Im Rahmen der Retrospektive von Jeanine Meerapfel wird vom 8. bis 14. August der Film Desembarcos gezeigt.
Argentinien/ Deutschland, w/s, 74 Min., 1986-1989
Jeanine Meerapfel in Zusammenarbeit mit INCAA und dem Goethe-Institut
Mit: Alcides Chiesa, Laura Couto, Ana Feldman, Beatriz Couto, Madres de Plaza de Mayo, Eduardo Safigueroa.
Plattform Goethe on Demand
SYNOPSIS
Zehntausende von Menschen sind zwischen 1976 und 1982 in Argentinien durch die Militärs verschleppt, gefoltert, ermordet worden. Wie geht man mit dieser Vergangenheit heute in Argentinien um? Sollen die Wunden zugedeckt werden? Der äußere Anlass für diesen Film ist ein Regie-Workshop in Buenos Aires, veranstaltet vom INCAA und Goethe-Institut, geleitet von Jeanine Meerapfel. Drei Gruppen von Filmstudenten realisieren ihre eigenen Drehbücher. Das vorgegebene Thema war "Angst" und die Projekte handelten von der Angst, die nach der Militärdiktatur in Argentinien geblieben ist: Angst vor Repression, Folter, Exil, hauptsächlich Angst vor dem gesetzlich verordneten Vergessen. Während des Seminars tauchten Zweifel und Fragen auf. Wozu erinnern? Ist es sinnvoll immer wieder über Vergangenheit zu berichten? Der Film zeigt, wie sich die offenen Wunden der argentinischen Gesellschaft in den jungen Filmemachern spiegeln. Er dokumentiert die Verzweiflung darüber, dass sich die Vergangenheit wiederholen könnte. Er dokumentiert aber auch die Hoffnung dieser Gruppe Jugendlicher, die ihre Identität im Erinnern finden wollen.
REGISSEURIN: JEANINE MEERAPFEL
Jeanine Meerapfel ist Filmemacherin, Drehbuchautorin und Produzentin. Sie lebt in Berlin. In Buenos Aires geboren, besuchte sie dort die Journalistenschule und arbeitete anschließend in Argentinien als Redakteurin und freie Journalistin. Von 1964 bis 1968 studierte sie am Institut für Filmgestaltung der Ulmer Hochschule für Gestaltung bei Alexander Kluge und Edgar Reitz. 1980 drehte sie ihren ersten Spielfilm
Malou. Es folgten zahlreiche prämierte Dokumentar- und Spielfilme wie
Im Land meiner Eltern (1981),
Amigomío (1995) u.v.a. Von 1990 bis 2008 war Jeanine Meerapfel Professorin im Bereich Film/Fernsehen an der Kunsthochschule für Medien Köln. Zu Beginn ihrer Tätigkeit in Köln leitete sie die Kunsthochschule als Sprecherin des Gründungsausschusses. 2008 erschien bei Neue Visionen Medien eine Werkausgabe ihrer Filme auf DVD. 2012 kam ihr Film
Der deutsche Freund, eine argentinisch-deutsche Koproduktion, in die Kinos. 2015 produzierte sie den audiovisuellen Essay
Confusion/ Diffusion zusammen mit Floros Floridis. Werkschauen ihrer Filme präsentierten zuletzt 2018 das Bundesplatz-Kino in Berlin und Anfang 2019 die Cinemateca de Cuba in Havanna. 2019 entstand auch, erneut in Zusammenarbeit mit Floros Floridis, der audiovisuelle Essay
Moving Sand / Topos (mit Premiere am 29. Mai 2019 und nach weiteren internationalen Stationen der Wiederaufführung in der Akademie der Künste in Berlin am 9. November 2019). Im Dezember 2019 war sie Präsidentin der Jury des 41. Festival Internacional del Nuevo Cine Latinoamericano in Havanna. Für ihre Erfolge als Filmemacherin und Autorin sowie ihren Einsatz für Menschenrechte, Meinungsfreiheit und die gleichberechtigte Vielfalt der Kulturen wurde sie 2020 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Jeanine Meerapfel ist seit 1998 Mitglied der Akademie der Künste, Sektion Film- und Medienkunst. Von 2012 bis 2015 war sie Stellvertretende Direktorin dieser Sektion. 2015 wurde sie zur Präsidentin der Akademie der Künste gewählt. Im Mai 2018 erfolgte die Wiederwahl.
Preise und Auszeichnungen (Auswahl): 1981 Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI in Cannes für Malou; 1985 Preis der deutschen Filmkritik für Die Kümmeltürkin geht; Bundesfilmpreis 1989 und argentinische Oscar-Nominierung für
La Amiga; 2000 Künstlerinnenpreis des Landes Nordrhein-Westfalen; 2001 Spezialpreis beim argentinischen Festival Mar del Plata für
Annas Sommer; 2012 Ehrenpreis für das Gesamtwerk beim Internationalen Filmfestival Innsbruck.
Auf dem Internationalen Filmfestival von Mar del Plata 2021 wurde sein neuester Film
Una mujer vorgeführt, ein dokumentarischer Essay, der dieses Jahr in Argentinien seine Premiere haben wird.
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