Theaterstück Amerika

Amerika Foto (Ausschnitt): © Fabian Hammerl

Sa, 16.11.2019

12th Avenue Arts

12th Avenue Arts
1620 12th Avenue
Seattle WA 98122

Ein Theaterstück des Thalia Theaters Hamburg nach dem Roman von Franz Kafka.

Diese Aufführung ist bereits ausverkauft. Es besteht die Möglichkeit sich über Eventbrite für die Warteliste zu registrieren. Wir bitten alle Teilnehmer, die bereits ein Ticket haben, aber nicht länger teilnehmen können, ihre Registrierung über Eventbrite zu stornieren sodass die Plätze an Personen auf der Warteliste vergeben werden können. Alle Ticketinhaber, die sich zu Beginn des Stücks (19 Uhr) nicht im Theater eingefunden haben, verlieren ihren Sitzplatzanspruch. Bitte erscheinen Sie rechtzeitig.

Kafka muss man nicht mögen, aber man sollte seinen Roman, Amerika, noch einmal genauer betrachten. Dieser ist momentan vielleicht aktueller als je zuvor. Im Roman schreibt er über das Vertrieben-Sein aus dem eigenen Land, dem sozialen Abstieg in der Fremde und über die Sehnsucht nach Heimat.
 
Als der sechzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte, in dem schon langsam gewordenen Schiff in den Hafen von New York einfuhr, erblickte er die schon längst beobachtete Statue der Freiheitsgöttin wie in einem plötzlich stärker gewordenen Sonnenlicht.
 
Kafkas Amerika (Der Verschollene) ist kein konkretes Land, sondern ein vielfach überlagertes Bild aus Mythen, Projektionen, Fakten und Fantasien. Die Reise des Auswanderers Karl Roßmann findet im Kopf statt, von der Einfahrt in den Hafen New Yorks bis zur finalen Zugfahrt zum großen Naturtheater von Oklahoma ist es die Odyssee eines Anschlusssuchenden, der bis zuletzt nicht an der eigenen Isolation verzweifelt und vielleicht sogar am Ende im Theater Oklahomas jenes Zuhause findet, das er fortwährend suchte.
 
Kafkas epochales Werk schildert zu Beginn des 20. Jahrhunderts hellsichtig die Figur des „Vertriebenen“ – vertrieben durch die Eltern, vertrieben aus Europa. Die Geschichte eines Heimatlosen, dem Amerika nicht, wie Hunderttausenden von freiwilligen Auswanderern zum Ort der Verheißung wird, sondern zum Land des sozialen Abstiegs – ein Antibild zu Familien wie den irischen Kennedys oder deutschen Kaufmannsfamilien, die sich dort eine neue Existenz aufbauten. Kafka ermöglicht durch die Schilderung der Welt der Moderne, ihrer gigantischen Verkehrsströme, ihrer hektischen Arbeitswelt unser erinnerndes Erstaunen darüber, dass all das, was wir als normal empfinden, erst seit kurzem so ist. Kafkas Roman als Phantasma und Erlebnis eines einzigen Schauspielers.
 
Mit Bekim Latifi und unter der Leitung von Bastian Kraft. Bühne von Peter Baur.
90 Minuten ohne Pause.
 
Der Eintritt ist frei. Voranmeldung unter: www.eventbrite.com/

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