich strukturiert, ihnen ist jedoch gemein, dass mindestens 50% des Unterrichts in allen Klassenstufen in der Partnersprache erfolgt. Sie setzen im Kindergarten, in der Vorschule oder der ersten Grundschulklasse an und sind auf mindestens fünf Jahre (bis zur 5. Klasse) ausgelegt, bevorzugt werden sie jedoch bis zum High-School-Abschluss (d. h. bis zur 12. Klasse) fortgeführt.

Weitere Begriffe mitsamt ihren Definitionen finden Sie auf den Informationsseiten zum „Two-Way Immersion Outreach Project“ des Center for Applied Linguistics (CAL).
Zahlreiche Staaten und Bezirke im ganzen Land erweitern derzeit ihr Angebot bilingualer Schulprogramme. In mehreren Bundesstaaten gelten verbindliche Richtlinien für bilinguale Bildungsinitiativen und Immersionsprogramme, wobei einige auch  konkrete Programmstrukturen bzw. Anforderungen vorgeben. Die folgenden Bundesstaaten bieten einen umfassenden Überblick über ihre Richtlinien und Programmergebnisse und stellen Ressourcen und Informationen zur bilingualen Erziehung bereit:
Darüber hinaus haben die folgenden Staaten mit dem Seal of Biliteracy eine Auszeichnung eingeführt, die von Schulen, Bezirken oder Bundesstaaten an Schülerinnen und Schüler verliehen werden kann, die zum Zeitpunkt des High-School-Abschlusses zwei oder mehr Sprachen erlernt und einen entsprechenden Leistungsnachweis erbracht haben:
Arizona, California, Colorado, Connecticut, Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, Indiana, Kansas, Louisiana, Maryland, Massachusetts, Minnesota, Missouri, Nevada, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, Oregon, Rhode Island, Texas, Utah, Virginia, Washington, Wisconsin.
Möchten Sie mehr über Bilingualität, ihre Vorteile für den Einzelnen und für die Gesellschaft, den aktuellen Status bilingualer Schulbildung in den USA oder praktische Aspekte der mehrsprachigen Erziehung erfahren? Dann sind Sie hier richtig: Wir haben eine Bibliographie mit Kommentaren zu diesen und verwandten Themen im Hinblick auf den Erwerb und das Unterrichten einer Zweitsprache sowie das Gestalten der Schulpolitik für Sie zusammengestellt.  

Sind Sie bereit, Deutsch an Ihrer Schule einzuführen?

Die Einführung eines bilingualen Programms erfordert eine sorgfältige langfristige Planung und komplexe Entscheidungen, die miteinander verflochten sind. Auf unserem Portal erhalten Sie einen Wegweiser zur Gründung eines Programms, einen Überblick über die am häufigsten verwendeten curricularen Modelle, oft eingesetzte Qualitätsstandards und mögliche Programmergebnisse. Lesen Sie weiter!

National Association for Bilingual Education

U.S.-weite Interessengruppe für Förderung des bilingualen Unterrichts, Ressourcen und Fortbildungen für Lehrkräfte, Kontakte zu bilingualen Programmen in den USA

Center for Advanced Research on Language Acquisition (CARLA)

Immersionsausbildung und Forschung: Artikel und Bücher, Bibliographien, Forschungsprojekte und Berichte, Fortbildung für Lehrkräfte