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Künstlerischer Projektsleiter
Interview mit Heiner Goebbels

Heiner Goebbels
© Heiner Goebbels

Herr Goebbels, Sie sind zum ersten Mal in Vietnam. Vietnam ist für die deutsche Kunstszene weit weg. In der künstlerisch en Zusammenarbeit ist man eher in Japan, Korea oder in China unterwegs. Nach Vietnam gibt es wenig kulturelle Trampelpfade aus Deutschland / . Vietnam ist eine terra incognita für die kulturellen Beziehungen Deutschlands nach Asien. Wie haben Sie Hanoi wahrgenommen?

Heiner Goebbels: Was ich von meinen Reisen mitgenommen habe, ist, dass man eine solche Fülle von Eindrücken nicht verallgemeinern kann; Wo auch immer Sie reisen, Ihre Erfahrungen sind so komplex und widersprüchlich wie die Menschen, denen Sie begegnen. Aber ich freue mich berichten zu können, dass ich Hanoi sehr lebhaft und überraschend jung fand. Und als ich versuchte herauszufinden, wie der scheinbar unregulierte Verkehr hier funktioniert - weshalb ich immer auf dem Vordersitz im Auto sitzen wollte - faszinierte mich vor allem die Improvisationsgabe der Rollerfahrer. Anscheinend braucht es nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch eine seltene Mischung aus Flexibilität und Durchsetzungsvermögen - man kann die Straße nicht als Fußgänger überqueren, wenn man diese Fähigkeit nicht beherrscht.

Welche Eindrücke haben Sie aus der Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen ( vnm Tän./Mu) gewonnen?

Heiner Goebbels: Die jungen Künstler, mit denen ich arbeiten durfte, sind unglaublich aufgeschlossen und hochmotiviert, andere Wege als die, für die sie ausgebildet wurden, zu bereisen - und sie zu hinterfragen. Die Teilnehmer forderten buchstäblich eine Außensicht auf das, was sie taten, und sie taten dies mit großer Zuversicht. Die Musiker haben die Fähigkeit, Musik auf einem konstant hohen künstlerischen Niveau zu improvisieren, die sie jederzeit in den Kunstszenen anderer Metropolen kommunizieren können, die manche bereits machen. Das gilt auch für viele Tänzer und Choreografen. Mein Eindruck ist, dass der Individualismus gut entwickelt ist, aber viele sind es nicht gewohnt, auf der Wahrnehmungsebene des Publikums reflektiert zu werden; Aber sie akzeptieren es dankend und wissen, dass es eine wichtige Perspektive ist. Sie interessierten sich sehr für die Idee, Elemente auf der Bühne - Licht, Raum, Klang, Bewegung, Bild - nicht in einem hierarchischen Modell zu organisieren, sondern gemeinsam und nicht-hierarchisch zu entwickeln.

Sie haben nach jeder Phase künstlerischer Exploration die TeilnehmerInnen zum Meinungsaustausch über das Gesehene eingeladen? Gab es Konsens oder liegt man Welten auseinander?

Heiner Goebbels: Ich bin überrascht über die Offenheit und Direktheit der Teilnehmer in ihrer gegenseitigen Kritik und darüber, wie gut sie in der Lage sind, ihr Unbehagen oder Unverständnis bezüglich bestimmter Richtlinien oder Kriterien zu artikulieren. Unabhängig von der Sprachbarriere bedeuten viele Begriffe hier etwas anderes, sie werden mit unterschiedlichen Begriffen aufgeladen. Wörter wie Anwesenheit, Abwesenheit, Repräsentation, Illustration oder Stereotypisierung müssen sehr klar definiert oder beschrieben werden.

Gab es für Sie Überraschungen und künstlerische Neuentdeckungen?

Heiner Goebbels: Für mich war es zunächst eine wertvolle Lernerfahrung, zeitgenössische Sichtweisen außerhalb bekannter Diskurse in der europäischen Aufführungs- und Musikszene zu artikulieren. Und ich bin mir sicher, dass traditionelle vietnamesische Instrumente und ihre Möglichkeiten (z. B. Dan Bau Pro - das Monochord und Dan Thran oder Dan Thap Luc, eine 16-saitige Zither) mich weiterhin als Komponist inspirieren und beschäftigen werden.

Wenn Sie sich die Entwicklung der 14 Tage des Camps vergegenwärtigen - was haben die vietnamesischen KünstlerInnen aus der Zusammenarbeit mit Ihnen mitgenommen?

Heiner Goebbels: Sie müssen die Teilnehmer selbst fragen, bitte! Ich nehme an, dass sie Ihnen sehr individuell erzählen können ...

Wie sollte das Goethe-Institut Vietnam mit denen von Ihnen und den TeilnehmerInnen geschaffenen Impulsen nun umgehen?

Heiner Goebbels: Solche experimentellen Workshops oder Phasen sind unabdingbar, um eine eigenständige Ästhetik zu entwickeln - und das nicht allein oder zu Hause. Die Räume und Mittel, um auf diese Weise zu arbeiten, sind immer knapp - in Vietnam ebenso wie anderswo. Und sie sind wichtige Voraussetzungen, um in den darstellenden Künsten eine neue Sprache zu schaffen. Es wäre schön, wenn das Goethe-Institut dies weiterhin leisten könnte ....
 

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