Meisterklasse mit Andreas Uebele Botschafter des guten Designs

Workshop mit Andreas Uebele
© Goethe-Institut Hanoi

Interview mit dem Kommunikationsdesigner Andreas Uebele und zwei Designern aus Hanoi über den Wert des interkulturellen Austauschs.

Zum 6. Mal zeigt das Goethe-Institut Vietnam eine Auswahl von Einsendungen des weltweiten Wettbewerbs um die beste Typografie des Jahres. Zu sehen sind Plakate, Bücher und weitere gestaltete Druckprodukte, die sich durch außergewöhnliche typografische Gestaltung auszeichnen.
 
Die Ausstellung von rund 400 Objekten machte Station in Ho Chi Minh City und ist noch bis 18.12.2016 in der Ausstellungshalle des Goethe-Instituts Hanoi zu sehen. Wie es beim Goethe-Institut Usus ist, werden Präsentation und Interaktion mit der Öffentlichkeit durch einen Workshop und einen Vortrag mit anschließendem Publikumsgespräch verbunden.
 
Die Teilnehmer des Workshops waren unabhängige Künstler, professionelle Designer, Absolventen der Designhochschule, die Arbeit suchen, und über ein Dutzend Studenten aus zwei Design-Hochschulen Hanois. Die Meisterklasse leitete Andreas Uebele, der eigens aus Stuttgart angereist war. Mit 300 Auszeichnungen aus 20 Jahren Design-Arbeit gehört er zu den großen Namen der deutschen Designerszene und zu den Förderern der Kunst der Typografie.
 
Mit ihm und zwei Designer-Kollegen aus Hanoi sprachen wir über den Wert des Workshops.

Hiep Ha Dung (FPT Universität): Ich unterrichte seit mehr als zehn Jahren Multimedia und habe schon viele Veranstaltungen am Goethe-Institut miterlebt. Aus diesem zweitägigen Workshop nehme ich viel für meine eigene Arbeit und für meine Studenten mit.
 
Wir haben mit unseren Händen, mit Papier, Tinte und Pinsel gearbeitet. Der Workshop hat eine konsequente Arbeitsweise mit Inhalt und Form vermittelt. Das ist wichtig. Wenn dein Publikum nicht unmittelbar erkennt, was du sagen willst, ist alles umsonst. Das ist grundsätzlich nichts Neues, aber der Workshop hat gezeigt, wie wichtig es ist, in der Kommunikation konsistent zu sein. Das ist eine wertvolle Lektion, die zwischen Grafikdesign und moderner visueller Kommunikation deutlich unterscheidet. Dass es nicht nur um die Frage der Schönheit geht, sondern darum, wie effektiv du deine Botschaft überträgst.

Huren Marsh (London College for Design and Fashion, lehrt derzeit in Hanoi): Ich lebe in London und halte mich hier ein Jahr lang als Gastdozent auf. In London wie in Berlin gibt es viele Museen, Galerien, alternative Orte für die Kunst, Kinos usw. Dort haben wir immer Zugang zu Informationen  außerhalb des Unikurses. Jetzt hier mache ich das gleiche. Ich suche die Museen und Galerien auf, weil ich überzeugt bin, dass Lernen eben nicht nur etwas ist was in den Katakomben einer Institution passiert.  Man muss raus, weil das auch für die Entwicklung der Studenten wichtig ist. Gerade als Innenarchitekten und Designer reagieren wir auf die Welt um uns herum, mit ihren Gebäuden und Menschen. Deshalb schlepp ich die Studenten auch zu Ausstellungen am Institut Français mit.
 
Eine Meisterklasse wie diese hier   – und ich war an beiden Tagen dabei - ist für Studenten besonders wertvoll.  Es ist eine freie Arbeit, ohne Notendruck. Eine Möglichkeit, etwas auszuprobieren, was vielleicht völlig neu ist. Außerdem meine ich, dass jeder Design Student jeden Winkel kreativen Studiums erkunden sollte. Jede Art von Workshop erweitert die eigene Kreativ-Bibliothek und ist höchst willkommen. Überhaupt ist immer gut, von den Institutionen Abstand zu nehmen, weil Dozenten und Institutionen fade werden können und ein bisschen überholt.
 

  • Workshop mit Andreas Uebele © Goethe-Institut Hanoi
    Die Workshopteilnehmer. Huren Marsh, Hiep Ha Dung und Andreas Uebele sitzen in der ersten Reihe (v.r.n.l.)
  • Workshop mit Andreas Uebele © Goethe-Institut Hanoi
  • Workshop mit Andreas Uebele © Goethe-Institut Hanoi
  • TDC 62 © Goethe-Institut Hanoi
    TDC Ausstellung im Goethe-Institut Hanoi
Hiep Ha Dung: Das wichtigste für einen Lehrer und ein Zeichen für erfolgreiches Lehren ist, wenn die Studenten den Unterricht mögen und Lust haben, selbstständig zu lernen. Die Studenten waren sehr begierig, an dem Workshop teilzunehmen, und das zeigt, wie motiviert sie waren. Gestern habe ich gesehen, dass sie ihre Erfahrungen auf Facebook geteilt haben. Dieses Interesse macht mich sehr froh. Es zeigt, dass wir etwas Substanzielles für sie schaffen.

Andreas Uebele (Stuttgart): Für mich ist die Einladung nach Vietnam in erster Linie ein Kompliment an die Arbeit unseres Büros. Und ich finde, man sollte das Goethe-Institut unterstützen. In meiner Generation – ich bin Jahrgang 1960 – gibt es manchmal noch ein Gefühl der Scham im Hinblick auf unsere Nationalität. Aber ja, ich bin ein deutscher Designer und ich bekenne mich dazu. Wir haben in diesem Bereich etwas, das man auf der Welt zeigen kann, ohne belehrend sein zu wollen: Deutsches Design hat Qualität und eine Tradition. Allerdings wurde das durch die NS-Zeit unterbrochen und diskreditiert. Jetzt sind wir in der Lage, unseren bescheidenen Beitrag für die internationale Verständigung zu leisten - zum Beispiel auch im Rahmen eines Workshops in Hanoi. Insofern fühle ich mich als kultureller Botschafter des guten Designs. Und ich finde es grundsätzlich richtig und gut, dass das Goethe-Institut in allen Ländern präsent ist – egal, wie die Umstände für die Arbeit dort jeweils sind.
 
Aber ich habe auch persönlich von diesem Aufenthalt profitiert, in einem ideellen Sinn. Eigentlich verreise ich nicht gern und schon gar nicht gerne weit, aber hierher zu kommen ist etwas anderes als eine gewöhnliche Urlaubsreise: Ich fliege in ein mir bislang fremdes asiatisches Land und habe sofort direkten Kontakt zu den Menschen vor Ort, ich kann mit ihnen zusammenarbeiten und mich mit ihnen austauschen. So lerne ich eine andere Wirklichkeit kennen, die meinem Denken und Handeln neue Impulse gibt und mich bereichert. Das ist toll. Deswegen mache ich das.