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Henry D'Artenay

Portät Henry D´Artenay
© William Padrón

Meinen engsten Freunde in Mexiko sind eine große Pangäa: Venezolaner, Mexikaner, Deutsche, Franzosen, Argentinier. Mexiko-Stadt hat die Eigenart, alle, sozusagen in der gleichen Soße zu baden.

Was bedeutet für Sie das Wort ‘Emigrant’? 

Das Wort ‘Emigrant’ bedeutet für mich Wasser. Wasser ist Leben, es macht 90% unseres Körpers aus, ungefähr 70% unseres Planeten besteht aus Wasser. Ohne Wasser würde man sterben. Ich finde, auswandern ist genau das. Es ist im genetischen Material eines jeden Lebewesens enthalten. Es ist Bewegung, um zu überleben. Sich zu bewegen, weil Bewegung die Wurzel der Existenz ist. Die geopolitischen Grenzen der Welt werden sich immer mit der Zeit verändern und verschieben, bis sie sich auflösen – entweder wegen der geologischen Zeit selbst oder wegen des menschlichen Tuns –; aber was sicherlich bleiben wird ist die Bewegung: von den Enten, die in den Süden fliegen bis hin zu den Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben auswandern.
 
Wie haben Sie das Land gewählt, in dem Sie leben? Welche waren hierfür die entscheidenden Gründe? 

Mein Heimatland ist Venezuela. Zum ersten Mal bin ich im Jahr 2006 ausgewandert, damals nach Pamplona, Spanien. Dort habe ich sechs Jahre verbracht, die ich meiner Hochschulbildung gewidmet habe. Dann bin ich in 2011 nach Venezuela zurückgekehrt und habe im Jahr 2014 entschieden, das Land wegen der politischen und wirtschaftlichen Lage wieder zu verlassen. Ich bin dann nach Mexiko gegangen, wo ich seitdem lebe. Ich bin Künstler und, um ehrlich zu sein, war es damals schon schwierig in Venezuela Projekte voranzubringen, aufgrund der hohen Inflation und der allgemeinen Unsicherheit. Ich kannte Mexiko schon seit 2012 und fand, dass Mexiko City der ideale Ort für einen Künstler war: mit niedrigen Mietpreisen und einer neugierigen, unruhigen Jugend.
Ich finde, Mexiko hat immer noch diese beiden Eigenschaften, die für eine starke Kunstszene sehr wichtig sind.
Henry DArtenay: Trabajando en mi estudio Foto © Mario Rincón
Wie ist bisher Ihre Einbindung in die neue Kultur gewesen: Haben Sie das Gefühl, dass diese Ihre eigene Kultur verändert hat? 

Natürlich. Ich habe das Gefühl, dass ich erst in Mexiko erwachsen geworden bin. Die Kultur dieses Landes ist wunderschön und weitreichend. Das Essen, die Musik, die Literatur, die Wörter. Es fällt mir schwer, mich nicht mexikanisch zu fühlen, denn seit zehn Jahren habe ich mexikanische ‚Geschwister‘, die mich auf meinen Abenteuern begleiten. Durch das Leben hier habe ich die Bindung zu meiner mexikanischen Familie befestigt.
 
Haben Sie Beziehungen zu Venezolanern im Allegemeinen und/oder im Beruflichen? 

Ja, eigentlich sind all die Mitglieder meiner Musikgruppe Venezolaner, in Caracas geboren. Auch in dem Studio, wo ich produziere und Audio-Engineering mache, habe ich zwei venezolanische Partner, die ich sehr schätze.
  Henry DArtenay : En un show en vivo con mi banda La Vida Boheme en México DF In einer live Show mit meinem Band "La Vida Boheme" in Mexiko DF | Foto © Salvador T
Falls ja, wie ist Ihre Beziehung zu Ihnen? 

Sehr schön. Meinen engsten Freunde in Mexiko sind eine große Pangäa: Venezolaner, Mexikaner, Deutsche, Franzosen, Argentinier. Mexiko-Stadt hat die Eigenart, alle, sozusagen in der gleichen Soße zu baden.
 
Wie ist Ihre Beziehung zu Venezuela aus dem Ausland? 

Abgesehen von meiner einzigen Schwester, die in Barcelona lebt, sind alle meine familiären Bindungen in Venezuela, so dass mein Kontakt zu dem Land derselbe ist, seit mein Nomadenleben angefangen hat: durch sie und durch die verdammten Nachrichten. Ich reise normalerweise oft nach Venezuela, obwohl ich seit letztem Jahr, als meine Mutter gestorben ist, nicht mehr dort war.
 
Hat die Auslandserfahrung Ihre Karriere bereichert? Wie und weshalb? 

Ja, klar. Die Welt ist mein Zuhause und jetzt kenne ich mehr davon und somit kenne ich mich selbst auch besser.
 

Henry D'Arthenay
Venezolanischer Musiker.

Geburtsort:
Caracas.
Derzeitiger Wohnort: Mexiko D.F., Mexiko.

Sänger, Gitarrist, Keyboards und Komponist der Musikgruppe La Vida Bohème, in der verschiedene Stilrichtungen ineinandergreifen: Post-Punk, alternativer Rock und Dance. Gegründet in Caracas in 2006 von Rafael Pérez, Daniel De Sousa, Sebastián Ayala und Henry D'Arthenay.

Dossier

  • 2008 | Gewinner des "Festival de Nuevas Bandas" (Festival de Bandas Nuevas de Venezuela). Caracas.
  • 2013 | La Vida Boheme bekommt ihren ersten Latin Grammy für das beste Rock Album. Los Ángeles, USA.
  • 2014 | Preis Latin Grammy für das beste Musikvideo (kurze Version), verliehen an “Flamingo”, kurzer Trcikfilm von Carl Zitelmann, enthalten im ersten Album Nuestra. Los Ángeles, USA.


Discografie:

  • 2010 | Nuestra. Dieses Album wurde von Nacional Records in 2011 für Nordamerika freigegeben. Aufgenommen und produziert in Venezuela von Rudy Pagliuca (Gitarrist von Malanga), Mischung von Leonel Carmona und Audiomastering von Andrés Mayo in Argentinien.
  • 2013 | Será. Nacional Records.
  • 2017 | La lucha. Nacional Records. Nach mehreren Tourneen durch verschiedene Länder in Lateinamerika, u.a. Mexiko, Chile, Argentinien und Puerto Rico, hat die Band Mitte 2015 über Instagram die Aufnahme des Albums dokumentiert.
  • 2017 | Lejos. Songtexte von Henry D’Arthenay und Musik von Daniel De Sousa, Sebastian Ayala, Rafael Perez und D’Arthenay.
Übersetzung: Sonya Gzyl.

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