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Carlos Medina

Portät Carlos Medina
Foto © Cristóbal Ochoa

Ich behalte meine Kultur und meine Werte bei, doch gleichzeitig lerne und eigne ich mir die französische Kultur an, bleibe mir selbst aber immer treu.

Was bedeutet für Sie das Wort ‚Emigrant‘?

Ich denke, das Wort ‚Emigrant‘ ist heutzutage, zumindest in Bezug auf die Künstler, die im Ausland arbeiten, nicht ganz passend. Das Gebiet und die Forschung des Künstlers soll ja universell sein. Wenn wir dabei sind, unsere Projekte und unsere Spur, sei es auf dauerhafte oder vorübergehende Art  in anderen Ländern zu hinterlassen, dann tun wir das als Weltbürger, indem wir eine Verbindung zwischen unseren Wurzeln und der Kultur schaffen, der wir unsere Sicht der Dinge und unser schöpferisches Tun anbieten.
 
Wie haben Sie das Land gewählt, in dem Sie leben? Welche waren hierfür die entscheidenden Gründe?

Meine erste Erfahrung war in Carrara, Italien, wo ich sieben Jahre lang nicht nur viel über den Marmor, den Stein und die großen Meister gelernt habe, sondern auch über die Menschen. Jetzt bin ich in Frankreich, in Paris, weil diese Stadt fast ein Pflichtort ist, ein Markenzeichen für meine Entwicklung und meine Forschung. Diese Stadt ist voll von Ideen und den Werken derjenigen, die die Kunstgeschichte gebildet und geschrieben haben. Ich habe hier die Chance, die französische Kultur, die Kunstbewegungen und Trends in Frankreich kennenzulernen; ebenso konnte ich hierzulande kürzlich mein Buch „Medina. De lo material a lo esencial“ veröffentlichen. Dieser Ort bildet für mich so gesehen eine Plattform des Lernens und des Wachsens, hin zur Vertiefung meiner Arbeit und meines Diskurses, um diese wiederum in den wichtigsten Kunstzentren der Welt verbreiten zu können. Obwohl es auch weitere neue Sammelorte für die zeitgenössische Kunst gibt, unter anderem Städte wie Berlin und Düsseldorf, von denen ich sehr beeindruckt bin, ist Paris nach wie vor der Ausgangspunkt schlechthin für die Kunstentwicklung und auch für ihre Verbreitung.
 
Exposición Carlos Medina Esculturas Carlos Medina: Ausstellung Esculturas | Foto © Museo de Arte Contemporáneo de Caracas
Wie ist bisher Ihre Einbindung in die neue Kultur gewesen: Haben Sie das Gefühl, dass diese ihre eigene Kultur verändert hat?

Ich habe mich schon immer in den Werten meiner Heimat fest verwurzelt gefühlt, doch gleichzeitig bin ich ein universeller Mensch. Durch mein Studium habe ich schon sehr früh die großen Meister und ihre Ansätze kennengelernt, wobei ich den Weg der geometrischen Abstraktion als Orientierungspunkt gewählt habe. Es war hauptsächlich die Pariser Bewegung der optisch-kinetischen Kunst, auf die ich mich in meiner Arbeit konzentriert habe, und deswegen war diese interessante Kultur schon immer in meinem Fokus und beschäftigt und begleitet mich bereits seit vielen Jahren. Meine direkte Lebenserfahrung hier hat mir bestätigt, dass Paris gerne neue Ideen und Konzepte aufnimmt, und Künstler aus aller Welt empfängt, solange sie etwas Neues beitragen können. Ich behalte meine Kultur und meine Werte bei, doch gleichzeitig lerne und eigne ich mir die französische Kultur an, bleibe mir selbst aber immer treu. Diese Art von Integration wird heutzutage verlangt: Multikulturell zu sein, ohne auf unsere Essenz zu verzichten.
 
Haben Sie Beziehungen mit Venezolanern im Allgemeinen und/oder im Beruflichen? Wie ist Ihre Beziehung zu ihnen?

Ich habe wunderbare Beziehungen und Kontakt zu vielen venezolanischen Freunden und Verwandten, vielleicht etwas seltener als ich es gerne hätte, denn ich finde, in Paris vergeht die Zeit wie im Flug. Ich musste mich in letzter Zeit um vieles kümmern, um meine Arbeit am Laufen zu halten und dabei haben mich meine venezolanischen Freunde sehr unterstützt. Immer, wenn wir uns treffen, habe ich das Gefühl, dass wir uns nicht nur im Beruflichen und im Privaten nahe kommen, sondern auch zu unserem Heimatland und unseren Leuten eine tiefe Verbindung schaffen. Ich fühle mich dann zu Hause.
 
Carlos Medina: Exposición "De lo material a lo esencial" Carlos Medina: Ausstellung "De lo material a lo esencial" | Foto © Renato Donzelli
Wie ist Ihre Beziehung zu Venezuela aus dem Ausland?

Wir haben für unsere Werkstatt ein großes Netzwerk aus Unterstützern und Lieferanten, nicht nur in Caracas und Paris, sondern auch in den USA und Panama – wodurch, auch dank der modernen Kommunikationsmöglichkeiten, alles einfach und sachgerecht funktioniert. Ebenso verbringen wir jedes Jahr mehrere Monate in unserem Haus/Atelier in Caracas, und genießen das sehr; wir warten immer sehnsüchtig diese Zeit.
 
Hat die Auslandserfahrung Ihre Karriere bereichert? Wie und weshalb?

Für einen Künstler ist die Erfahrung des Lebens und des Austauschs mit anderen Wirklichkeiten, Kulturen, Geschehnissen und Künstlern absolut unentbehrlich. Ohne diese Erfahrung würden wir nie unser ganzes Potenzial ausschöpfen. Im Ausland zu sein, erlaubt mir, auf dem aktuellen Stand zu bleiben, verschiedene Techniken, Materialien, Räume und innovative Arbeiten zu entdecken; und vor allem auch Leute kennenzulernen, die eine andere Sicht auf das Leben und die Kunst haben: von demjenigen, der mir lediglich ein Lächeln schenkt oder zur Hand geht, bis hin zu den großen Meistern, die mir den Weg weisen, meine künstlerische und persönliche Entwicklung unterstützen - ohne all das zu vergessen, was ich von meiner Kindheit an gelernt habe und jedes Mal wieder in meinem geliebten Venezuela lerne.

Carlos Medina.
Venezolanischer Bildhauer.


Geburtsort: Barquisimeto.
Derzeitiger Wohnort: Paris, Frankreich.

Dossier:

  • 1975 | ​Erste Einzelausstellung: Abstracciones geométricas espaciales, Museo de Arte Contemporáneo de Caracas.
  • 1979 Mármoles y Granitos, Gallerien Van Vlaenderens, in Antwerpen und Luka, in Boechout, Belgien
  • 1979-80 | Gast beim Symposium Sculptur 80 in Ostende, Belgien.
  • 1984 | Austellung Medina Esculturas, Museo de Bellas Artes de Caracas.
  • 1992 |Teilnahme am Symposium I Simposio Iberoamericano de Escultura, organisiert von der UNESCO und dem Museo Nacional de Bellas Artes in Santiago de Chile.
  • 1999 Circuitos y cilindros, Estudio Carlos Medina, Barquisimeto.
  • 2002 La ciudad, esculturas de Carlos Medina, Estudio Carlos Medina, Barquisimeto.
  • 2008 | Teilnahme an der I Bienal Internacional de Escultura in Guadalajara; bekommt eine Auszeichnung für das Projekt Gota.
  • 2009-2013 | Präsentiert sein Konzept Esencial in verschiedenen Ausstellungen in México und Panama, USA und Venezuela. 
  • Wohnhaft seit 2015 in Paris, präsentiert die Ausstellung Fragments Essentiels in Espace Meyer-Zafra, Paris. Präsentation des Buches: Medina. De lo material a lo esencial, herausgegeben von Hermann Editéurs, in der Gallerie Denise René, im Rahmen der Teilnahme an der Gemeinschaftsausstellung Fall 2017 in derselben Gallerie. Überset
Übersetzung: Sonya Gzyl.

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