1 Million Rosen für Angela Davis - U.S. Edition

Angela Davis © SKD

Neuvermessung einer Solidaritätskampagne

Jede*r in Deutschland kennt Angela Davis. Zumindest in der DDR der frühen 1970er Jahre. Dort hatte eine staatlich organisierte Solidaritätskampagne zur Freilassung der US-amerikanischen Philosophin, Feministin und Black Power-Aktivistin Angela Davis aufgerufen. In Zusammenarbeit mit dem Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und der gleichnamigen Ausstellung (bis 30.05.2021) nimmt 1 Million Roses for Angela Davis  U.S. Edition die Postkartenaktion zum Anlass, mit zeitgenössischen Künstlerinnen, Kuratorinnen und Wissenschaftlerinnen einen Blick auf ein vergessenes und oft widersprüchliches Kapitel der Beziehung zwischen Deutschland und den USA zu werfen und Fragen über Solidarität, Aktivismus und Ideologie im Zeitenwandel neu zu verhandeln. Die vom März bis September 2021 laufende Veranstaltungsreihe umfasst eine Lesegruppe mit Texten zu Angela Davis, ein Filmprogramm, eine künstlerische Lecture-Performance, die digitale Ausstellung der Postkartenaktion, sowie mehrere Panel Diskussionen und eine Listening Session.

Alle Ostdeutschen über 50 erinnern sich an die staatlich-organisierte Solidaritätskampagne zur Freilassung der US-amerikanischen Philosophin, Kommunistin und Black Power-Aktivistin Angela Davis. 1 Million Rosen für Angela war in den Jahren 1970-72 das Motto einer Postkartenaktion für die Freilassung der zu diesem Zeitpunkt wegen Terrorismus inhaftierten Bürgerrechtlerin. Millionen von Postkarten aus der DDR erreichten das Gericht in Kalifornien, vor welchem Angela Davis stand und unterstützten so ihren wichtigen Prozess. Heute befinden sich diese Postkarten in den Sammlungen der Stanford University.  
 
Die groß angelegte Solidaritätskampagne verankerte Angela Davis fest im kulturellen Gedächtnis der DDR, die sich in einer Hochphase des Kalten Krieges mit ihrem Engagement für die Genossin zu positionieren versuchte. In der DDR wurde die „Heldin des anderen Amerikas“ in den Medien gefeiert und stilisiert und nach ihrem Freispruch als Staatsgast willkommen geheißen. Angela Davis wiederum hoffte auf eine internationalistische Bewegung für eine sozialistische, feministische und nicht-rassistische Demokratie als Gegenpol zu ihren Erfahrungen der Gewalt und Unterdrückung in den USA. Dieser Moment der Hoffnungen, Utopien und Widersprüche ist historischer Ausgangspunkt für die Ausstellung internationaler zeitgenössischer Kunst des Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
 
Die Künstler*innen thematisieren die immer noch dringlichen Anliegen der inzwischen emeritierten Professorin und eröffnen eine Diskussion um die Hintergründe, Fehlstellen und das uneingelöste Potential dieser ungewöhnlichen Verbindung zwischen Angela Davis und der DDR. In Fotografien, Videos, Skulpturen, Klanginstallationen und Konzeptarbeiten nimmt eine junge Künstler*innengeneration Davis’ immer noch anhaltendes Engagement für soziale Gerechtigkeit, ihren Kampf gegen Rassismus und Sexismus ebenso in den Blick, wie die Einschreibung ihres ikonischen Bildes in eine immer noch andauernde globale Geschichte des Widerstands.

Im Dialog mit Archivmaterialien entsteht in der Ausstellung ein experimenteller Raum der Begegnung von Vergangenheit und Gegenwart, die einen Bogen von dem sozialistischen Internationalismus der DDR zur weltweiten Black-Lives-Matter-Bewegung schlägt.
 
Angela Davis war und ist Teil einer widerständigen globalen Geschichte der Verflechtungen, welche das gemeinsame Programm des Goethe Instituts und des Albertinum unter dem Titel 1 Million Rosen für Angela Davis - U.S. Edition aufnimmt und in verschiedenen Facetten beleuchtet und erweitert.
 
Ein Projekt des Albertinum (Staatliche Kunstsammlungen Dresden) und des Goethe-Instituts New York.
 
Organisiert von Kathleen Reinhardt und Deniz Sertkol
 
Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, Bundeszentrale für Politische Bildung, Outset_Germany Switzerland, Fundacao Calouste Gulbenkian, Stiftung Frauen in Europa, Tu Was Stiftung für Gemeinsinn, Rosa Luxemburg Stiftung.
 
Der zweisprachige Katalog zu der Ausstellung 1 Million Rosen für Angela Davis am Albertinum (Staatliche Kunstsammlungen Dresden) ist bei Mousse Publishing erschienen und im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-88-6749-439-2).
 
Kathleen Reinhardt ist Kunst- und Kulturwissenschaftlerin und seit 2016 Kuratorin für Gegenwartskunst am Albertinum in Dresden. Hier kuratierte sie Marlene Dumas. Skulls, Slavs and Tatars. Made in Dschermany, Für Ruth, der Himmel in Los Angeles. Ruth Wolf-Rehfeldt und David Horvitz und Demonstrationsräume. Céline Condorelli, Kapwani Kiwanga, Judy Radul (gemeinsam mit Isabelle Busch). Sie war Fulbright Stipendiatin und promovierte 2017 am Fachbereich Kunst Afrikas der Freien Universität Berlin mit ihrer Arbeit zu zeitgenössischer afroamerikanischer Kunst. Sie unterrichtete an der Freien Universität Berlin und der Technischen Universität Dresden und schreibt für verschiedene Kataloge und Magazine, unter anderem, für African Arts, Art Margins, Contemporary And und Kaleidoscope.
 
Weitere Informationen: www.goethe.de/us/einemillionrosen