Konferenz / Panel Diskussion Worlds of Homelessness: 1. Tag

BILD: have you ever felt invisible © Goethe-Institut/Loredana La Rocca

Di, 22.10.2019

17:30 - 23:00

Skid Row History Museum & Archive

Formulierung des Themas: Obdachlosigkeit und seine verwandten Themen

Obdachlosigkeit und Wohnungsnot sind globale Phänomene, die immer weiter um sich greifen. Mieten und Kaufpreise für Wohnraum steigen weltweit. Die Auswirkung der Gentrifizierung und die zunehmenden Lebenshaltungskosten an Orten, die früher als erschwinglich galten, vertreiben oft gefährdete Bevölkerungsgruppen aus ihrem Zuhause.
 
In einer Stadt wie Los Angeles ist die Kluft zwischen Arm und Reich allgegenwärtig. Das Image von Hollywood-Glamour und Millionärsdichte steht in starkem Gegensatz zu den geschätzten 60.000 obdachlosen Menschen, die in Los Angeles County leben. Laut Experten könnte die tatsächliche Zahl noch viel höher sein. Der Ausdruck „nur einen Gehaltsscheck von der Obdachlosigkeit entfernt“ wird häufig verwendet, um zu beschreiben, wie nahe viele Menschen der Zwangsräumung sind, wenn sie nur einen Monat kein Gehalt bekommen. Universitäten sind auf der Suche nach Strategien, um Studenten, die zwar die Studiengebühren entrichten, aber keine feste Bleibe haben, zu helfen. Gleichzeitig versuchen Künstler, Aktivisten und Residenten von Skid Row, einem der größten Obdachlosenviertel in Los Angeles und den gesamten USA mit einer geschätzten Bevölkerungsanzahl von 8.000 – 12.000 Bewohnern, billige Unterkünfte und Ressourcen für das Viertel zu erhalten und verbessern. 
 
In Städten wie Berlin fordern Gentrifizierungsgegner eine drastischere Mietpreisbremse, einige sogar die Zwangsenteignung von Besitzern, die ihr Wohneigentum nicht selbst nutzen. In anderen Teilen der Welt verändert sich die Sicht auf informelle Siedlungen, in denen große Bevölkerungsgruppen beheimatet sind.
 
Wie werden die Themen der Obdachlosigkeit und Wohnungsnot in verschiedenen Gemeinden, Städten, Ländern oder Teilen der Erde diskutiert und adressiert? Wie können wir die Verbindungen und Zusammenhänge zwischen Obdachlosigkeit und den zahlreichen, damit verwandten Themen wie Arm und Reich, Partizipation, Ungleichheit, Gentrifizierung, Rassismus und Migration verstehen und ergründen? Ist das Recht auf Wohnen ein Menschenrecht, das von der Politik stärker unterstützt werden muss? Wie können das Wissen und die Bedürfnisse der betroffenen Gemeinschaften zu wichtigen Triebkräften für einen Wandel werden?
 
Ananya Roy ist Leiterin des Institute on Inequality and Democracy at UCLA Luskin, wo das Housing Justice in #Unequal Cities Network, ein weltweites Forschungsprojekt an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wohnungspolitik, verankert ist. Michele Lancione von der University of Sheffield forscht in Osteuropa und gründete das Radical Housing Journal. Crushow Herring, auch als Showzart bekannt, ist ein virtuoser Künstler, der auf den Straßen von Skid Row arbietet. Barbara Schönig von der Bauhaus-Universität Weimar beschäftigt sich mit dem Thema des bezahlbaren Wohnraums in Deutschland.

WORLDS OF HOMELESSNESS: 1. Tag

17.30 Uhr  Einführung: Goethe-Institut and LA Poverty Department

18.00 - 21.00 Uhr Eröffnung: Formulierung des Themas

                                                                                    
                                                Ananya Roy, Los Angeles, USA

                                                Michele Lancione, Sheffield, UK 

                                                Crushow Herring, Los Angeles, USA 

                                                Barbara Schönig, Weimar, Deutschland

                                                Moderatorin: Catherine Wagley,
                                                                       Los Angeles, USA
 
21.00 Uhr Empfang & Music Performance von The LA Playmakers.


Ananya Roy
ist Professorin für Stadtplanung, Sozialfürsorge und Geografie sowie Direktorin des Institute on Inequality and Democracy an der UCLA Luskin School of Public Affairs. Sie ist Inhaberin des Meyer and Renee Luskin Lehrstuhls für Ungleichheit und Demokratie. In ihrer Forschung konzentriert sie sich zielstrebig auf die Themen der Armut und Ungleichheit und versucht, soziale Randgruppen zu stärken. Ihre derzeitige Arbeit beschäftigt sich mit ethnisch motivierter Vertreibung oder der Verdrängung der Arbeiterklasse aus Städten wie Los Angeles in die entlegenen Randgebiete des städtischen Lebens. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. für ihr 2010 erschienenes Buch „Poverty Capital: Microfinance and the Making of Development“ mit dem Paul Davidoff Award, der Forschungsarbeit zur Förderung sozialer Gerechtigkeit würdigt. Derzeit leitet sie das von der National Science Foundation geförderte globale Forschungsnetzwerk Housing Justice in Unequal Cities.

Michele Lancione beschäftigt sich mit Stadtethnografie, ist Aktivist und interessiert sich für Themen der Marginalität und Diversität, Obdachlosigkeit und radikalen Politik. Seine Arbeiten sind in führenden internationalen Zeitschriften über Stadtgeografie, Wohnungswesen und Anthropologie veröffentlicht worden. Sein erster Sammelband trägt den Titel „Rethinking Life at the Margins“. Zu nicht-akademischen Werken gehört eine Gemeinschaftsdokumentation über Zwangsräumungen im rumänischen Bukarest (www.ainceputploaia.com). Zudem ist Lancione einer der Gründer und Herausgeber des Radical Housing Journal sowie Editor of City und Corresponding Editor for Europe des International Journal of Urban and Regional Research (IJURR). Er ist am Urban Institute und dem Department of Urban Studies and Planning der University of Sheffield (GB) tätig.

Crushow Herring, auch als Showzart bekannt, wurde in Kansas City, Missouri, geboren. Der virtuose Künstler schreibt seine Passion für gemeinschaftliches Engagement und sein Bestreben danach etwas zu bewegen seiner Mutter, Sherita J. Herring, zu. Sie war Teil der Kreative Images Foundation und vermittelte ihm bereits in jungen Jahren die Wichtigkeit von Inspiration und Unterstützung anderer. Weiterhin führt er Teil seiner illustrativen Fähigkeiten auf seinen Vater, Gerrie E. Herring, zurück, der ebenfalls Künstler war. So lange er sich zurückerinnern kann, saß Crushow neben ihm und prägte sich so viel wie möglich von dem einzigartigen Talent seines Vaters ein.  Ob durch seine aktive Arbeit auf den Straßen von Skid Row, oder in den Räumlichkeiten des Rathauses, Crushow ist stets essentieller Bestandteil des Kampfes um Gleichberechtigung und in der Entwicklung von Programmen und Dienstleistungen, die nicht nur den Entrechteten dienen, sondern darüber hinaus Möglichkeiten für Menschen jeglicher Herkunft eröffnen.

Barbara Schönig, Prof. Dr.-Ing., studierte Stadt- und Regionalplanung, Neuere deutsche Literatur und Kunstgeschichte in Berlin und Columbus, Ohio. In ihrer Dissertation konzentrierte sie sich auf Zivilgesellschaft und stadtregionale Planung in den USA. Bevor sie 2012 Professorin für Stadtplanung an der Bauhaus-Universität Weimar wurde, lehrte sie an der Technischen Universität Berlin und an der Technischen Universität Darmstadt. Sie ist Direktorin des Institutes für Europäische Urbanistik und Prodekanin der Fakultät Architektur und Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar. Ihre Forschung kreist um die kritische Betrachtung der Planung und deren Rolle innerhalb von Prozessen und Praktiken der Raumgewinnung. Zu Forschungsfeldern gehören interdisziplinäre Wohnraumforschung, sozialer Wohnungsbau, Teilhabe an der Stadtentwicklung sowie Prozesse der räumlichen Umgestaltung städtischer, vorstädtischer und ländlicher Regionen.

Catherine Wagley ist Kunstkritikerin und Journalistin in Los Angeles. Sie ist freie Redakteurin für die Kunstmagazine Momus und Contemporary Art Review Los Angeles (CARLA). Von 2011 bis 2017 war sie als Kunstkritikerin für LA Weekly tätig, und sie schreibt u.a. für artnet News, ARTNews, Hyperallergic, die LA Times und The LAnd. Vor kurzem erhielt sie den Rabkin Prize für Kunstjournalismus. Ihre aktuellen Arbeiten kreisen oft um das Thema des Unbekannten: Wie entlocken wir den Randbereichen verschiedener Kunstwelten Geschichten, ohne sie in gängige Narrative zu zwingen, von denen wir bereits wissen, wie wir sie erzählen müssen? Zudem erkundet sie in ihren Berichten über Los Angeles häufig die Beziehung zwischen Kunst, Gentrifizierung und Stadtgeografie.

Die LA Playmakers wurden 2014 von Joseph Warren und Stan Watson gegründet. Sie alle waren Mitglieder der Central City Church of the Nazarene in Skid Row. Die versierten Profimusiker haben mit einer Reihe bekannter Jazz- und Popmusiker gespielt. Sie verkörpern den kreativen Geist, der in der Skid Row Community fortbesteht. Die LA Playmakers werden die Veranstaltungsreihe Worlds Of Homelessness eröffnen und das Festival für alle Skid Row-Künstler schließen.

           

 

Zurück