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Clemencia Labin

  • Porträt Clemencia Labin © Andreas Sibler
    Clemencia Labin
  • Ausstellungsstücke in Galerieraum © Clemencia Labin
    Performance La Extranjera, Galerie Renate Kammer, Hamburg 2016
  • Kostümierte Person sitzt in Stoffschlingen © Clemencia Labin
    Performance Ties, Galerie Peter Borchard, Hamburg 2010
  • Kunstobjekt aus Stoffschläuchen © Clemencia Labin
    Pulpa Chic, 2013
  • Kunstobjekt aus Stoffschläuchen © Clemencia Labin
    Pulpa Chic, 2013

So habe ich gelernt, dass man sowohl Ausländerin als auch glücklich sein kann, weil es ein großes Privileg bedeutet, zu verschiedenen Kulturen Zugang zu haben

Was bedeutet für Sie das Wort „Auswanderer”?

Der Begriff „Auswanderer“ war für mich immer positiv besetzt. In Venezuela lebten viele Migranten... Als Kind passte zum Beispiel María auf mich auf, eine arbeitsame Galizierin, die sehr nett und höflich war. Mein Lieblingsonkel war libanesischer Abstammung und viele der Freunde meiner Familie kamen aus anderen Ländern. So habe ich gelernt, dass man sowohl Ausländerin als auch glücklich sein kann, weil es ein großes Privileg bedeutet, zu verschiedenen Kulturen Zugang zu haben und auch etwas beitragen zu können... Es ist wie ein „andauernd vorübergehender“ Zustand, in dem der Austausch und die Interaktion das Leben ständig erweitern. Person in buntem Teppich © Clemencia Labin Wie haben Sie das Land gewählt, in dem Sie leben? Welche waren Ihre Gründe dafür?

In meinem persönlichen Fall waren es zunächst Vernunftgründe, denn ich ging zuerst nach Amerika, um Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Über den nächsten Ort hat dann aber mein Herz entscheiden, denn ich habe mich verliebt und kam so nach Deutschland.

Wie ist bisher Ihre Integration in die neue fremde Kultur gelaufen; haben Sie das Gefühl, dass sich dadurch ihre eigene ursprüngliche Kultur stark verwandelt hat?

Meine Integration in der neuen Welt war ein langsamer Prozess, indem ich allmählich die Sprache gelernt habe, mich ans Wetter und an die für mich neue Gesellschaft angepasst, und ihre verschiedenen Bräuche und Traditionen kennengelernt habe. Für mich war dieser Prozess erfreulicherweise sehr bereichernd, denn ich habe es geschafft, meine eigenen Wurzeln beizubehalten und auch in Deutschland neue zu schlagen. Ich musste nie auf meine Herkunft oder auf meinen Ursprung verzichten, sondern konnte diese vielmehr mit einschließen und dadurch eine Art verbindende Brücke zwischen meinen beiden Welten bauen. Das war für mich von großem Gewinn. Ich habe zum Beispiel das Event „Velada Santa Lucia“ ins Leben gerufen, welches ich von 2000 bis 2013 in meiner Heimatstadt Maracaibo organisiert habe. Diese Veranstaltung war eine Plattform für internationale Begegnung und kulturellen Austausch. Auf persönlicher Ebene stellte sie für mich die Möglichkeit dar, das junge und aktuelle Venezuela zu erleben und dadurch die alte Truhe meiner Erinnerungen zu ersetzen. Clemencia Labin, Performance La Pinta, Museo MACMA, 2010 © Clemencia Labin Haben Sie eine Beziehung mit Venezolanern ganz allgemein oder im beruflich? Und wenn ja, wie ist Ihre Beziehung zu ihnen?

Ich stehe mit vielen Leuten aus dem Kunstmilieu in Verbindung, mit denen ich Interessen und Ideen teile, ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit. Ich merke aber durchaus, dass in letzter Zeit viele gemeinsame Treffpunkte mit anderen Venezolanern in Hamburg entstehen. Es scheint, als ob die Krise unserer Heimat uns im internationalen Kontext miteinander verbindet; wir fühlen uns verantwortlicher für unsere Zukunft und sind solidarisch mit unseren Landsleuten, sowohl im Land wie auch außerhalb Venezuelas.
In den letzten vier Jahren haben wir mit der Unterstützung der Stiftung „Amigos de Velada Santa Lucía“ und der „Hamburger Kultur Stiftung“, die „Velada Remix“ organisiert. Dieses Event hat das Ziel, Orte der Begegnung bereit zu stellen, die den Austausch zwischen verschiedenen Kunst-Netzwerken aus beiden Ländern fördern und den Künstlern die Möglichkeit anzubieten, ihre Werke in anderen kulturellen Kontexten zu zeigen. Das Ganze ist bisher sehr gut angenommen worden und, nach Meinung der eingeladenen Künstler, ist es für sie sehr positiv und bereichernd gewesen, sowohl persönlich wie auch beruflich. Im November dieses Jahres organisieren wir in der „Casa Museo“ in Santa Lucía ein kulturelles „Tauschgeschäft“, wo zwei Tage lang lebensnotwendige Güter gegen Kreativität getauscht werden.

Wie ist Ihre Beziehung mit Venezuela aus dem Ausland?

Ich habe eine sehr intensive Beziehung mit Venezuela, ich liebe mein Land und seine Menschen und das alles ist für mich nach wie vor eine wichtige Quelle künstlerischer Inspiration. Mein Werk ist sehr karibisch und um meine Kunst zu verwirklichen, brauche ich auf jeden Fall die fröhliche und positive Einstellung, das tropische Lebensgefühl unseres Volks.
Andererseits macht die jetzige politische und wirtschaftliche Situation des Landes eine Interaktion immer schwieriger. Die riesige Inflation, die Knappheit der Lebensmittel und Medikamente, die großen Schwierigkeiten, Flüge von und nach Venezuela zu bekommen und Devisen einzutauschen, der Anstieg der Kriminalität im ganzen Land – all diese Probleme erschweren zur Zeit den kulturellen Austausch.

Hat ihre Auslandserfahrung ihre Karriere, ihre Arbeit, ihren Beruf und ihr Werk bereichert? Wie und warum?

Mein Leben im Ausland ist ohne Zweifel sehr positiv gewesen. Ich habe dadurch die Möglichkeit gehabt, zusammen mit meiner Familie vom kulturellen und wirtschaftlichen Wachstum eines entwickelten Landes zu profitieren. Deutschland hat mir einerseits die nötige Bildung ermöglicht (durch das Studium an der Hochschule für bildende Kunst in Hamburg), um meinen künstlerischen Traum zu verwirklichen. Andererseits hat mir das Leben in diesem Land Zugang zu allen Vorteilen der Demokratie und politischer und wirtschaftlicher Stabilität ermöglicht.
 

Geburtsort: Maracaibo
Derzeitiger Wohnort: Hamburg, Deutschland.

Clemencia Labins Werk wurde in Dutzenden von Einzel- und Gruppenausstellungen gewürdigt, hier eine kleine Auswahl:

Einzelausstellungen
2016 | Bizarra, Beatriz Gil galería, Caracas, Venezuela
2014 | Pulpa Chic, Museo de Arte de Valencia, Venezuela
2012 | Whitegold, New World Museum, Houston, Texas
2005 | Taking flamingos to Miami, Karpio-Facchini Gallery, Miami, Florida
1993 | Clemencia Labin, Kunstverein Bremerhaven, Deutschland

Gruppenausstellungen
2015 | God save the Queen, Museo de Arte Contemporáneo de Castilla y León, España
2014 | 1° Bienal Cartagena de Indias, Cartagena, Colombia
2011 | Tránsito Veneciano, 54 Bienal de Venecia, Pabellón de Venezuela, Venezia, Italia
2006 | Unholy Alliance: art+fashion meet, Museum of Contemporary Canadian Art, Toronto, Canada
1995 | Transatlántica, Museo Alejandor Otero, Caracas, Venezuela

Übersetzung: Sonya Gzyl.

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