Autorenlesungen und Diskussion Boston Book Festival

Collage Bookfestival

Sa, 19.10.2019

199 Commonwealth Ave

Ecke Exeter Street
Boston

Neuer Veranstaltungsort!

11:00 Uhr: Katy Derbyshire und Danny Bowles, “Chances of German Translations in the US"
Nach der Statistik der Translation Database von Publishers Weekly war 2018 das zweite Jahr in Folge, in dem die Gesamtzahl der übersetzen Werke in den USA im Bereich Roman und Poesie gesunken ist: 606 Titel wurden veröffentlicht im Vergleich zu 666 im Jahr 2016. Diese Zahlen sind nur ein winziger Bruchteil des Gesamtmarkts in den USA, der rund 300.000 Neuveröffentlichungen jährlich umfasst. Im Gegensatz dazu Deutschland: 2016 kamen nach einem Bericht der Frankfurter Buchmesse 9,882 neue Übersetzungen auf den Markt, ein Prozentsatz von 13,6 der Gesamtveröffentlichungen. Autoren wie J.K. Rowling und Jojo Moyes führen in USA und Deutschland die Bestsellerlisten an, aber in Amerika ist es sehr selten, dass ein deutscher Autor ganz oben auf den Charts steht. Warum dieses kulturelle Ungleichgewicht? Zwei literarische Übersetzer suchen nach Antworten.

Katy Derbyshire © Anja Pietsch Katy Derbyshire, geboren in London, lebt seit über zwanzig Jahren in Berlin und übersetzt seit zehn Jahren deutschsprachige Gegenwartsliteratur ins Englische. In diesem Jahr erschien ihre Übersetzung von Olga Grjasnowas Gott ist nicht schüchtern unter dem Titel City of Jasmine.


Daniel Bowles © Lee Pellegrini Daniel Bowles unterrichtet Germanistik am Boston College. Für seine Übersetzung von Christian Krachts Die Toten wurde er 2016 mit dem Helen und Kurt Wolff Übersetzerpreis des Goethe-Instituts ausgezeichnet.



13:00 Uhr: Olga Grjasnowa, Katy Derbyshire: City of Jasmine (Gott ist nicht schüchtern)
Als die syrische Revolution ausbricht, feiert Amal ihre ersten Erfolge als Schauspielerin und träumt von kommendem Ruhm. Zwei Jahre später wird sie im Ozean treiben, weil das Frachtschiff, auf dem sie nach Europa geschmuggelt werden sollte, untergegangen ist. Sie wird ein Baby retten, das sie fortan ihr Eigen nennen wird. Hammoudi hat gerade sein Medizinstudium beendet und eine Stelle im besten Krankenhaus von Paris bekommen. Er fährt nach Damaskus, um die letzten Formalitäten zu erledigen. Noch weiß er nicht, dass er seine Verlobte Claire niemals wiedersehen wird. Dass er mit hundert Wildfremden auf einem winzigen Schlauchboot hocken und darauf hoffen wird, lebend auf Lesbos anzukommen. In Berlin werden sich Amal und Hammoudi wiederbegegnen: zwei Menschen, die alles verloren haben und nun von vorn anfangen müssen. Olga Grjasnowas Romane erinnern uns immer wieder daran, dass es nicht nur diese eine Welt vor unserer Haustür gibt, sondern sehr viele Welten, und dass es sich lohnt, sie kennenzulernen. Ihr neues Buch ist ein erschütterndes Dokument unserer Zeit. (Klappentext)

Olga Grjasnowa © René Fietzek Olga Grjasnowa, geboren 1984 in Baku, Aserbaidschan. Längere Auslandsaufenthalte in Polen, Russland, Israel und der Türkei. Für ihren vielbeachteten Debütroman "Der Russe ist einer, der Birken liebt" wurde sie mit dem Klaus-Michael Kühne-Preis und dem Anna Seghers-Preis ausgezeichnet. 2014 erschien „Die juristische Unschärfe einer Ehe“. Beide Romane wurden für die Bühne dramatisiert. Olga Grjasnowa lebt mit ihrer Familie in Berlin.



Katy Derbyshire © Anja Pietsch Katy Derbyshire, geboren in London, lebt seit über zwanzig Jahren in Berlin und übersetzt seit zehn Jahren deutschsprachige Gegenwartsliteratur ins Englische (u. a. Inka Parei, Clemens Meyer, Helene Hegemann, Simon Urban, and Christa Wolf). Sie ist Mitgastgeberin eines monatlichen “Translation Lab” und der Veranstaltungsreihe Dead Ladies Show.

15:00 Uhr: Thomas Pletzinger, Kurt Fendt: The Great Nowitzki

Dirk Nowitzki gehört zu den Legenden eines weltweiten Spiels, er hat Basketball grundlegend revolutioniert. Kein deutscher Sportler hat seine Sportart tiefgreifender geprägt. Dirk Nowitzki ist ein globaler Superstar – als Mensch ist er zugleich nahbar und schwer zu fassen. ­Thomas Pletzinger hat ihn über viele Jahre immer ­wieder getroffen und ihn begleitet. In diesem Buch erzählt der Schriftsteller erstmals die Geschichte der großen und ­faszinierenden Karriere Nowitzkis – ­packend, kenntnisreich und dicht beobachtet. In den vergangenen sieben Jahren wurde Thomas Pletzinger Teil von Nowitzkis Kosmos. In The Great Nowitzki zeigt er uns seine ungesehene Welt jenseits des Scheinwerferlichts – zwischen Flughäfen, staubigen Turnhallen und Nowitzkis Haus in Dallas.


Thomas Pletzinger © Juliane Henrich Thomas Pletzinger, geboren 1975, wuchs in der Basketballstadt Hagen auf und verbrachte seine ganze Jugend in Sporthallen. Für eine Profikarriere reichte es nicht, stattdessen studierte er Amerikanistik in Hamburg und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sein Romandebüt »Bestattung eines Hundes« erschien 2008, danach begleitete er für sein Sachbuch »Gentlemen, wir leben am Abgrund« (2012) ein Jahr lang die Basketballprofis von Alba Berlin. Zuletzt erhielt er für seine Arbeit den Comicbuchpreis der Berthold Leibinger-Stiftung und das Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Berlin und arbeitet als Autor, Journalist und Übersetzer.


Kurt Fendt © Kurt Fendt Kurt Fendt unterrichtet seit 1993 Digital Humanities, Medienwissenschaft und Germanistik am MIT. Er ist Direktor der Active Archives Initiative und gründete das MIT Kurzfilmfestival. Davor war er Assistant Professor an der Universität Bern.

17:00 Uhr: Susan Neiman, Cathryn Clüver Ashbrook: Learning from the Germans

Während ein zunehmend polarisiertes Amerika um das Erbe des Rassismus kämpft, fragt die Autorin Susan Neiman, die bereits mehrere zeitgenössische philosophische Klassiker geschrieben hat, was Amerikaner von den Deutschen lernen können, wenn es um den Umgang mit den Schandtaten der Vergangenheit geht. Angesichts der weiß-nationalistischen Angriffe, der andauernden Debatte um Entschädigungen, der Kontroverse um die konföderierten Denkmäler in den Südstaaten und die umstrittenen Ereignisse, an die sie erinnern, zeigt Susan Neiman in Learning from the Germans neue Perspektiven auf, wie ein Land sich seinen historischen Fehlverhalten stellen kann.

Susan Neiman © Cindy Konig Susan Neiman ist Direktorin des Einstein Forums. Geboren in Atlanta, Georgia, studierte sie Philosophie an der Harvard Universität und der Freien Universität Berlin. Bevor sie 2000 die Leitung des Einstein Forums übernahm, war sie Professorin für Philosophie an der Yale Universität und der Tel Aviv Universität. Neiman ist Autorin u. a. von Slow Fire: Jewish Notes from Berlin, The Unity of Reason: Rereading Kant, Evil in Modern Thought, Fremde sehen anders, Moral Clarity: A Guide for Grown-up Idealists und Why Grow Up? Subversive Thoughts for an Infantile Age.

Cathryn Clüver Ashbrook © Cathryn Clüver Ashbrook Cathryn Clüver Ashbrook besitzt die deutsche und amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie ist Gründerin des Future of Diplomacy Projects an der Harvard Kennedy School, das sich mit den Herausforderungen des Verhandelns und der Staatskunst im 21. Jahrhundert beschäftigt. Als Europaexpertin sind transatlantische Themen ihr Forschungsgebiet.

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