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Adriana Meneses

Portät Adriana Meneses Foto © Pedro Avendaño
 

Wir waren in unserem Land in verschiedenen Bereichen weit fortgeschritten, wie zum Beispiel was soziale Programme und Bildung betrifft, aber auch im Bereich des Ausstellungsaufbaus und der Programmgestaltung. Es freut mich auch festzustellen, dass sich die venezolanische kulturelle Gemeinde in ihrer neuen Umgebung bereits einen guten Ruf erworben hat

Was bedeutet für Sie das Wort ‚Emigrant‘?
 
Das Wort Emigration beinhaltet den Umzug in ein anderes Land. Aus welchen Gründen auch immer es geschieht, hat es immer die Anpassung an eine neue Gesellschaft zur Folge, und in den meisten Fällen noch weitere Veränderungen…
 
Wie haben Sie das Land gewählt, in dem Sie leben? Welche waren hierfür die entscheidenden Gründe?
 
Ich habe die USA, insbesondere Miami, aus logistischen Gründen gewählt. In dieser Stadt lebten bereits viele unserer Freunde und Familie. Miami ist mit dem Flieger nur drei Stunden von Caracas entfernt und mit vielen Verbindungen an andere Orte.
Andererseits hatte die Stiftung, die mein O1 Visum (für talentierte Personen) gesponsert hat, Miami als Standort.
 
Wie ist bisher Ihre Einbindung in die neue Kultur gewesen: Haben Sie das Gefühl, dass diese Ihre eigene Kultur verändert hat?
 
Wie bei allen Anpassungsprozessen habe ich über ein Jahr gebraucht, um zu verstehen, wie die Stadt im Kulturbereich funktioniert und die verschiedenen Gruppen, Verbindungen, Einrichtungen und Stiftungen kennenzulernen. Ich denke, ich bin immer noch mitten im Lernprozess. Jeden Tag begegne ich einer neuen Dynamik, in welche ich hineinwachsen muss. Nichts ist gleich und das eigene kulturelle Rüstzeug, all das, was man in der Heimat war und repräsentierte, hat im neuen Land wenig Bedeutung.
Diese neue Dynamik hat meine Art, Projekte zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen, enorm verändert. Man muss sich der Art und Weise anpassen, wie diese Aktivitäten hier funktionieren. Von der Präsentation der Ideen, über den Verkauf der Werke, die Kostenaufstellung, bis hin zu den ganzen Prozessen rund um die Akzeptierung eines Vorschlags.
 
Haben Sie Beziehungen mit Venezolanern im Allgemeinen und/oder im Beruflichen?
 
Ich stehe in Verbindung mit der venezolanischen kulturellen Gemeinde. Ich versuche immer, bei den Eröffnungen, Präsentationen, Treffen und generell bei jeder Veranstaltung, die die Mitglieder dieser Gemeinschaft organisieren, dabei zu sein. Ich denke, die venezolanische Gemeinschaft hat, initiativ und geschickt, das kulturelle Panorama der Stadt Miami verändert. In den letzten Jahren haben die Venezolaner viele Galerien und Buchläden eröffnet sowie Ausstellungen organisiert. Es gibt ständig Konzerte. Wir Venezolaner haben ein großes Verlangen danach, Teil des Kulturlebens zu sein. Ich bin auch sonst mit Venezolanern in Kontakt, deren beruflichen Werdegang ich kenne und versuche, sie in meine Projekte einzubinden, sei es bei Montagen, Restaurierungen oder Veröffentlichungen
 
Wenn ja, wie ist Ihre Beziehung zu ihnen?
 
Ich habe auch mehrmals Ausstellungen, Messen und verschiedene Kulturprojekte in Zusammenarbeit mit Venezolanern gemacht, die ich schon aus Venezuela kannte und mit denen ich dort gearbeitet hatte. Die Erfahrung war bisher immer für beide Seiten positiv. Man schafft nicht nur Arbeit und Entlohnung für jemanden, der in einem neuen Land ankommt; man weiß auch, dass es sich um eine professionelle Kraft handelt, der man vertrauen kann.
 
Wie ist Ihre Beziehung zu Venezuela aus dem Ausland?
 
Ich habe immer noch eine Kunstgalerie in Caracas und zwei Teilhaber, die in Venezuela leben. Ich nehme an mehreren Chats im Kulturbereich teil, auch am Chat des Kulturzentrums, in dem sich die Galerie befindet. Ich bin immer darüber informiert, was in meiner Heimat geschieht, nicht nur kulturell, sondern auch auf politischer und wirtschaftlicher Ebene. Ich habe auch immer noch ein Haus in Venezuela und bezahle nach wie vor verschiedene Einkäufe, Reparaturen, Gehaltszahlungen und andere Ausgaben. Deswegen muss ich mich auf dem neuesten Stand halten, was die Inflation und die Schwierigkeiten in der Versorgung angeht.
 
Hat die Auslandserfahrung Ihre Karriere bereichert? Wie und weshalb?
 
Das Leben im Ausland ist sehr positiv gewesen, denn man muss nicht nur lernen, die Dinge neu zu machen und oft Aufgaben zu erledigen, die früher jemand anders übernommen hat; man muss sich auch einen Weg bahnen in einer Umgebung mit viel mehr Konkurrenz, in der man das eigene Können beweisen muss und zwar vor einer sehr heterogene Gruppe, die keine Ahnung von der Arbeitserfahrung hat, über die man verfügt. Die Stadt Miami hat eine große Vielfalt an Optionen und man muss eine davon werden.
Bezüglich den Institutionen muss ich sagen: In Venezuela konnten die Kulturinstitutionen, insbesondere die Museen, einen breiten Werdegang vorweisen und ihre Ausstellungen und verschiedene Abteilungen standen früher den Museen der sogenannten ersten Welt in nichts nach, ja wir hatten gegenüber anderen in Lateinamerika sogar einen Vorsprung. Vor diesem Hintergrund denke ich oft, hoffentlich können bald mehr venezolanische Spitzenkräfte ihren Beitrag in den Institutionen in Florida leisten. Der venezolanische Museums-Experte könnte hier viel Wissen und Erfahrung beitragen. Bei vielen Gelegenheiten merken wir, dass wir in unserem Land in verschiedenen Bereichen weit fortgeschritten waren, wie zum Beispiel was soziale Programme und Bildung betrifft, aber auch im Bereich des Ausstellungsaufbaus und der Programmgestaltung. Es freut mich auch festzustellen, dass sich die venezolanische kulturelle Gemeinde in ihrer neuen Umgebung bereits einen guten Ruf erworben hat.

Adriana Meneses Imber
Venezolanische Galeristin und Kulturmanagerin


Derzeitiger Wohnort: Miami, USA
 

  • Eigentümerin und Direktorin der Galeria G7, Centro de Arte Los Galpones, Caracas.
  • Ehemalige Direktorin des Museums Jacobo Borges, Caracas
  • Ehemalige Direktorin des Museums Carlos Cruz-Diez, Caracas

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