Ausstellung Grada Kilomba: Heroines, Birds, and Monsters

Die Künstlerin auf einer Treppe lehnend mit schwarzem Kostüm und Flügeln (c) Grada Kilomba

10.07-31.10.21

Amant Foundation

315/306 Maujer St.
Brooklyn, NY 11206

Grada Kilomba: Heroines, Birds and Monsters

Gemeinsam mit der Amant Foundation freuen wir uns sehr, die erste US- weite Einzelausstellung der in Berlin lebenden Künstlerin Grada Kilomba: Heroines, Birds, and Monsters zu präsentieren. Die Ausstellung ist vom 10. Juli bis zum 31. Oktober 2021 in dem neu konzipierten Gebäudekomplex der Amant Foundation zu sehen.

Kilomba arbeitet in den Bereichen Theorie, Performance, Film und Literatur, um Erzählstränge der kolonialen Vergangenheit aufzudecken und den stumm gemachten Stimmen Raum zu geben, deren Traumata immer noch allgegenwärtig sind. In ihren eigenen Worten: „Was, wenn Geschichte nicht richtig erzählt wurde? Was, wenn unsere Geschichte heimgesucht wird von zyklischen Episoden von Gewalt, gerade weil sie nicht richtig begraben wurde?“ 

Grada Kilombas Arbeit wird in drei unterschiedlichen Gebäuden der Amant Foundation zu sehen sein und verwandelt sie so in eine Theaterbühne, auf der Figuren, Gestiken, Geräusche und Requisiten sich zu einem hybriden Körper entfalten, die Rollen tauschen und einer neuen Dramaturgie folgen, die über Geografie und Zeitlichkeit hinausgeht.

A World of Illusions (2017-2019) bildet das Kernstück der Ausstellung. In dieser übergroßen, skulpturalen Videoinstallation, die in der 932 Grand Str. zu sehen ist, interpretiert Kilomba drei wohlbekannte griechische Mythen radikal neu, um die noch ungelösten Tragödien der post-kolonialen Gegenwart deutlich zu machen. Die Künstlerin nutzt hierfür ihre akademische Ausbildung in der Psychoanalyse und widmet Narcissus und Echo der Politik der Unsichtbarkeit, König Ödipus der Politik der Gewalt und die Tragödie von Antigone verdeutlicht die Politik des Auslöschens und die Relevanz von zeremoniellem Erinnern. Sie kombiniert Musik, Pantomime und Tanz, um diese Fabeln neu aufzuführen und nutzt die afrikanische, orale Tradition des Geschichtenerzählens – die Griots – und baut auf die Analogien des modernen patriarchalen Systems auf unter Einbezug einer post-kolonialen Sichtweise.   

In der 315 Maujer Street portraitiert eine Bildreihe die mythischen Erzählstränge durch unterschiedliche Formate und Methoden. Die Trilogie wird in einer Abfolge von Fotografien wiedergeboren mit dem gemeinsamen Titel Heroines, Birds, and Monsters (2020), die die weiblichen Protagonistinnen in einer skulpturalen Pose zeigen. In The Desire Project (2016) verschwindet das repräsentative Bild komplett und Text ist das einzige visuelle Element begleitet von musikalischen Rhythmen, die die Erzählerstimme ersetzen. Die abschließende Arbeit, Table of Goods (2017), ist eine Skulptur, die aus einer rituellen Performance entstanden ist und sowohl als Objekt sowie Landschaft der gesamten Ausstellung verstanden werden kann. Der transatlantische Handel zwischen Europa, Amerika und Afrika – Zucker, Kaffee, Kakao – ist begraben in einem Haufen Erde. Kilomba visualisiert diese abgebauten Rohstoffe als Beerdigung, ein symbolisches Ritual zur Erinnerung an den Sklavenhandel als historisches Trauma, dessen Einfluss auf die Psyche erst noch gründlich erforscht werden muss.  
Heroines, Birds and Monsters ist eine Ausstellung, die einen neuen poetischen, theoretischen und politischen Rahmen auf die koloniale Vergangenheit anwendet sowie die Art und Weise, wie diese Narrative sich immer wieder selbst einbetten. „Geschichte neu und korrekt zu erzählen, ist eine notwendige Zeremonie, ein politischer Akt. Andernfalls wird sie immer wieder heimgesucht. Sie wiederholt sich. Sie kommt zurück als fragmentiertes Wissen und drängt sich in, ja vergreift sich an unserem aktuellen Leben.“ – Grada Kilomba   

Die Ausstellung wurde kuratiert von Ruth Estevez, Künstlerische Leitung der Amant Foundation mit Hilfe von Isabella Nimmo, Kuratorische Koordination, in Kooperation mit dem Goethe-Institut New York und der Goodman Gallery.

Grada Kilomba (*1968 in Lissabon, Portugal) ist eine interdisziplinäre Künstlerin, deren Arbeiten sich mit Erinnerung, Trauma, Geschlecht und dem Post-Kolonialismus beschäftigen und Konzepte von Wissen, Macht und Gewalt erforschen. Kilomba hat ihren Doktor der Philosophie mit Auszeichnung an der Freien Universität Berlin gemacht. Ihre Arbeiten wurden in diversen übergreifenden Ausstellungen präsentiert wie z.B. in La Biennale de Lubumbashi VI, der 10. Berlin Biennale, der Documenta 14 in Kassel und der 32. Bienal de São Paulo. Ausgewählte Einzel- und Gruppenausstellungen beinhalten unter anderem Pinacoteca de São Paulo; Bildmuseet, Umeå; Kadist Art Foundation, Paris; The Power Plant, Toronto; Maxim Gorki Theatre, Berlin; MAAT-Museum of Art, Architecture, and Technology, Lisbon; Secession Museum, Vienna. Kilombas Arbeiten befinden sich in öffentlichen wie privaten Sammlungen weltweit. Ihre Texte wurden in unterschiedlichste Sprachen übersetzt und in mehreren Anthologien veröffentlicht.

Amant Foundation ist eine gemeinnützige Kunstorganisation, die das Experimentieren und den Dialog durch Ausstellungen, Residenzen und öffentliche Programme an zwei unterschiedlichen Orten fördert: in Brooklyn und dem toskanischen Dorf Chiusure im Herzen der Siena Provinz in Italien. In New York bietet Amant ein öffentliches Forum, das sowohl etablierte wie noch unbekannte Künstler*Innen, die in unterschiedlichen kreativen Feldern arbeiten, unterstützt. Die Stiftung organisiert außerdem zwei Residenzprogramm in New York und Siena, die im Zentrum ihrer Aktivitäten stehen.  

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