Gespräch Arbeit in der Amazon-Ära: Heike Geißler im Gespräch mit Stephen Squibb

Amazon Fulfillment Center © Tony Webster 2017 http://bit.ly/2GzFO62

12.03.19
19:00 Uhr

Goethe-Institut New York

30 Irving Place
New York, NY 10003

Die deutsche Schriftstellerin Heike Geißler wird mit dem Kritiker und Autor Stephen Squibb über Saisonarbeit sprechen, dem literarischen Erfahrungsbericht über ihre Arbeit in einem Warenlager von Amazon.
 
Die deutsche Schriftstellerin Heike Geißler nimmt in Saisonarbeit einen saisonalen Job in einem Warenlager von Amazon in Leipzig an, da sie nicht mehr von den Erträgen aus ihrem freiberuflichen Schreiben und Übersetzen leben kann. Aber der Job, der als Notlösung gedacht ist, wird schnell zum Abstieg in die Erniedrigung und Geißler beginnt bald, die Dynamik und Natur des postkapitalistischen Arbeitsmarktes und der prekären Arbeit zu verinnerlichen. Aus rein finanziellen Gründen und nicht aus journalistischem Ehrgeiz zur Arbeit bei Amazon gedrängt, hat Heike Geißler dennoch die erste und einzige literarische Darstellung der flexiblen Zeitarbeit innerhalb eines Großkonzerns geschrieben, die dem Arbeitnehmer – längst zu einer verschleißbaren Ressource geworden - "Freiheit" bietet. Saisonarbeit, ein Wechselspiel aus erster und zweiter Person, ist eine nuancierte Darstellung der psychischen Schäden, die in Mega-Unternehmen eine wesentliche Arbeitsbedingung geworden sind. Geißler beschreibt, wie die Brutalitäten des Arbeitslebens im 21. Jahrhundert in Erschöpfung, Scham und Selbstzweifel transformiert werden.
 
Die jüngste Veröffentlichung von Seasonal Associate in den USA (in englischer Übersetzung von Katy Derbyshire) bietet Gelegenheit, über die immer größere Abhängigkeit der Unternehmen von der Arbeit unabhängiger Auftragnehmer und deren prekäre Arbeitsbedingungen nachzudenken, insbesondere angesichts des mittlerweile revidierten Plans von Amazon, eine zweite Zentrale in Queens zu bauen – was Gegenstand schärfster Kritik seitens der Anwohner wurde.
 
Heike Geißler ist eine Schriftstellerin aus Leipzig. Sie unterrichtet kreatives Schreiben in Halle/Saale und Leipzig. Rosa, ihr erster Roman, wurde 2001 mit dem Alfred-Döblin-Förderpreis ausgezeichnet. Anschließend veröffentlichte sie die Novelle Nichts was tragisch wäre, 2009 und das Kinderbuch, Emma und Pferd Beere, 2010. Für den von der Kritik gefeierten, nicht-fiktiven Erfahrungsbericht Saisonarbeit erhielt sie 2017 ein Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. Die englische Übersetzung von Saisonarbeit (Seasonal Work) wurde 2018 von Semiotext(e) veröffentlicht.
 
Stephen Squibb ist Autor und Herausgeber mit Wohnsitz in New York. Seine Arbeiten erschienen im artforum, Frieze, Monthly Review, Jacobin, n+1 und e-flux journal, wo er früher als Redakteur tätig war. Mit Keith Gessen hat er City by City, Dispatches from the American Metropolis, (Best Books of 2015, Publisher's Weekly) herausgegeben. Er ist Gründungsmitglied und ehemaliger künstlerischer Leiter von Woodshed Collective, den Produzenten von immersiven Theaterarbeiten: The Confidence Man (Best of 2009, Gothamist) The Tenant, (Best of 2011, L Magazine), Empire Travel Agency (Critic's Pick, New York Times) und K-POP (Best Musical, 2017, Lucille Lortel Awards). Darüber hinaus arbeitete er auch für Martha Rosler an ihrem Meta-Monumental Garage Sale (Museum of Modern Art) und Untitled Helsinki Garden in Singapur, (Singapur Biennale). Er ist Doktorand für Englische Literatur an der Harvard University.
 
Unterstützt wurde diese Veranstaltung von Books First, dem neuen Programm des Goethe-Instituts zur Vermittlung deutschsprachiger Literatur ins Englische.
 
 

 

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