2019 Kuratorin
Goethe-Institut Curatorial Residencies Ludlow 38

Franziska Sophie Wildförster © Carolina Frank Fotografie

Franziska Sophie Wildförster

Von Wien nach New York: Franziska Sophie Wildförster wird 2019 die neue Kuratorin der Goethe-Institut Curatorial Residencies Ludlow 38. Für ein Jahr gestaltet sie nun das Ausstellungsprogramm des Kunstraums an der Lower East Side.

Ludlow 38 wurde 2008 gegründet und bietet seitdem in der Lower East Side Manhattans einen experimentellen Raum für Gegenwartskunst in der Tradition des deutschen Kunstvereins. Seit der Einführung eines Residenzprogramms für junge Kuratoren 2011 – der Goethe-Institut Curatorial Residencies Ludlow 38 – werden die Ausstellungen von jährlich wechselnden Kuratorinnen und Kuratoren aus Deutschland konzipiert.

In diesem Jahr gestaltet Franziska Sophie Wildförster das Ausstellungsprogramm in New York. Ausgewählt wurde sie von einer internationalen Fachjury, bestehend aus Larissa Harris (Queens Museum of Art), Christian Rattemeyer (Museum of Modern Art) sowie Nicolaus Schafhausen (Kunsthalle Wien).
 
Die Kuratorin beschäftigt sich mit der Metapher des Geistes an den Schnittstellen von Feminismus, queerer Kultur und Dekolonialismus. Ihr Fokus in New York liegt auf der Frage, wie in kapitalistische Gesellschaften in der Vergangenheit und Gegenwart Wissen produziert und verbreitet wird, und welche Konzepte und Subjekte von dominanten Narrativen ausgeschlossen sind. Dafür greift sie auch auf die sogenannte „Hauntologie“ zurück: Eine Theorie, die auf Jacques Derrida zurückgeht und der zufolge Ideen und Utopien aus untergegangenen Systemen wie dem Kommunismus in den Gedankengebäuden der Gegenwart fortexistieren – ähnlich wie Geister. 

Ihr Programm in Ludlow 38 startet Wildförster am 22. Februar 2019 mit einer Gruppenausstellung, die das kuratorische Kollektiv Cruising Pavilion rund um Pierre-Alexandre Mateos, Rasmus Myrup, Octave Perrault und Charles Teyssou organisiert. Unter dem Titel „Cruising Pavilion, New York“ thematisiert die Ausstellung verschwundene und potentielle Kulturen und Orte des sogenannten Cruisings - ein Begriff, der sich auf die Praxis bezieht, sich im öffentlichen Raum nach einem meist anonymen Sexualpartner umzusehen. Dabei erweitert das Kollektiv den Begriff um eine räumliche Komponente und untersucht Architekturen, die mit Cruising in Zusammenhang stehen, wie öffentliche Toiletten, Parks, Badehäuser oder Nachtclubs. Gezeigt werden Werke u.a. von Shu Lea Cheang, Victoria Colmegna, DeSe Escobar, Maud Escudié, Jürgen H. Mayer, Kayode Ojo, Carlos Reyes, Philipp Timischl oder Robert Yang. Die Gruppe führt mit der New Yorker Ausstellung ihr Projekt fort, das sie bereits 2018 auf der Architektur-Biennale in Venedig begonnen haben.
 
Im Laufe des Jahres zeigt Wildförster darüber hinaus neue Arbeiten und New York-Debüts von Künstlerinnen und Künstlern wie der 2015 für den Turner-Preis nominierten Bonnie Camplin, dem Performance- und Installationskünstler Paul Maheke und der in Los Angeles lebenden Candice Lin. Im April eröffnet eine Ausstellung mit räumlicher Intervention und fortlaufender Performance der Künstlerin Ser Serpas. Die in London und Algiers lebende Künstlerin Lydia Ourahmane wurde mit der Realisierung eines Off-site-Projekts beauftragt.
 
Franziska Sophie Wildförster, geboren 1987 in Starnberg, arbeitet seit 2013 als Kuratorin in Wien. 2016 gründete sie dort den unabhängigen Kunstraum Kevin Space mit, in dem unter anderem Ausstellungen und Projekte von Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, Alex Baczynski-Jenkins, Lydia Ourahmane, Yuri Pattison und Kandis Williams zu sehen waren.