Till Ansgar Baumhauer
Von Dresden nach Hanoi als „Artist in Residence“

Als Stipendiat der Kulturstiftung des Landes Sachsen wird sich Till Ansgar Baumhauer drei Monate in Hanoi aufhalten. Der promovierte Wissenschaftler und Künstler beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der Visualisierung und Ästhetisierung von Gewalt. Welche Spuren hinterlassen geschichtliche Ereignisse in der in den Erzählungen und Bildern der Alltagskultur? Wie werden Gesellschaften durch Kriegserfahrungen beeinflusst? Wie wirkt sich die Kriegserfahrung auf die Friedenszeit aus? Wie beeinflusst die Vorgeschichte von Land und Leuten ihre Wahrnehmung des jüngsten kriegerischen Ereignisses?

Die Künstlerresidenz in Hanoi ermöglicht Baumhauer, sich drei Monate lang frei in der Kunstszene Vietnams zu bewegen, Museen zu besuchen, Sammler von Artefakten ausfindig zu machen und sich auf die künstlerische Umsetzung seiner Entdeckungen und Einsichten zu fokussieren. Nebenbei wird er als Lehrender an den Kunstakademien in Hanoi und Hue Workshops geben, aber auch mit dem dichten Netzwerk an Künstler*innen Kontakte knüpfen.

Baumhauers Interesse geht über Kunst hinaus und nimmt auch die Kulturtechniken in Blick. Vietnam birgt für Baumhauer eine besondere Signifikanz. Gerade die Befreiungsgeschichte des Landes weist Phänomene auf, denen Baumhauer nachgehen möchte. Dabei kann es darum gehen, wie die Erinnerung an den Krieg verarbeitet wird, wie darüber gesprochen oder künstlerisch gearbeitet wird. Wie sind hier die Erinnerungs- und Gedenkkulturen angelegt, und was lässt sich aus deren Beschaffenheit ableiten? Vietnam stolze Geschichte bereichert Baumhauers Suche und bereitet Wege für Entdeckungen und eine künstlerische Arbeit jenseits kultureller Grenzen.

Till Ansgar Baumhauer © Till Ansgar Baumhauer Dr. Till Ansgar Baumhauer (*1972) lebt als freischaffender Künstler, Kurator und Publizist in Dresden. Nach einem Studium der Malerei und der Freien Kunst folgte 2015 die Promotion an der Bauhaus-Universität Weimar. Der mehrfache Kunstpreisträger beschäftigt sich intensiv mit visuellen Darstellungsformen gewaltgeprägter Ereignisse.