Im Rahmen der Retrospektive von Jeanine Meerapfel wird vom 5. bis 11. September der Film La amiga gezeigt.
Argentinien/ Deutschland, w/s, 109 Min, 1988
Mit: Liv Ullmann, Cipe Lincovsky, Federico Luppi, Victor Laplace, Harry Baer.
Plattform Goethe on Demand
SYNOPSIS
Es ist die Geschichte einer engen und widersprüchlichen Freundschaft zweier Frauen vor dem Hintergrund der Militärdiktatur in Argentinien. Den Kinderschwur, Schauspielerin zu werden, hat nur Raquel verwirklicht. Maria heiratet einen Elektriker und wird Mutter dreier Kinder. Als die Militärs 1976 die Macht übernehmen, wird Marias ältester Sohn Carlos wie zahllose andere, verschleppt. In ihrer Verzweiflung wendet sich Maria an die inzwischen prominent gewordene Freundin, die sich solange mit ihr auf die Suche nach dem Sohn begibt, bis sie selbst bedroht wird. Raquel verläßt das Land, geht nach Berlin, in die Stadt, die ihre Eltern nach Hitlers Machtergreifung verlassen mußten. Maria schließt sich unterdessen den Müttern der Plaza de Mayo an, einer Gruppe argentinischer Frauen, alle auf der Suche nach ihren verschleppten Verwandten. Als sich die Freundinnen wieder begegnen, haben sich beide stark verändert. Raquel kehrt nach der Militärdiktatur 1983 nach Buenos Aires zurück. Sie ist ängstlich geworden, versucht sich anzupassen und zu vergessen. Sie will, daß ihre Freundin aufhört zu fordern, daß sie einsieht, daß Carlos tot ist. Aber Maria besteht darauf: ihr Sohn ist nicht tot, er ist "verschwunden". Nichts soll vergessen werden, so daß sich nichts wiederholt.
REGIE: JEANINE MEERAPFEL
Jeanine Meerapfel ist Filmemacherin, Drehbuchautorin und Produzentin. Sie lebt in Berlin. In Buenos Aires geboren, besuchte sie dort die Journalistenschule und arbeitete anschließend in Argentinien als Redakteurin und freie Journalistin. Von 1964 bis 1968 studierte sie am Institut für Filmgestaltung der Ulmer Hochschule für Gestaltung bei Alexander Kluge und Edgar Reitz. 1980 drehte sie ihren ersten Spielfilm
Malou. Es folgten zahlreiche prämierte Dokumentar- und Spielfilme wie
Im Land meiner Eltern (1981),
Amigomío (1995) u.v.a. Von 1990 bis 2008 war Jeanine Meerapfel Professorin im Bereich Film/Fernsehen an der Kunsthochschule für Medien Köln. Zu Beginn ihrer Tätigkeit in Köln leitete sie die Kunsthochschule als Sprecherin des Gründungsausschusses. 2008 erschien bei Neue Visionen Medien eine Werkausgabe ihrer Filme auf DVD. 2012 kam ihr Film
Der deutsche Freund, eine argentinisch-deutsche Koproduktion, in die Kinos. 2015 produzierte sie den audiovisuellen Essay
Confusion/ Diffusion zusammen mit Floros Floridis. Werkschauen ihrer Filme präsentierten zuletzt 2018 das Bundesplatz-Kino in Berlin und Anfang 2019 die Cinemateca de Cuba in Havanna. 2019 entstand auch, erneut in Zusammenarbeit mit Floros Floridis, der audiovisuelle Essay
Moving Sand / Topos (mit Premiere am 29. Mai 2019 und nach weiteren internationalen Stationen der Wiederaufführung in der Akademie der Künste in Berlin am 9. November 2019). Im Dezember 2019 war sie Präsidentin der Jury des 41. Festival Internacional del Nuevo Cine Latinoamericano in Havanna. Für ihre Erfolge als Filmemacherin und Autorin sowie ihren Einsatz für Menschenrechte, Meinungsfreiheit und die gleichberechtigte Vielfalt der Kulturen wurde sie 2020 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Jeanine Meerapfel ist seit 1998 Mitglied der Akademie der Künste, Sektion Film- und Medienkunst. Von 2012 bis 2015 war sie Stellvertretende Direktorin dieser Sektion. 2015 wurde sie zur Präsidentin der Akademie der Künste gewählt. Im Mai 2018 erfolgte die Wiederwahl.
Preise und Auszeichnungen (Auswahl): 1981 Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI in Cannes für
Malou; 1985 Preis der deutschen Filmkritik für
Die Kümmeltürkin geht; Bundesfilmpreis 1989 und argentinische Oscar-Nominierung für
La Amiga; 2000 Künstlerinnenpreis des Landes Nordrhein-Westfalen; 2001 Spezialpreis beim argentinischen Festival Mar del Plata für
Annas Sommer; 2012 Ehrenpreis für das Gesamtwerk beim Internationalen Filmfestival Innsbruck.
Auf dem Internationalen Filmfestival von Mar del Plata 2021 wurde sein neuester Film
Una mujer vorgeführt, ein dokumentarischer Essay, der dieses Jahr in Argentinien seine Premiere haben wird.
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