Ab dem 1. September 2022 und bis Ende des Monats wird der Film von Caroline Link mit Judith Kaufmann als Kamerafrau Der Junge muss an die frische Luft gezeigt, nach den Erinnerungen des deutschen Komikers und Fernsehmoderators Hape Kerkeling.
Im Jahr 2022 feiern wir die Geburtstage von Filmemacher:innen, Drehbuchautor:innen, Schauspielerinnen, Kameraleuten, Editorinnen des zeitgenössischen deutschen Kinos, und wie könnte man sie besser ehren als mit ihren eigenen Werken?
Jeden Monat werden wir ein anderes Geburtstagskind feiern, indem wir einen seiner Filme auf unserer
Online-Plattform Goethe on Demand zeigen. Jeder Film ist den ganzen Monat lang kostenlos verfügbar. Namen wie Rosa von Praunheim, Anne Zohra Berrached, Edin Hasanović und Judith Kaufmann sind Teil dieses erstaunlichen Programms - verpassen Sie es nicht!
September
Judith Kaufmann, 1962 in Stuttgart geboren und in Berlin aufgewachsen, gehört zu den meistbeschäftigten und erfolgreichsten Kamerafrauen Europas.
Nach ihrer Ausbildung zur Fotografin und einem Studium an der Staatlichen Fachschule für Foto, Optik und Film in Berlin arbeitete sie zehn Jahre lang als Kameraassistentin, ehe sie zur Chefkamerafrau avancierte. Eine Vielzahl von bedeutenden Kinofilmen trägt ihre gestalterische Handschrift, darunter
Scherbentanz (Chris Kraus, 2002),
Vier Minuten (Chris Kraus, 2006),
Die Fremde (Feo Aladag, 2010),
Wer wenn nicht wir (Andres Veiel, 2011),
Freistatt (Marc Brummund, 2015),
Elser (Oliver Hirschbiegel, 2015),
Die göttliche Ordnung (Petra Volpe, 2017),
Nur eine Frau (Sherry Hormann, 2018),
Der Junge muss an die frische Luft (Caroline Link, 2018) oder
Das Vorspiel (Ina Weisse, 2019).
Für ihre Bildgestaltung bei dem preisgekrönten Drama Vier Minuten (2006) wurde sie erstmals für den Deutschen Filmpreis nominiert. 2003 erhielt sie den Bayerischen Filmpreis für
Elefantenherz (Züli Aladag, 2002) sowie den Deutschen Kamerapreis für
Scherbentanz, zwei Jahre später den Hessischen Filmpreis für
Fremde Haut (Angelina Maccarone, 2005), 2010 den Preis der Deutschen Filmkritik und den Deutschen Kamerapreis für
Die Fremde. 2006 wurde ihre Arbeit mit dem renommierten "Marburger Kamerapreis" gewürdigt, 2012 mit dem Ehrenpreis des Kuratoriums des Deutschen Filmpreises. Im Jahr darauf erhielt sie einen Stern auf dem "Boulevard der Stars" in Berlin. 2019 durfte sie sich über gleich zwei Nominierungen für den Deutschen Filmpreis freuen, für
Der Junge muss an die frische Luft sowie
Nur eine Frau.
Judith Kaufmanns filmische Arbeiten zeichnen sich aus durch ihre markante und konsequente Bildlichkeit und eine Experimentierlust, die mit inhaltlicher Bindung einhergeht. Bei allen Unterschieden in Genre und Stil einen ihre Filme gesellschaftspolitische Relevanz und ein Interesse für die Ränder der Gesellschaft. Mit ihrem Kameraauge baut sie Nähe zu diesen Protagonist:innen auf, ohne sich dem Publikum aufzudrängen. Sie beherrscht die Intensität der Handkamera ebenso souverän wie die opulente Kamerabewegung. Mit unbeirrbarem Gespür für Licht, Kontraste, Farben und Komposition erschafft sie Bilderwelten von großer atmosphärischer Dichte.
ÜBER DEN FILM: DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT
Schon als Kind im von Kohle und Karneval geprägten Ruhrpott der 70er Jahre bringt der kleine Hans-Peter die Menschen um sich herum zum Lachen - ein Talent, das ihn später zu einem der bekanntesten deutschen Komiker machen wird. Nur bei der wichtigsten Person gelingt es ihm nicht: Seine Mutter nimmt sich das Leben, als er neun Jahre alt ist. Warmherzige Verfilmung der gleichnamigen Autobiographie von Hape Kerkeling, die mit viel Gespür für Zeit- und Lokalkolorit nicht nur eine berührende Kindheitsgeschichte, sondern auch eine authentische Milieuschilderung auf die Leinwand bringt, traurig und komisch zugleich.
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