Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Editorial
Über diese Ausgabe

Zugehörigkeit ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Manche Zugehörigkeiten sind gewählt, etwa die zu einem Freundeskreis; andere sind, jedenfalls zumeist, ohne eigenes Zutun erworben, etwa die zu einem Nationalstaat. Zugehörigkeiten können von anderen, auch gegen den eigenen Willen, zugeschrieben werden. Und sie können als Selbstzuschreibung ein Mittel sein, um mehr Sichtbarkeit, Anerkennung und Repräsentation für die eigene Gruppe durchzusetzen. Zugehörigkeit ist somit sowohl stabil als auch fragil, und, das soll im Zentrum dieser Ausgabe des Humboldt-Magazins stehen, bisweilen auch heftig diskutiert und umkämpft.

Letzteres ist vor allem dann der Fall, wenn verschiedene Narrative von Zugehörigkeit und konkurrierende Ansprüche aufeinandertreffen. Dabei bestimmen nicht selten Widersprüche die Debatte: Berechtigte Forderungen nach Repräsentation führen gleichzeitig zu immer feiner werdenden Kategorisierungen, die in sich auch die Möglichkeit einer Essentialisierung von Menschen auf Faktoren wie Hautfarbe, Geschlecht und Ethnie enthalten. Dagegen steht die Utopie, alle trennenden Kategorien zu überwinden. Nationale Identität etwa, ist das nicht ein Konzept des 19. Jahrhunderts, endgültig diskreditiert durch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts? Und doch scheint das Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu nationalen Identitäten keineswegs der Vergangenheit anzugehören. Sollte es nicht Ziel sein, Unterschiede betonende Kategorien wie Hautfarbe und Geschlecht ganz abzulegen, statt sie in Repräsentativitätsdebatten gerade stark zu machen?, so ein weiteres Argument. Und doch scheint diese Positionen zu übersehen, dass es nach wie vor sehr reale Machtungleichgewichte gibt, denen man nicht begegnen kann, indem man ihre Trennlinien zu überwundenen Kategorien erklärt.

Die Autorinnen und Autorinnen dieser Ausgabe des Humboldt-Magazins denken über Fragen der Zugehörigkeit als Resultat von Fremd- und Selbstzuschreibungen in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft nach: Wie drücken sich Zugehörigkeiten in den Künsten aus, etwa im Film und in der Musik? Wie manifestieren sich in städtebaulichen Entscheidungen soziale Zugehörigkeiten, etwa Spaltungen in Arm und Reich, und wie kann eine gelungene Architektur dem entgegenwirken? Wie manifestieren sprachliche Konventionen gesellschaftliche Ungleichgewichte, und führt eine inklusivere Sprache zu einer inklusiveren Gesellschaft? Dabei steht immer im Vordergrund, wo sich in diesen Aushandlungen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Südamerika und Deutschland abzeichnen.

 

Über das Humboldt-Magazin

Zwischen 1959 und 2013 erschien das Humboldt-Magazin als Printmagazin für den Dialog zwischen Deutschland und Südamerika, mit Beiträgen aus Kunst, Kultur und Gesellschaft. Seit 2013 wird Humboldt online auf den Websites der Goethe-Institute in Südamerika publiziert. Ab Mai 2018 entstehen jährlich zwei Ausgaben des Magazins zu Themenschwerpunkten, die eng an den Themen und Projekten der Goethe-Institute in Südamerika ausgerichtet sind.

Bei allen Beiträgen stehen die engen Verbindungen zwischen Südamerika und Deutschland beziehungsweise Europa im Vordergrund. Das Humboldt-Magazin fördert den transkontinentalen Dialog und gestaltet den Austausch zwischen allen beteiligten Ländern. Dabei stellt das Magazin konträre und kontroverse Positionen vor und einander gegenüber, und bietet Anlass für Auseinandersetzung und Diskussion. Die Beiträge kommen unter anderem aus Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile, Kolumbien, Uruguay, Peru und Venezuela.

Top