Szenische Lesung Transitraum Else / Aufzug zu den Sternen

Claudia Gahrke © Hilmar B. Trager

11.10.17
19.00 Uhr

Goethe-Institut New York

30 Irving Place
New York, NY 10003

Transitraum Else ist ein internationales Projekt der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft (Wuppertal) in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für verfolgte Künste (Solingen), entwickelt vom Künstlerduo Astronautenkost. Das Leben und das wundervolle Werk der Künstlerin Else Lasker-Schüler stehen dabei im Fokus. Die Schauspielerin Claudia Gahrke und der Regisseur Andreas Schäfer laden Menschen ein, Gedichte der bedeutendsten deutschen Lyrikerin zu sprechen.

40 renommierte Künstler haben sich bereits beteiligt - darunter Iain Glen, Bob Balaban, Elfriede Jelinek, Sigalit Landau, Tomi Ungerer und John Nettles - weitere kommen nun an ersten sechs Stationen live hinzu.

Wie ein Staat mit seinen Künstlern umgeht, ist ein Lackmustest für die Demokratie. Anhand der Dichterin Else Lasker-Schüler wird die Verfolgung einer Künstlerin und ihr Schicksal im Exil exemplarisch sichtbar.

In einer Mischung aus kurzen informativen Vorträgen, Lesung der Gedichte und Prosa von Else Lasker-Schüler auf Deutsch und in der jeweiligen Landessprache, geschieht dies zunächst in Städten wie Stockholm, New York und Los Angeles, in denen zahlreiche Künstler im Exil waren.

Das Projekt ist eine Hommage an die große Künstlerin, deren 150. Geburtstag 2019 gefeiert wird, und ein sinnliches Fest für die Freiheit der Kunst.

Schirmherr ist der Schauspieler Günter Lamprecht.

Die dritte Station nach Stockholm und Los Angeles ist im Goethe-Institut New York, das vor Ort auch Kooperationspartner des Projekts ist.  Mit Claudia Gahrke, Andreas Schäfer und Prof. Andrea Krauss von der New York University. Die New Yorker Schauspielerin und Sängerin Eleanor Reissa liest Gedichte von Else Lasker-Schüler in englischer Übersetzung.  Gefördert wird das Projekt vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland und co-präsentiert vom Leo Baeck Institute.

Else Lasker-Schüler-Gesellschaft

Am 23. November 1990 hatte der WDR-Journalist Hajo Jahn ein Dutzend Wuppertaler Bürger zur Gründung einer Else Lasker-Schüler-Gesellschaft eingeladen. Um Werk und Andenken einer der ungewöhnlichsten deutsch-jüdischen Künstlerinnen zu pflegen und eine neue, zeitgemäße Form der Erinnerungskultur zu initiieren: Gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, für Toleranz.

In Berlin war die aus Wuppertal-Elberfeld stammende Else Lasker-Schüler berühmt geworden. Ihr Schicksal ist Metapher dafür, wie in der NS-Diktatur mit Intellektuellen umgegangen wurde: Sie flüchtete 1933 aus Deutschland; ihre Bücher und Theaterstücke wurden verboten; das Filmemachen war ihr als Jüdin verwehrt worden. Im Exil in der Schweiz hatte sie Schreibverbot. Später wurde ihr die Einreise verweigert.

Else Lasker-Schüler, alias Prinz von Theben, Abigail, Tino von Bagdad, Jussuf etc, hat sich viele Namen und Identitäten zugelegt. Sie war die erste Performerin, ist modern noch immer.

An das Schicksal der emigrierten und verfolgten Intellektuellen (Künstler, Natur- und Geisteswissen-schaftler, Journalisten und Schriftsteller, deren Bücher verbrannt, deren Kunstwerke zensiert und verboten wurden), erinnert die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft in dieser Epoche großer Flüchtlingsströme mit ihren internationalen Foren von Prag und Breslau bis Catania und Jerusalem. Die ELS-Gesellschaft hat rund 1.200 Mitglieder, darunter viele prominente Künstler und Politiker. Mehr als ein Dutzend Almanache dokumentieren ihre Aktivitäten in Schulen, Uraufführungen von Theaterstücken und Kompositionen. Das von ihr initiierte Zentrum für verfolgte Künste arbeitet inzwischen unter dem Dach des Kunstmuseums Solingen.

Zentrum der verfolgten Künste

Das Zentrum für verfolgte Künste wurde 2015 im Kunstmuseum Solingen gegründet. Gesellschafter sind der Landschaftsverband Rheinland und die Stadt Solingen.

Dieses Zentrum ist eine einmalige Einrichtung mit Bildern, Büchern und persönlichen Dokumenten aus der deutschen Kulturgeschichte der Zeit von 1914 bis 1989. Kern der Themen sind beide deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts und deren Folgen.

Die Brücke zwischen der Verfolgung von Literatur und bildender Kunst entsteht durch die malende Dichterin Else Lasker-Schüler. Das Zentrum erhielt von der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft 23 Originalbilder, die 1937 als „entartet“ aus der Berliner Nationalgalerie beschlagnahmt worden waren. Es ist die größte Sammlung ihrer Zeichnungen außerhalb Israels. Von der Else-Lasker-Schüler-Stiftung „Verbrannte und verbannte Dichter/Künstler“ wurde die Exil-Literatur-„Sammlung Jürgen Serke“ in das Zentrum eingebracht.

Astronautenkost

Claudia Gahrke, Schauspielausbildung in der Masterclass bei Actors Studio-Begründer Robert Lewis, Sprechausbildung bei Günter Wirth. Stipendiatin beim Berliner Theatertreffen. Zahlreiche Theaterrollen: u.a. Merteuil in Heiner Müllers „Quartett“ in London. Performances in Brüssel, Cambridge, Berlin und auf der EXPO2000, u.a. Ophelia in der Sound-Performance „Hamletmaschine“, Haus am Waldsee, Berlin. „Kitty Hawk“ in „Ich bin eine Mikrobe“ für die Fraunhofer-Gala „Fest der Forschung“ mit Herbert Fritsch in Dresden. Lesungen: u.a. „Von den Ewigkeiten zwischen den Vielen und den Wenigen“ - Alfred Döblin und Else-Lasker-Schüler mit Günter Lamprecht und „Alles ist Jazz“, von Lili Grün, im Rahmen des ersten „Festivals der verfolgten Künste“.  Auftritte mit Else-Lasker-Schüler-Vertonungen im Jüdischen Museum in Berlin und in Breslau. Gastspiele mit „Leben? Oder Theater?“ von Charlotte Salomon in Wien, Berlin und Tel Aviv. Viele Hörspielrollen für den WDR. In 2011 erschien ihre CD „Die kreisende Weltfabrik“ mit Gedichten, Prosa und Briefen von Else Lasker-Schüler. 2014 Durs Grünbein-Rezitation für die Ausstellungseröffnung "Socks For Life" im EU-Parlament in Brüssel.

Andreas Schäfer ist Regisseur und Autor. Masterclass Regie bei Robert Lewis (Actors Studio). Produktionen in Israel, London, Barcelona, Berlin, Brüssel und auf der EXPO2000. Schäfer schreibt eine Essayreihe zu Kommunikation und Kunst im 21. Jahrhundert und Fachbuchbeiträge. Interviews mit Hellmuth Karasek, Prof. Michael Schirner, Bert Neumann, Denis Scheck, Tom Stromberg, Heike-Melba Fendel, Jan Hoet u.a.m. Seit 2009 ist er Chefredakteur des Magazins "showcases". 2012 erschien ein Interviewband mit dem Titel. „Durch den menschlichen Kosmos“. 2011 führte er Regie bei der CD-Produktion „Die kreisende Weltfabrik“ von Else Lasker-Schüler. 2014 kuratiert er die Ausstellung "Socks For Life" u.a. mit Werken von René Böll, Elfriede Jelinek, Robert Wilson, Ruprecht von Kaufmann und Andrea K. Schlehwein im Europaparlament in Brüssel. Hierfür  erhielt er den European Best Event Award in Silber.

Andrea Krauss ist Associate Professor für Deutsch an der New York University.  Sie promovierte 2001 an der Freien Universität Berlin und habilitierte an der Züricher Universität in 2010. Bevor sie zur New York University wechselte, unterrichtete sie an der Johns Hopkins University von 2009 bis 2017. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Exilliteratur und Literatur nach 1945, auf der Überschneidung von Literatur, Philosophie und Ästhetik vom 18. Jahrhundert bis heute, wie auch literarische Theorie and Methoden. Sie ist Autorin von Werken wie „Zerbrechende Tradierung: Zu Kontexten des Schauspiels 'IchundIch' von Else Lasker-Schüler“ (Passagen, 2002) und “Lenz unter anderem: Aspekte einer Theorie der Konstellation“ (Diaphanes, 2011). Sie ist Herausgeberin der Ausgaben von "Constellations" (2011) und "Avant-garde revisited: Else Lasker-Schüler" (2017) und hat zahlreiche Schriften zu  Hamann, Lessing, Lenz, Goethe, Eichendorff, Jean Paul, Rahel Levin Varnhagen, Nelly Sachs, Celan und Sebald veröffentlicht.

Eleanor Reissa is eine Tony nominierte Regisseurein, Broadwayschauspielerin, Israel-Preisträgerin, eine preisgekrönte Bühnenautorin, and Sängerin in Jiddisch und englischer Sprache.  Aktuell tritt sie am Broadway in dem Pulitzer-Preis-Gewinner-Stück von Paula Vogel namens „Indecent“ auf. Zuvor spielte sie die Hauptrolle und inszenierte Sholem Aschs Stück „God of Vengeance“ in Jiddish am New Yorker La Mama. Sie wird die Jiddische Edith Piaf genant, und ist eine der renommiertesten Interpretinnen von jiddischer Musik.  Sie hat in allen großen Veranstaltungshallen in New York gesungen: in der Carnegie Hall, Avery Fisher Hall, Town Hall, Symphony Space und auf vielen Festivals rund um die Welt. Im letzten Jahr wurde ihre Anthologie “The Last Survivor and Other Modern Jewish Plays“ veröffentlicht. Im Moment arbeitet sie zusammen mit dem Komponisten Judd Greenstein an einer jiddischen Oper die auf Bashevis Singer’s “Taibele and Her Demon“ basiert.  Ihre letzte Aufnahme ”Vilde Mikhaye” (Wilde Extase) mit dem Grammy-Preisträger Frank London und den Klezmer Brass Allstars, wird im November 2017 auf einer Europa-Tour vorgestellt.

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