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Zwei sich küssende Männer© Rosa von Praunheim Filmproduktion

Goethe on Demand: die Streaming-Plattform des Goethe-Instituts
Männerfreundschaften

Dienstag, 21. bis Freitag 24. September
Nach der Reservierung im genannten Zeitraum steht der Film 48 Stunden zur Verfügung.


Rosa von Praunheim, 2018, 85 Min., hybrider Dokumentarfilm.
Drehbuch: Rosa von Praunheim, Valentina Schütz
Kamara: Patrick Richter, Thomas Ladenburger, Markus Tiarks, Oliver Sechting, Marcus Glahn
Schnitt: Mike Shephard
Musik: Andreas Wolter
Mit Matthias Luckey, Tobias Schormann, Thomas Linz, Petra Hartung, Max Conrad, Sybille Enders, Bernhard Jarosch, Sebastian Lange, Wolfgang Mirlach, Maximilian Müller, Nils Ramme, Runa Pernoda Schäfer, Willi Seibt, Sarina Radomski, Rosa von Praunheim, Jakob Turkôsek, Valentin Schmehl.

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Wie schwul war Johann Wolfgang von Goethe? Und wie sieht es mit seinen Zeitgenossen aus? Inspiriert von Robert Tobins Buch Warm Brothers. Queer Theory and the Age of Goethe (2000) geht Rosa von Praunheim in Spiel- und Dokumentarszenen diesen und anderen Fragen nach. Dabei wird keine dogmatische Umdeutung vorgenommen, als vielmehr ein neuer Raum von Denkmöglichkeiten eröffnet.

In dieser übermütig und unbekümmert assoziierenden Arbeit skizziert Rosa von Praunheim entlang von Zeitgenossen wie Wilhelm und Alexander von Humboldt, Kleist oder Winckelmann fiebrige Brieffreundschaften, fabuliert in nachgestellten Sequenzen mit Darstellern Intimitäten herbei und delektiert sich in Interviews mit Experten an historischen Spekulationen.

Letztlich zielt von Praunheim aber, wie in all seinen Filmen ganz unmittelbar auf die Gegenwart. Das wird besonders anhand der Perspektivierung eines wüsten intellektuell-ästhetischen Schlagabtauschs aus dem 19. Jahrhundert deutlich: Wie Heinrich Heine einst August von Platen öffentlich der Männerliebe bezichtigte, ist bis heute im Gedächtnis geblieben – und nicht minder Platens massiv anti-semitisch geprägte Ausfälle gegen Heine zu einer Zeit, da öffentliche Äußerungen von Judenhass zunehmend an Akzeptanz gewannen. Von Praunheim sieht den ausgemachten Kriegsschauplatz – Homophobie vs. Antisemitismus – als eine Angelegenheit, die bis heute von zivilgesellschaftlicher Relevanz ist.

Wer auch nur ein klein wenig mit Rosa von Praunheims Werk vertraut ist, weiß, dass der Filmemacher es liebt zu provozieren. Auch wenn hier keine fundamentale Umdeutung aller bisherigen kulturhistorischen Erkenntnisse vorgenommen wird - ein klein bisschen verrücken will dieser Film dann doch den Blick auf die großen Dichter der deutschen Lyrik wie Goethe und Schiller und ihre Zeit. Von Praunheim zeigt auf, dass das Gedankenspiel zur Homoerotik im 18. Jahrhundert durchaus seine Berechtigung und Gegenwartsrelevanz hat.

Festivals

  • 2018 Lichter Filmfest - Frankfurt
  • 2018 International Queer Film Festival - Hamburg
  • 2018 Homochrom Filmfestival - Köln/Dortmund 
  • 2018 Queer Filmfest Weiterstadt
  • 2019 Moving History Potsdam

Kritiken und Empfehlungen

Man darf davon ausgehen, dass Goethe über diesen schwulen Bilderreigen vergnügt geschmunzelt hätte. (Welt am Sonntag)

Weimar queer zu machen - das ist für ihn (Rosa von Praunheim) keine Frage historischer Akkuratesse, sondern eine Frage der Travestie, und eine spielerische Hypothese – was äußerst vergnüglich ist." (Süddeutsche Zeitung)

Regisseur - Rosa von Praunheim

Foto de Rosa von Praunheim © Rosa von Praunheim Filmproduktion Rosa von Praunheim wurde 1942 in Riga, Lettland, als Holger Mischwitzky geboren. Aufgewachsen ist er in der DDR am Rande von Berlin in Teltow-Seehof. 1953 musste die Familie flüchten und siedelte sich über Umwegen in Frankfurt am Main an, wo sie im Stadtteil Praunheim wohnte. Auf dem humanistischen Wöhlergymnasium machte Rosa seine erste Theaterinszenierung in lateinischer Sprache. Durch den häufigen Schulwechsel brachte er es aber nicht weit und verließ vor der Mittleren Reife die Schule, wechselte zur Kunstschule Offenbach für ein Jahr. Dann wurde er auf der Hochschule für bildende Künste Berlin in die Abteilung Freie Malerei aufgenommen. Hier studierte er Anfang der sechziger Jahre, ging aber vor einem Abschluss ab. 1967 entstand sein erstes Buch und auch sein erster Kurzfilm Von Rosa von Praunheim. Durch den Verkauf des Films an den Hessischen Rundfunk konnte er weitere Filme produzieren. 1968 bekam er für seinen zweiten Kurzfilm Rosa Arbeiter auf Goldener Straße Preise und wurde schnell bekannt. 1970 drehte er drei größere Filme, darunter Die Bettwurst, die bis heute ein Kultfilm ist, und Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt, mit dem er die neue deutsche Schwulenbewegung mitbegründete. Durch den Skandal, den dieser Film auslöste, wurde Rosa berühmt und berüchtigt. Bis heute hat er über 70 Filme gedreht. (missingFILMs)

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