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Yasmín Monsalve Reaño

Portät Yasmín Monsalve.
© Yasmín Monsalve

Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen der Wesensart des Venezolaners und derjenigen des Brasilianers, so dass die Anpassung schrittweise geschehen ist. An manchen Tagen ging das Ganze einen Schritt voran, an anderen wieder einen Schritt zurück.

Was bedeutet für Sie das Wort ‚Emigrant‘?

Der Emigrant ist derjenige, der sein Land verlässt. Derjenige, der nicht in seiner Heimat wohnt. Ich bin vor 13 Jahren Emigrantin geworden, und habe dabei diesem Wort, das mir immer so fremd vorkam, Sinn und Gefühl gegeben. Dieses Wort klang für alle Venezolaner fern. Das Gepäck des Emigranten sind die Erinnerungen und eine unermessliche Sehnsucht.

Wie haben Sie das Land gewählt, in dem Sie leben? Welche waren hierfür die entscheidenden Gründe?

Die Entscheidung, in São Paulo, Brasilien, zu leben, hing damals mit einem Arbeitsangebot für meinen Ehemann zusammen. Diese Gelegenheit kam zu einem Zeitpunkt, zu dem wir uns schon Sorgen um die Zukunft in Venezuela machten. Unsere Motivation war hauptsächlich die Aussicht, unseren Kindern eine bessere Lebensqualität und auch Sicherheit anbieten zu können.
Carnaval de São Paulo im Sambdromo de Anhembi Carnaval de São Paulo im Sambdromo de Anhembi | Foto © Yasmín Monsalve Reaño
Wie ist bisher Ihre Einbindung in die neue Kultur gewesen: Haben Sie das Gefühl, dass diese Ihre eigene Kultur verändert hat?

Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen der Wesensart des Venezolaners und derjenigen des Brasilianers, so dass die Anpassung schrittweise geschehen ist. An manchen Tagen ging das Ganze einen Schritt voran, an anderen wieder einen Schritt zurück, - und ich glaube, das ist die Art und Weise in der sich diese Prozesse vollziehen. So hat es mir auch immer mein Schwiegervater Muñíz erklärt (der als spanischer Auswanderer nach Venezuela kam). Ich habe die brasilianische Kultur mit einer gewissen Leichtigkeit angenommen, ihre Musik, Literatur und die Künste im Allgemeinen haben mich schon immer verführt. Schon 15 Jahre bevor ich überhaupt wusste, dass Brasilien eine wichtige Rolle in meinem Schicksal spielen würde, habe ich Portugiesisch gelernt. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, ich mich mit der Zeit sogar noch mehr als Venezolanerin fühle.

Haben Sie Beziehungen mit Venezolanern im Allgemeinen und/oder im Beruflichen?

Ja. Es gibt eine venezolanische Gemeinschaft hier die täglich größer wird.

Wie ist Ihre Beziehung zu ihnen?

Ich bin mit Venezolanern befreundet, die gleichzeitig mit mir hier angekommen sind. Danach sind noch viele mehr dazu gekommen. Manchmal treffen wir uns mit anderen Familien, vor allem im Dezember, um hallacas vorzubereiten und Weihnachten nach den venezolanischen Bräuchen und Traditionen zu feiern.
Yasmin Monsalve Reaño Carnaval de São Paulo 2017 2 Yasmin Monsalve Reaño, Carnaval de São Paulo 2017 im Sambódromo de Anhembi | Foto © Yasmín Monsalve Reaño
Wie ist Ihre Beziehung zu Venezuela aus dem Ausland?

Ich habe noch nie von Venezuela ganz abgeschaltet, sondern war immer an verschiedenen Aktivitäten für die Unterstützung des Wiederaufbaus der Demokratie in Venezuela beteiligt. Ich habe mich an Radio- und Fernsehsendungen beteiligt, um über die schlimme Krise zu berichten, die die Venezolaner betrifft sowie auf die Menschenrechtsverletzungen, die dort geschehen, hinzuweisen. In letzter Zeit habe ich Leute für Spenden mobilisiert, um Medikamente und Lebensmittel für die Bedürftigen in Venezuela zu versenden.

Hat die Auslandserfahrung Ihre Karriere bereichert? Wie und weshalb?

Die Erfahrung, in Brasilien zu leben, hat sich sehr gelohnt, sowohl beruflich als auch persönlich, denn ich habe dadurch viele Möglichkeiten gehabt, mich weiterzuentwickeln. Als Journalistin und Fotografin habe ich sehr viel gelernt, aber auch in anderen Bereichen wie z.B. in der Gastronomie. Dieses Land hat mir die Chance gegeben, mich neu zu erfinden, und das ist etwas, wofür ich sehr dankbar bin.

Yasmín Monsalve Reaño
Journalistin und Fotografin


Geburtsort: Caracas.
Derzeitiger Wohnort: São Paulo, Brasilien.
 
Ehemalige Koordinatorin verantwortlich für die Zeitungsteile: Calidad de vida (Lebensqualität) und Arte/Espectáculos  (Kunst/Veranstaltungen) der Zeitung El Universal.
  
Veröffentlichungen und Ausstellungen:

  • 2002 Al desnudo (Nacktheit). Ausstellung mit Fotografien von Sui King Chang, Oswer Díaz Mireles und Yasmín Monsalve. Räume für Kultur des Hotel Hilton. Caracas, Oktober-Dezember.
  • 2004 | Berichterstattung der 26. Biennale São Paulo für die Zeitung El Universal, mit der Teilnahme der venezolanischen Künstler Juan Calzadilla und Juan Araujo. São Paulo.
  • 2008 | Reportage (Texte und Fotografien) über das Armenviertel Liberdade für das Jubiläum von Avianca, São Paulo.
  • 2015 | Cien mujeres contra la violencia de género (Hundert Frauen gegen die geschlechtsbestimmte Gewalt). (Erzählung über die Brasilianerin María da Penha). Sammlung “Violeta Rojo, Kira Kariakin y Virginia Riquelme”, Ediciones Fundavag. Caracas.
  • 2013 | Mirada expuesta de Yasmín Monsalve. Carnaval, sudor y llanto. La fotógrafa caraqueña le halla el lado fervoroso a la festividad en Brasil (Der exponierte Blick von Yasmín Monsalve. Karneval, Schweiß und Weinen. Die Fotografin aus Caracas findet die leidenschaftliche Seite des Feierns in Brasilien). Zeitung El Universal. Caracas, 17. Februar.
  • 2017 Nuevo País de las Artes Artistas Visuales (Neues Land der Bildenden Künste und Künstler). Sammlung “Rostros del Futuro”. Interview mit Suwon Lee. Fondo Editorial Banesco, Caracas.
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Übersetzung: Sonya Gzyl.

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