Aufbau der Bauhaus-Ausstellung im Museum Blanes

Interview mit Martin Kortmann Foto: Margarita Ceretta

Ein Interview mit Martin Kortmann, Montagist der Bauhaus-Ausstellung im Museum Blanes

Herr Kortmann, wie verstehen Sie Ihre Funktion in der Gestaltung und dem Aufbau einer Ausstellung?

Im Vordergrund stehen die Werke und die Intention des Kurators. Das Ausstellungsdesign reagiert dann darauf und findet – im besten Fall – ein Bild für diese Intention, eine Vermittlungsebene, die sich räumlich sowie im Material zeigt und damit einen Zugang für den Betrachter schafft.

Was sind die besonderen Herausforderungen beim Design dieser Bauhaus-Ausstellung?

Die Herausforderung bestand neben der Tatsache, dass die Ausstellung über zehn Jahre hinweg durch verschiedene Länder – und Museen – wandert, auch in der Vielzahl ihrer Exponate. Das Bauhaus wird ja vorwiegend mit Designgegenständen und Architektur assoziiert. In diesem Fall lagen uns darüber hinaus über 300 Abbildungen (Fotografien, Zeichnungen, Lithographien, Aquarelle) vor, die das Leben und die Leere am Bauhaus, das Bauhaus als Ort der Begegnung verschiedenster Sichtweisen und Ansätze widerspiegeln. Diese Bilder mussten zunächst gerahmt werden, und dann ihren Platz im Raum, an eigens dafür gebauten Wänden finden. Wir entschieden uns für ein System aus Stellwänden, um einen räumlichen Eindruck zu schaffen, der den Design-Ansatz des Bauhauses aufgreift und gleichzeitig ein einheitliches, gleichberechtigtes Display für alle Bilder zulässt. Wir entwickelten ein modulares System, dass sich zwischen Funktionalität und einem Spiel mit industriellen Materialien unserer Zeit bewegt. Die Wände bestehen aus zwei Schichten Aluminium-Lochblech unterschiedlicher Lochung. So entstehen metallische, halb-transparente Wände, die den Raum vor der Wand diffus spiegeln und gleichzeitig den Raum dahinter durchscheinen lassen.

Martin Kortmann Foto: Margarita Ceretta Ausstellen bedeutet ja –mal ganz einfach ausgedrückt- Werke und Dinge in einem Raum für ein Publikum anzuordnen. Bei einer Wanderausstellung muss man sicherlich unter sehr unterschiedlichen Bedingungen arbeiten können. Worauf ist es Ihnen bei dem Aufbau dieser Bauhaus-Ausstellung im Museum Blanes besonders angekommen?

Unser Stellwand-System ermöglicht uns, die Ausstellung weitestgehend autark von der Architektur des Museums zu vermitteln. Im Museum Blanes haben wir sie über mehrere Räume verteilt: in einer großen Galerie sind fünf Themeninseln, in einer anderen drei miteinander verbunden, und die Architekturmodelle und Objektpodeste bieten einen Übergang in den Räumen dazwischen. Die blanken Aluminiumflächen der Sockel und Wände haben einen hohen Wiedererkennungswert und schaffen so ein zusammenhängendes Erlebnis der Ausstellung, die in einem reizvollen Kontrast zur Architektur des Museums steht.

Würden Sie dem Besucher der Ausstellung im Museum Blanes etwas Besonderes empfehlen?

Die Anordnung der Stellwände spielt mit Sichtachsen und verschiedenen Perspektiven. Ein Abschreiten in verschiedenen Reihenfolgen ist möglich und daher würde ich jedem raten ganz frei hindurchzugehen und seine eigene Sichtweise zu finden.

Inwiefern ist das Bauhaus noch relevant für die Architektur der Zukunft?

Das kann ich schwer beantworten. Offen gestanden, wenn ich mir anschaue, was zurzeit gebaut wird, finde ich zwar vieles, was im Sinne einer Rationalität und Kosteneffizienz entsteht, aber eher wenig, was einen Sinn für die Formen und auch die soziale und gesellschaftliche Funktion eines Bauwerkes offenbart. Ich vermisse oft eine Aufmerksamkeit fürs Detail genauso wie ein Selbstverständnis der Architektur, einen sinnlichen Mehrwert für seine Benutzer darzustellen. Eine Inspiration des Bauhauses könnte bestimmt sein, sich spielerisch auf neue Materialien einzulassen, und diese im Sinne einer utopischen Idee von der Zukunft anzuwenden. Und das muss gar nicht zwangsläufig nach Bauhaus aussehen.

Das Interview wurde von Christian Kutscher und Margarita Ceretta geführt.

 

100 Jahre Bauhaus