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Antonio Briceño

Antonio Briceño. Autoretrato con su padre en Granada Detalle
Foto © Antonio Briceño

Ich habe Spanien aus kulturellen und emotionalen Gründen gewählt. Emigrieren bedeutet, auf verschiedene Sachen zu verzichten und je nach dem, wohin man auswandert, können die Menge und die Art der Dinge, auf die man verzichtet, für die Anpassungsfähigkeit ans neue Umfeld entscheidend sein.

Was bedeutet für Sie das Wort 'Emigrant'? 

Ein Emigrant ist derjenige, der seine Heimat und seinen ursprünglichen Kontext verlässt, weil er sich in seiner menschlichen Entwicklung eingeschränkt und /oder bedroht fühlt. Eigentlich ist die Migration, meiner Meinung nach, ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen sowie auch vieler anderen Spezies. Die Möglichkeit, sich zu bewegen, den Lebensort räumlich zu verändern, ist ein fundamentaler Überlebensfaktor, da es sich bei unserem ja um einen wechselhaften Planeten handelt. Mit der Ausnahme von vielleicht einigen Menschen in Äthiopien (wo sich anscheinend der homo sapiens entwickelt hat) könnte man eigentlich sagen, dass die ganze Menschheit aus Emigranten besteht oder wenigstens einen Migrationshintergrund hat.
 
Wie haben Sie das Land gewählt, in dem Sie leben? Welche waren hierfür die entscheidenden Gründe? 

Ich habe Spanien aus kulturellen und emotionalen Gründen gewählt. Emigrieren bedeutet, auf verschiedene Sachen zu verzichten und je nach dem, wohin man auswandert, können die Menge und die Art der Dinge, auf die man verzichtet, für die Anpassungsfähigkeit ans neue Umfeld entscheidend sein. In Spanien fühle ich mich im Hinblick auf die Sprache sehr wohl ebenso wie hinsichtlich einer gewissen Eigenart, die allen hispanischen Ländern, aufgrund ihres Ursprungs, gemeinsam ist. Spanien ist ein Land, das ich sehr mag und in dem ich mich sehr wohl fühle.
 
Antonio Briceño. Autoretrato con su padre en Granada, España, 2016. Selbstporträt mit seinem Vater in Granada, Spanien, 2016 | Foto © Antonio Briceño
Ich habe mich für die Stadt Barcelona aus emotionalen Gründen entschieden: meine Schwester wohnte nämlich schon hier und auch einige meiner Freunde sowie die besten Freunde meiner Partnerin, mit der ich zusammen ausgewandert bin, wohnen in Barcelona. Ich finde, um als erwachsener Mensch auszuwandern, ist es nötig, eine gewisse emotionale Kontinuität vor Ort garantiert zu haben. Denn diese Bindungen sind letztendlich die wichtigste Stütze des Emigranten.
 
Wie ist bisher Ihre Einbindung in die neue Kultur gelaufen: Haben Sie das Gefühl, dass diese Ihre eigene Kultur verändert hat? 

Meine Integration in die neue Kultur ist bisher sehr schwer und langsam gewesen, einerseits aufgrund meiner eigenen introvertierten Natur und andererseits wegen den Stimmungsschwierigkeiten, die das Auswandern selbst mit sich bringt; hinzu kommt noch die Tatsache, den Kontext verlassen zu haben, in welchem mein Leben und meine Handlungen eine bestimmte Funktion in der Gesellschaft erfüllten. In Venezuela hatte ich über 30 Jahre lang eine berufliche Karriere entwickelt, ich war in meinem Gebiet anerkannt und hatte ein Gefühl der Zugehörigkeit, das für meine Arbeit sehr förderlich war. In diesem neuen Umfeld bedeute ich für niemanden etwas, und ich habe das Gefühl, das ich zu der Gemeinschaft, in der ich jetzt lebe, nichts beitragen kann. Ich könnte weggehen und niemand würde bemerken, dass ich einmal da war. Glücklicherweise erlaubt es die Art meiner Arbeit, dieser überall nachzugehen; außerdem gingen sowohl meine Arbeit selbst wie auch ihre Ausstellung schon seit langem auf internationaler Ebene vor sich.
Antonio Briceño. Ayahuasca cielo. Ayahuasca cielo | Foto © Antonio Briceño
Haben Sie Beziehungen mit Venezolanern im Allgemeinen und/oder im Beruflichen? 

Ich habe ganz konkrete Beziehungen zu den wenigen Freunden, die ich in dieser Stadt habe, und sie sind fast alle Venezolaner.
 
Wenn ja, wie ist Ihre Beziehung zu Ihnen? 

Es handelt sich um Freundschaften, die meisten von ihnen noch aus der Zeit vor meinem Migrantenstatus, aber andere sind neu dazu gekommen, über Freunde von Freunden.
 
Wie ist Ihre Beziehung zu Venezuela aus dem Ausland? 

Ich bin mit Venezuela über die sozialen Netzwerke in Verbindung sowie durch die Freunde und Bekannten, die noch in Venezuela sind. Ich versuche, jedes Jahr nach Venezuela zu reisen und meine beruflichen Aktivitäten (Ausstellungen) dort aufrechtzuerhalten. Ebenso habe ich an verschiedenen Initiativen für die Offenlegung der venezolanischen Realität auf internationalem Niveau teilgenommen. Mit meiner Familie und meinen Freunden pflege ich auch einen stetigen Kontakt.
Antonio Briceño. Ebena Nukak, 2017. Ebena Nukak, 2017 | Foto © Antonio Briceño
Hat die Auslandserfahrung Ihre Karriere bereichert? Wie und weshalb? 

Als ich ausgewandert bin, habe ich als allererstes einen Master an der Universität begonnen, durch welchen ich wichtige Werkzeuge für meine Arbeit erlangt habe. Ebenso hat mir die Erfahrung, weit weg von meinem gewohnten Kontext zu sein, erlaubt, meine eigene Arbeit aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Jetzt, dreieinhalb Jahren nach meiner Auswanderung nach Spanien, fange ich an, mich an Ausstellungen mit viel mehr Bewusstsein über meine eigene Identität als Künstler zu beteiligen. Meine fotografische Arbeit hat sich schon immer von unterschiedlichen, mir fremden Kulturen und Kontexten genährt und zurzeit entwickle ich auch Projekte im Zusammenhang mit diesem neuen Kontext in dem ich jetzt lebe.

Antonio Briceño
Venezolanischer Fotograf


Geburtsort: Caracas.
Derzeitiger Wohnort: Barcelona, Spanien.

Anerkennungen:

2006 | Venezolanischer Fotografie-Preis. Kategorie Profi-Fotografen, Goethe-Institut Caracas, Venezuela.
2008 | Preis ‘Green Leaf ‘Award für besondere künstlerische Leistungen. The Natural World Museum und das United Nations Environment Programme, Wellington, Neuseeland.
2012 | Preis AICA 2011, Kategorie ‘Etablierte Künstler’. Asociación Internacional de Críticos de Arte (AICA), Capítulo Venezuela.
2014 | Stipendium. Universitat Pompeu Fabra, Barcelona, Spanien.


Ausstellungen:
 
2007 | Biennale,Venedig. Vertreter Venezuelas. Venedig, Italien.
2009 Dioses de América. Museo de Arte Contemporáneo de Caracas / Centro de Arte de Maracaibo Lía Bermúdez, Venezuela.
2010 | Millions of pieces. One puzzle. Art Works for Change / United Nations Environment Programme, Kigaly, Ruanda.
2010 | Míranos. Estamos aquí. Plaza Bolívar,  Parque de la 93 y Jardín Botánico de Bogotá, Kolumbien.
2011 520 Renos. BOD-Corpbanca Centro Cultural, Caracas, Venezuela.
2012 | Las Plañideras. Nuestras últimas lágrimas. Galería D´Museo/ Centro de Arte Los Galpones. Caracas, Venezuela.
2014 Omertà petrolera. La era del silencio. Galería D´Museo/ Centro de Arte Los Galpones. Caracas, Venezuela. 
2015 520 Bhocco. Siida Museum, Inari, Finnland. 
2015 | Götter Amerikas. Photo Edition Berlin, Deutschland.
2017 The skin of Mars. Photo Edition Berlin, Deutschland.
2018 La piel de Marte. Museo de Arte Contemporáneo del Zulia, Venezuela.

​http://www.antoniobriceno.net

Übersetzung: Sonya Gzyl.

 

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