Murga Migrante

Murga Migrante ©Goethe-Institut

„Ohne Migration gäbe es keine Murga“ (Murga Doña Bastarda)

Murga Migrante

Die „Murga Migrante“, in der sowohl Migrant/innen aus Cuba, Deutschland, Frankreich, Kongo, Österreich, Venezuela als auch gebürtige Uruguayer/innen zusammen texten, singen und musizieren, will auf unterhaltsame Weise die Kultur in Uruguay bereichern und zu einem konstruktiven Zusammenleben beitragen.  Mit der Murga greifen die Teilnehmenden eine für das Land typische und sehr populären Kunstform auf, die selbst erst durch Einwanderer/innen aus Spanien den Weg in die uruguayische Kultur gefunden hat und vor allem während des Karnevals präsentiert wird.
Auf Initiative und mit Unterstützung des Goethe- Institut Montevideo erarbeiten die  Mitglieder angeleitet von der Murga „Doña Bastarda“ mit Unterstützung der Migrantenorganisation „Idas y Vueltas“ eine erste Vorstellung, die sie im Rahmen der „Fiesta de las Migraciones“ am 24. und 25. November 2018 aufführen.
In der „Murga Migrante“ begegnen sich Menschen mit und ohne Migrationserfahrungen auf Augenhöhe und tauschen ihre unterschiedliche Lebensrealitäten, Erfahrungen und Wahrnehmungen  aus. Auf dieser Grundlage erarbeiten sie ein Werk, mit dem sie  Migrationserfahrungen auf unterhaltsame Weise sicht- und hörbar machen. Die „Murga Migrante“ will zur Verständigung zwischen den Kulturen beitragen, das konstruktive Zusammenleben fördern und eine offene, pluralistische und zukunftsorientierte Gesellschaft stärken.

Die Migrant/innen sehen die „Murga Migrante“ dabei auch  als eine Möglichkeit, sich durch Mitwirkung an der dieser sehr populären Kunstform, in die uruguayische Gesellschaft zu integrieren, neben der Arbeit auch Spaß zu haben, Kontakte zu knüpfen, Uruguayer/innen als Freunde zu gewinnen, während  uruguayischen Teilnehmer/innen durch die Perspektiven der Migrant/innen ihr eigenes Land mit anderen Augen sehen lernen.
Immer mehr Menschen migrieren auf der ganzen Welt, manche nur für einige Jahre, manche für immer, vom Land in die Stadt, von einer Stadt in eine andere, von einem Land in ein anderes, von einem Kontinent in einen anderen. Auf die eine oder andere Weise sind wir alle Migranten. Einige von uns  wandern aus, andere wandern ein und einige kehren auch wieder in ihr Herkunftsland zurück. Die Mehrheit aller Migrant/innen verlässt die Heimat auf der Suche nach einem besseren Leben.  Migration, das heißt Emigration, Immigration als auch Re-migration, ist ein globales Phänomen, das mit Herausforderungen, aber auch Chancen verbunden ist, für Regionen, Staaten und für den einzelnen Menschen.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts kamen die Migrant/innen nach Südamerika vor allem aus Europa, bevor sich die Wanderungsbewegung umkehrte und viele Menschen aus Südamerika auswanderten, in die USA und nach Europa.  Geschätzte 20 % der Bevölkerung Uruguays, dessen Bewohner zu fast 90% Nachfahren aus Spanien und Italien sind, leben heute im Ausland. Seit einigen Jahren migrieren nun immer mehr Menschen innerhalb des Subkontinents.

Murga Migratoria Murga Migratoria Goethe-Institut
Daher greifen die Goethe- Institute in Peru, Kolumbien, Venezuela, Chile, Argentinien, Brasilien und Uruguay das Thema „Migration“ auf. Unter dem Motto „Tod@s somos migrantes“ entwickeln sie gemeinsam mit Partner Projekte, die an lokalen Interessen und Traditionen anknüpfen.  

Seit 2013/14 kommen  immer mehr Menschen aus Venezuela, Kuba und der Dominikanischen Republik nach Uruguay. Viele leben – wie in vielen anderen Ländern auch - am Rande der Gesellschaft: sie wohnen in heruntergekommenen Wohnungen, machen Arbeiten, die Einheimische ungerne übernehmen und werden mitunter geringer bezahlt.

Die Mehrheit der Uruguayer/innen begrüßt die Einwanderung. Ein nicht geringer Teil steht der Einwanderung aus Südamerika ablehnend gegenüber, selbst wenn er selbst Nachfahren von Einwanderern sind. Die neue Immigration weckt auch vielfältige Ängste und Befürchtungen: „Migranten nehmen uns die Arbeit weg“, „stehlen“,  „belästigen Frauen“, „sie sind laut“, „verändern unsere Kultur“, „nutzen unser Sozialsystem aus“. Migranten haben ihrerseits Ängste wie die, ihre kulturelle Identität, den Kontakt zu ihren Familien und Freunden in ihrem Ursprungsland zu verlieren. Sich in einem neuen Land zurecht zu finden, ist nicht leicht und ist mitunter mit Einsamkeit und Isolation verbunden.

Die Integration von Migrant/innen ist ein komplexer, wechselvoller Entwicklungsprozess zwischen Einwanderern und der aufnehmenden Gesellschaft.  Der kulturelle Austausch und die gemeinsame Entwicklung von Kulturprojekten fördern das wechselseitige Verständnis und die Integration.

Autorinnen: Marie-Kathrin Elbel/Katharina Ochse