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Juan Carlos Méndez Guédez

Juan Carlos Méndez Guédez © Victoria R. Ramos

Wie Fernando Iwasaki sagt, ich habe keine Heimat verloren. Ich habe eine dazu gewonnen. Jetzt habe ich zwei Zuhause.


Was bedeutet für Sie das Wort Auswanderer? 

Ein schönes Wort mit vielen Geschichten, vielen Gesichtern, vielen Schiffen, Flugzeugen und Bussen.
Das harte Wort mit der Bedeutung eines Traumes auf ein besseres Leben, das eine mögliche Wiedergeburt zulässt.
   La Ola detenida © HARPERCOLLINS
Wie haben Sie das Land ausgesucht, in dem Sie leben?  Welche waren Ihre Motivationen?
 
Ich entschied mich für Spanien, denn ich fühlte, es war der beste Ort zum Leben und Schreiben (zwei Verben, aber für mich nur eins)
 
Wie war die Integration in die neue Kultur? Haben Sie den Eindruck, dass diese die eigene Kultur verändert hat? 

Völlig.

Venezuela hatte mich darauf vorbereitet. Der Venezolaner ist neugierig, lernbegierig, offen. Spanien hat mich verändert und ich fühle mich in diesem Land sehr integriert. Meine Arbeit wurde hier mit einer unheimlichen Groβzügigkeit und einem unheimlichen Respekt aufgenommen. Wie Fernando Iwasaki sagt, ich habe keine Heimat verloren. Ich habe eine dazu gewonnen. Jetzt habe ich zwei Zuhause.
 
Haben Sie im Allgemeinen mit Venezolanern Kontakt und/oder im Arbeitsbereich? 

In meinem Arbeitsbereich nur punktuell und zu bestimmten Zeiten. Ich arbeite mit Spaniern aus allen Regionen Spaniens. Ich fühle mich unter ihnen sehr wohl.
 
Im Allgemeinen bin ich natürlich mit Venezolanern in Kontakt. Warum denn nicht? Es gibt gemeinsame Sorgen, Vorlieben, geteilte Erinnerungen. Ich bin nicht für Ghettos, aber ich sehe auch keinen Sinn, meine Landsleute zu meiden. Ich erlebe ganz natürlich die Freude, mich mit Leuten zu treffen, die ich mag, die ich für großmütig, interessant, bereichernd halte. Manche von ihnen haben einen Personalausweis, und andere eben ein nationales Identifikationspapier.  

Wenn ja, wie ist Ihre Beziehung zu ihnen? 

Ausgezeichnet. Ich habe bereits darüber gesprochen. Es gibt gemeinsame Erinnerungen: Worte, Augenblicke der Geschichte, Niederlagen, Jubel. 

Wie ist Ihr Kontakt zu Venezuela vom Ausland aus? 

Ständig. Ich erwähnte dies in einem Interview. Für den Auswanderer beginnt der Tag zweimal: In der Stadt, in der du lebst und dann, wenn die Sonne in den entfernten Städten aufgeht, wo die Menschen leben, die du liebst.  
 
Glauben Sie, dass die gesammelte Erfahrung im Ausland Ihre Karriere bereichert hat? ¿Wie und warum? 

Sehr. Sehr viel. Sie eröffnete neue Perspektiven, neue Lesearten.
Spanien ist auβerdem ein Land, in dem das Schreiben viele befriedigende Seiten hat, Zeit zum Lesen und Schreiben. gute Buchhandlungen, gute Bibliotheken, die Möglichkeit, Schriftsteller aus der spanischsprechenden Welt zu treffen. Auβerden wurde mir eine Stadt wie Madrid beschert: schön, mitreißend, prächtig, bequem, gemütlich.
 
Ausländer zu sein, kann für einen Schriftsteller ein Privileg bedeuten. Schreiben ist eine Form ewiger Fremdheit. Sich also in diesem Raum, wo man der Andere sein kann oder eben auch nicht, zu bewegen, ist ein groβes literarisches Lernen. Denn so, wie dieser neue Raum Teil deiner Vorstellungskraft und deiner Zuneigung wird, beginnst du auch, in einem offenen und großzügigen Ort wie Madrid, dein Leben in das Getöse der Stadt zu integrieren.

Durch die Ankunft vieler Einwohner der Karibik ist auch eine neue Schicht von Sinnen, Klängen, Gerüchen, Stimmen entstanden. Jetzt gibt es auch eine Madrid-Karibik, die niemals aufs Meer schaut, aber davon träumt.
 

Juan Carlos Méndez Guédez
Venezolanischer Schriftsteller
Geburtsort:
 Barquisimeto
Derzeitiger Wohnort: Madrid, Spanien.

Werke:
Una tarde con campanas. Alianza, 2004 (Neuauflage 2018)
Ein Mestizen Roman in der Form wie seinem Hintergrund. “Ich habe mein Buch meiner Tochter gewidmet, weil sie das Ergebnis dieser Mischung ist; gebürtig in Madrid, Tochter von Venezolanern, Enkeltochter von Kanariern und Italienern”. Auf der einen Seite wird die Geschichte von einem Kind und seiner Familie erzählt, die sich in die neue Gesellschaft integrieren wollen, in der sie leben. “Man sagt nie, dass die Familie aus Venezuela kommt, weil sich ihre Lebensart mit der der Ecuadorianer und der anderer Länder vermischt.”
 

  • 2017 | La ola detenida. Harlequin Ibérica.
  • 2016 | La noche y yo. Páginas de espuma. 
  • 2016 | El baile de Madame Kalalú. Siruela.
  • 2016 | Los Maletines. Siruela.
  • 2013 | Arena Negra. Casa de cartón.
  • 2012 | Ideograma. Páginas de espuma.
  • 2004 | Una tarde con campanas. Alianza.
  • 2001 | Tan nítido en el recuerdo. Lengua de trapo.
  • 2000 | Árbol de la luna. Lengua de trapo.
  • 1999 | El libro de Esther. Lengua de trapo.
Gewinner des 2. Preises von kurzen Erzählungen der Spanischen Botschaft in Venezuela, des VI. Preises für Erzählungen, Ateneo de La Laguna und der 40. Internationalen Preises, Stadt de Barbastro für kurze Romane (2009), und Finalist des XII. Preises Rómulo Gallegos und der V. Preises für Romane Fernando Quiñones. 
 
Übersetzung: Sonya Gzyl.

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