Master class mit Heiner Goebbels Ästhetik der Abwesenheit

Heiner Goebbels ©Heiner Goebbels

Fr, 04.08.2017

14:00 Uhr – 17:00 Uhr

INAE - Instituto Nacional de Artes Escénicas

Um an der Veranstaltung im INAE teilzunehmen melden Sie sich bitte vor Montag 31. Juli über dieses Formular an.

Mit seiner szenischen Arbeit und performativen Installationen (wie Stifters Dinge, Landschaft mit entfernten Verwandten, Black on White, Eraritjaritjaka und andere) stellt Heiner Goebbels – der Kompositeur, Theaterdirektor, Professor für angewandte Theaterwissenschaft und künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale (2012-2014) – die üblichen ästhetischen Strategien im gegenwärtigen Musiktheater in Frage. In den Vordergrund tritt die „Ästhetik der Abwesenheit“, so dass die Mitte der Bühne quasi leer bleibt:  Goebbels wendet sich von der konventionalen Vorstellung des Theaters, in der die Präsenz und Ausdruck des Schauspielers die zentrale Rolle spielen, und vom klassischen sich an die Figuren und Repräsentationsstrategien festhaltenden Drama ab. Dem Klassiker gegenüber stellt er die Ästhetik der neuen Medien. Die Wahrnehmung des Zuschauers tritt ins Zentrum der Bühne. Denn in seinen Stücken bietet Goebbels dem Zuschauer-Zuhörer eine Landschaft, die ihm eine souveräne Entdeckung ermöglicht.

Gespräch und Master class mit Heiner Goebbels im INAE ©Heiner Goebbels

Heiner Goebbels ist Regisseur und Komponist, 1952 in Neustadt geboren und wohnhaft in Frankfurt. Seine Arbeit dekonstruiert Konventionen des Theaters, der Musik und der Oper. Er studierte Philosophie und Musik in Frankfurt und begann als Komponist im „Linksradikalen Blasorchester“, einer politisch engagierten Band in den 70er Jahren. Ende der Siebziger gründete er ein Duo mit Alfred Harth (1976-1988), danach war er Teil des Rocktrios „Cassiber“ (1982-1992) während er parallel mit Musik für Kino, Theater und Ballett arbeitete. Mitte der 80er Jahre fing er an, Audiostücke und szenische Konzerte zu kreieren  – teilweise in Zusammenarbeit mit dem Dramaturgen Heiner Müller–, wie „Die Befreiung des Prometheus“ (1991) und „Wolokolamsker Chaussee“ (1989). 2008 wurde seine erste Oper, „Landschaft mit entfernten Verwandten”, uraufgeführt. Er nahm an der Documenta X in Kassel teil (1997), schuf Klangmontagen für das Centre Pompidou (2000) in Paris und die Performance-Montage „Stifters Dinge“ (2007). Zusätzlich wurde er für die Grammy Awards 2011 und 2004 nominiert. Seit Mitte der 1990er Jahre liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit auf Musiktheater-Stücken (z. B. mit dem „Ensemble Modern“), die in einem Team von Dramaturgen, Bühnenbildnern, Lichtgestaltern, Kostümbildnern und Sounddesignern entwickelt weltweit zu vielen Theater- und Musik-Festivals eingeladen werden. In ihnen stehen Text, Bild, Musik, Licht, Bewegung und Szene in einem schwebenden, gleichwertigen Verhältnis. Heiner Goebbels ist seit 1999 Professor am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, das er von 2003 bis 2011 auch geleitet hat. Goebbels ist auch Mitglied der Akademie der Künste, der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste sowie der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz sowie der Bayerischen Akademie der schönen Künste, München. Seit Herbst 2006 ist er Präsident der Hessischen Theaterakademie, einem Verbund von mehreren Hochschulen und Theatern des Rhein-Main-Gebiets. Heiner Goebbels wurde 2010 zum Intendanten und künstlerischen Leiter der Ruhrtriennale - International Festival of the Arts 2012–2014 berufen. Im Verlaufe dieses Dreijahresprogramms kuratierte, produzierte und präsentierte er neue Werke von Künstlern wie  Robert Wilson, Lemi Ponifasio, Douglas Gordon, Michal Rovner, Gregor Schneider, Ryoji Ikeda, Boris Charmatz, Mathilde Monnier, Anne Teresa de Keersmaeker, Tim Etchells, Rimini Protokoll und vielen anderen. Als vierter Preisträger erhielt Goebbels 2012 den Internationalen Ibsen-Preis, einen der weltweit bedeutendsten Theaterpreise.                                                                                             
In Argentinien wurde im Jahr 2011 das Werk „Eraritjaritjaka” mit nachhaltigem Erfolg im Rahmen des Festivals FIBA in Buenos Aires präsentiert. Später folgten “Stifters Dinge” und “De Materie”, die jeweils im Zyklus “Colón Contemporáneo” des Teatro Colón und im Teatro Argentino in la Plata aufgeführt wurden.

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