Nachhaltige Textilien IKAT/eCUT: TEXTILIEN ZWISCHEN TRADITION UND ZUKUNFT

Frauen in Nam Dinh
Die Frauen von Nam Dinh arbeiten an ihrem eigenen Design der Rucksacktasche NüPack. | Foto: Karla Franielczyk © Goethe-Institut Hanoi

Das vom Goethe-Institut Bangkok initiierte Regionalprojekt betrachtet das Thema Textilien aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Kunsthandwerkliche Traditionen werden dabei ebenso beleuchtet wie die ökologischen und sozialen Produktionsbedingungen der Textilindustrie.

Als im April 2013 eine Textilfabrik in Bangladesch einstürzte, wurden 1134 Menschen getötet und über 2500 verletzt. Ein Unfall, der die längst überfällige Debatte über Nachhaltigkeit und Arbeitsbedingungen in der Branche auslöste. Wie können Textilien nachhaltig produziert werden? Gibt es neue Ansätze, die die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie verbessern können? Und wie kann mit dem Phänomen schnelllebiger Modetrends umgegangen werden? Südostasien ist eine Region, in der Textilien in mehrfacher Hinsicht eine große Rolle spielen. Einerseits umfasst die Region einige Länder, in denen Textilien in Massenproduktion hergestellt werden, andererseits steigt auch der Konsumbedarf in den Metropolen Bangkok, Jakarta oder Hanoi rasant. Zudem haben die Länder eine lange Tradition in der Textilherstellung.

Who made my clothes?

Ikat ist eine traditionelle Webtechnik, bei der das Garn vor der Verarbeitung abschnittsweise eingefärbt wird. Das Wort Ikat verrät den Ursprung der Technik, denn es stammt vom malaysischen „mengikat” ab, das so viel wie „zusammenbinden“ bedeutet und den Vorgang beim Färben des Garns beschreibt. Der fiktive Begriff „eCut“ wiederum steht für „electronic cut“ und weist auf die Zukunftstechnologien der Textilbranche hin. Der Titel IKAT/eCUT beschreibt somit den thematischen Bogen des Regionalprojekts: von Kulturgut und Tradition bis hin zur Gegenwart und Zukunft von Textilien. Das gemeinsame Projekt der Goethe-Institute in Südostasien, Australien und Neuseeland sucht nach Beispielen für ökologische und soziale Produktionsbedingungen in der globalen Textilindustrie und ermittelt das Innovationspotential kreativen Textildesigns ebenso wie die Chancen und Herausforderungen intelligenter Textilien der Zukunft.
 
  • Halle von Hoa Ban Foto: Karla Franielczyk © Goethe-Institut Hanoi
    Auch die Webstühle in der Halle des sozialen Unternehmens Hoa Ban+ sind selbst konstruiert.
  • Webstuhl © Goethe-Institut Hanoi
    Mit diesem Webstuhl werden Stoffbahnen aus natürlichen Materialien per Hand gewebt.
  • Stoffe in Mai Chau © Goethe-Institut Hanoi
    Traditionell gefertigte Stoffe hängen zum Verkauf in Mai Chau.
  • Green Cycles Bangkok Foto: Sorapong Sawawiboon © Goethe-Institut Thailand
    Beim Green Cycles Symposium in Bangkok befassten sich Wissenschaftler und Kreative der Textilbranche mit Kreativität und Nachhaltigkeit.
  • Workshop mit Hoa Ban+und Studentinnen der HWK Hamburg © Goethe-Institut/Renata Brink
    Das Projekt IKAT/eCUT ermöglichte Do Thi Cuc und Vi Thi Thuan eine Reise nach Deutschland, wo die beiden Gründerinnen von Hoa Ban+ Studenten der HAW Hamburg das traditionelle Sticken beibrachten.

Green Cycles: Symposium und Think Tank für Wissenschaftler und Kreative der Textilbranche

Das Projekt wurde mit dem Symposium Green Cycles: Creative Industries East and West go Sustainable Business eröffnet. Am 11. und 12. Mai 2016 kamen Experten, Textildesigner, Unternehmensvertreter, Wissenschaftler, Künstler, junge Kreative und Studenten aus Deutschland, Malaysia, Thailand, Vietnam und Australien in Bangkok zusammen, um sich mit Kreativität und Nachhaltigkeit zu befassen, voneinander zu lernen, kreative Impulse aufzunehmen und ein textiles Netzwerk zu knüpfen. Auch beim nächsten Termin der Green Cycles-Reihe steht der Dialog zwischen Ost und West im Fokus. Green Cycles Afterthoughts knüpft an das Symposium in Bangkok an und stellt die Erkenntnisse und Perspektiven an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg vor. Das Programm legt außerdem den Fokus auf zwei vietnamesische Gemeinschaftsprojekte und stellt diese vor.

Unterstützung für traditionelle Weberinnen mit Behinderung in Mai Chau

Die Frauen Do Thi Cuc und Vi Thi Thuan gründeten 2008 ein soziales Zentrum in Mai Chau. Das Zentrum gab bereits über 200 ethnischen Frauen mit Behinderung die Möglichkeit ihre Produkte zu verkaufen und so ihre Lebensbedingungen erheblich zu verbessern. Fünf Jahre später entwickelte sich aus dem Zentrum das nachhaltige soziale Unternehmen Hoa Ban+, das die Produkte der Frauen mittlerweile weltweit vertreibt. Hoa Ban+ nutzt ausschließlich natürlich gefärbte Seide und Baumwolle, die von den ethnischen Frauen auf Grundlage ihrer Textiltradition designt und produziert wird. Das expandierende Unternehmen sorgt so nicht nur für bessere Lebensbedingungen der Frauen, sondern auch für die Erhaltung ihrer traditionellen Textilkultur.

Sozial benachteiligte Frauen in Nam Dinh lernen nachhaltige Designaspekte

Das zweite Projekt lautet Pack To The Roots und wurde von der Designerin Manuela Trinh mit ihrem Label Hause Nü entwickelt. Hause Nü steht für ein Design, das Qualität mit traditionellem Handwerk verbindet und Produkte unter dem ethischen Motto „clean and transparent“ herstellt. Das Projekt Pack To The Roots verbindet nicht nur diese Aspekte, sondern bringt die Designerin auch zurück zu ihren Wurzeln — nach Nam Dinh. Die Rucksacktasche NüPack, die sich hinter dem Projekt verbirgt, hat eine einfache Schnittlinienführung und wurde unter Anleitung der Designerin und in Kooperation mit einer lokalen Organisation von sozial benachteiligten Frauen in Nam Dinh hergestellt. Im Rahmen eines mehrteiligen Workshops erlernten die Frauen Nam Dinhs erste Schritte an der Nähmaschine und eine einfache Philosophie nachhaltiger Designaspekte, wodurch den vormals arbeitslosen Frauen ein selbstständiges und unabhängiges Arbeiten in einer gesunden Umgebung ermöglicht wurde.