Worlds of Homelessness: 4. Tag

BILD: have you ever felt invisible © Goethe-Institut/Loredana La Rocca

Fr, 25.10.2019

15:00 - 21:30

Skid Row History Museum & Archive

Wissensproduktion und neue Wege

Dem Thema Obdachlosigkeit wird sich in verschiedenen Fachrichtungen und auch  verschiedenen Ländern unterschiedlich angenähert. Wie wird Wissen über Obdachlosigkeit generiert? Sind Obdachlosigkeit und Wohnungsnot in Deutschland und den USA vergleichbar? In welchem Zusammenhang stehen Aspekte der Obdachlosigkeit mit informellen Siedlungen im globalen Süden? Wie werden Daten erhoben und wie verwertet? Wie können das Wissen und die Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerungsgruppen zu wichtigen Katalysatoren für die Wissensproduktion und Lösungswege werden?

Jutta Allmendinger aus Berlin ist Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und eine der ersten Stipendiatinnen des Thomas Mann House in den USA, die sich während ihres Aufenthaltes mit dem Thema Obdachlosigkeit auseinandersetzte, mit einem Schwerpunkt auf berufstätigen Obdachlosen in Los Angeles. Sie führt ihre Forschungsarbeit in Deutschland fort. Hilary Silver ist derzeit Professorin und Lehrstuhlinhaberin der Fakultät für Soziologie des Columbian College of Arts and Sciences. Neben zahlreichen verwandten Themen erforscht sie Obdachlosigkeit in den Vereinigten Staaten. Cristina Cielo befasst sich mit informellen Siedlungen in Ecuador sowie Aspekten der Obdachlosigkeit auf den Philippinen. Charles Porter ist Mitarbeiter des United Coalition East Prevention Project (UCEPP) und Aktivist in Skid Row.
 

WORLDS OF HOMELESSNESS: 4. Tag

15.00 - 18.00 Uhr Diskussion: Wissensproduktion und neue Wege

Einführung: Goethe-Institut und LA Poverty Department 
                                           
                      Jutta Allmendinger, Berlin, Deutschland

                      Hilary Silver, Washington D.C., USA

                      Cristina Cielo, Quito, Ecuador

                      Charles Porter, Los Angeles, USA

                      Moderatorin: Catherine Wagley, 
                                             Los Angeles, USA 

18.00 - 19.00 Uhr Empfang

19.00 Uhr Film “The Advocates” von Remi Kessler mit Q&A.



Jutta Allmendinger ist seit 2007 Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zudem ist sie seit 2012 Honorarprofessorin für Soziologie an der Freien Universität Berlin. Allmendinger studierte Soziologie und Sozialpsychologie an der Universität Mannheim und der University of Wisconsin-Madison und promovierte an der Harvard University. Sie habilitierte sich an der Freien Universität Berlin und hatte von 1992 bis 2007 eine Professur an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München inne. Zu ihren zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen gehört das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Allmendinger ist in vielen Beiräten im In- und Ausland tätig. Seit 2014 ist sie Mitglied des Goethe-Instituts. 2018 verbrachte sie vier Monate am Thomas Mann House in Los Angeles und wurde als eine der ersten Stipendiatinnen vom Kuratorium des Villa Aurora & Thomas Mann House e.V. nominiert.
 
Hilary Silver hat den Lehrstuhl und die Professur für Soziologie, Internationale Angelegenheiten und Staatstätigkeit an der George Washington University in Washington, D.C. inne. Zudem ist sie emeritierte Professorin für Stadtforschung und Soziologie an der Brown University in Providence, Rhode Island, wo sie nach ihrer Promotion an der Columbia University ihre wissenschaftliche Karriere antrat. Sie war Herausgeberin der Stadtsoziologie-Zeitschrift „City & Community“, Beraterin der Weltbank, der Internationalen Arbeitsorganisation IAO, der Vereinten Nationen sowie weiterer internationaler Organisationen bei weltweiten Fragen der sozialen Exklusion, Armut und Ungleichheit. Sie war zweimal Fulbright-Stipendiatin in Deutschland und unter den ersten Stipendiatinnen des Hanse-Wissenschaftskollegs in Delmenhorst. Neben vielen anderen Think-Tanks und Universitäten war sie an der Humboldt-Universität und Freien Universität Berlin sowie am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) zu Gast und wurde vom DAAD unterstützt. Ihr Film „Direction Home“ (2015) folgt sieben Menschen in Rhode Island, die sieben Jahre lang obdachlos waren, bevor sie alle eine feste Unterkunft fanden.

Cristina Cielo lehrt am Institut für Soziologie und Geschlechterforschung der Lateinamerikanischen Fakultät für Sozialwissenschaften (FLACSO) in Quito, Ecuador. In ihrer Lehre und Forschung setzt sie sich damit auseinander, wie wir globale ökonomische Strukturen, von geschichtlichen Entwicklungen bis zu heutigen Warenströmen, in unserem Alltagsleben erfahren, vor allem in Hinblick darauf, wie wir den Menschen in unserem Umfeld begegnen und wie wir lernen, füreinander zu sorgen oder nicht zu sorgen. Sie hat darüber geforscht, was Eigentum und Legalität für soziale Randgruppen in Lateinamerika und auf den Philippinen bedeuten und interessiert sich insbesondere für die subjektiven und politischen Dimensionen wirtschaftlicher Ungleichheit. In der Hoffnung, dass sich durch gemeinsame Anstrengungen ein Wandel der Strukturen erreichen lässt, die unser Leben formen, will sie translokale Vergleiche und partizipative Forschung als Mittel einsetzen, um verschiedene Wissensformen und Menschen zusammenzubringen. Derzeit arbeitet sie an dem Buch "Diverse Commons: Property, Water and Politics in the Urban Andes".

Charles Porter ist der Präventions Koordinator des United Coalition East Prevention Projects, einem Programm der Social Model Recovery Systems. In seiner mehr als 20-jährigen Laufbahn in der Präventionsarbeit  war er besonders im Bereich zur Förderung des gemeinschaftlichen Engagements tätig und nutzt dieses um drogenbezogene Problemstellungen zu adressieren. Er organisiert kulturell sensibilisierte Interventionen und hat bereits mit Menschen aller Generationen zusammengearbeitet. Porter hat in zahlreichen Präventionsprogrammen als auch Nachbarschaftsinitiativen zur Verbesserung der Lebenssituation in seinem neuen Arbeitsumfeld Skid Row, Los Angeles, mitgewirkt. Sein Einsatz zielt weiterhin darauf ab, durch die Verknüpfung von basisnahen Herangehensweisen mit erforderlichen Ressourcen, nachbarschaftliches Wohlbefinden und Sicherheit auszubauen.                  

Catherine Wagley ist Kunstkritikerin und Journalistin in Los Angeles. Sie ist freie Redakteurin für die Kunstmagazine Momus und Contemporary Art Review Los Angeles (CARLA). Von 2011 bis 2017 war sie als Kunstkritikerin für LA Weekly tätig, und sie schreibt u.a. für artnet News, ARTNews, Hyperallergic, die LA Times und The LAnd. Kürzlich erhielt sie den Rabkin Prize für Kunstjournalismus. Ihre aktuellen Arbeiten kreisen oft um das Thema des Unbekannten: Wie entlocken wir den Randbereichen verschiedener Kunstwelten Geschichten, ohne sie in gängige Narrative zu zwingen, von denen wir bereits wissen, wie wir sie erzählen müssen. Zudem erkundet sie in ihren Berichten über Los Angeles häufig die Beziehung zwischen Kunst, Gentrifizierung und Stadtgeografie.

 

Zurück