Spielplätze für Kinder in Hanoi

Spielplätze für Kinder, Hanoi Foto: Wilfried Eckstein © Goethe-Institut Hanoi

Das Goethe-Institut Vietnam kooperiert mit dem Institut Français Hanoi und dem gemeinnützigen vietnamesischen Unternehmen Think Playground bei einer Öffentlichkeitskampagne, die für mehr öffentliche Freiräume für Kinderspielplätze wirbt.

Das Projekt wird vom Deutsch-Französischen Kulturfonds unterstützt. Für eine Podiumsdiskussion kam Bianca Elgas, Spiel- und Lerndesignerin aus Stuttgart, nach Hanoi angereist. Sie war mit ihrem deutschen Arbeitgeber, dem gemeinnützigen Verein KuKuk Kultur zuletzt in Nigeria und hat dort mit Kindern und Jugendlichen und einem Freiwilligenteam aus Deutschland einen behindertengerechten Spielplatz gestaltet und aufgebaut. 

Interview mit Bianca Elgas, KuKuK Stuttgart

Sie haben an einer öffentlichen Diskussion über den Wert des Spielens für das Lernen zu mitgewirkt. Was ist Ihre Kernmessage bei dieser Veranstaltung?

​Bianca Elgas: Eltern haben Angst davor, dass Kinder nicht genug lernen und den Anschluss an die moderne Leistungsgesellschaft verlieren. Deshalb stehen immer jüngere Kinder unter Lerndruck. Was auf der Strecke bleibt ist Freispielzeit Doch selbst neurowissenschaftlich ist es nachgewiesen, dass das Spiel für Kinder der Schlüssel zur Welt ist. Spielerisch greifen sie zunächst alles in ihrer Umgebung auf, um dadurch die Welt um sich herum zu begreifen. Vor allem in den Jahren bis zur Schulreife ist es enorm wichtig, Kindern viel Freispielzeit zu geben. Dabei entscheiden sie selbst, was sie aktuell lernen wollen und tun dies dann auch hochmotiviert.

100 Teilnehmer kamen am Samstag zu diesem Austausch. Fünf Fernsehstationen waren dabei. Was ist aus Ihrer Sicht auf besonders Interesse bei Zuhörern und Medien gestoßen?

​Bianca Elgas: Das Thema Spiel als Katalysator für die Entwicklung stößt hier meinem Eindruck nach aus unterschiedlichen Gründen auf offene Ohren. Ein Aspekt ist die rasante Urbanisierung von Hanoi. Es gibt kaum Freiräume in der Stadt, wer das Haus verlässt, steht direkt im dichten Stadtverkehr. Das ist keine Umgebung, in der ein sicheres Freispiel möglich ist. Eltern stehen dieser Entwicklung hilflos gegenüber.
Ein weiterer Punkt dürfte das steigende Bewusstsein dafür sein, dass Kinder zu viel Zeit vor Bildschirmen verbringen und sie es abgesehen davon kaum schaffen, sich eigenständig zu beschäftigen.

Sie hatten zwei Tage Gelegenheit, Think Playground, den vietnamesischen Organisator der Kampagne, genauer kennen zu lernen. Welche Eindrücke konnten Sie sammeln?

​Bianca Elgas: Ich arbeite für KuKuk Kultur, da es mir ein tiefes Anliegen ist, so vielen Kindern wie möglich sichere Orte zum Spielen bereitzustellen. Deshalb freue ich mich sehr, dass es weltweit viele ähnliche Organisationen gibt, und wir in Summe viel mehr Kinder erreichen können! Das Team von Think Playground ist mir sehr sympathisch. Da wird zeitgleich gedacht und gemacht: im Erdgeschoss haben sie eine Werkstatt, in der zehn Handwerker schweißen, lackieren, schrauben und schreinern... im Stockwerk darüber werden Spielplätze entworfen und alles Planerische und Organisatorische erledigt.

Das Team ist hochmotiviert und offen. Seit seiner Gründung vor vier Jahren entwickelt es sich qualitativ sowohl aus eigener Kraft, als auch durch gute Netzwerkarbeit konstant weiter. Momentan liegt der Fokus beispielsweise auf der Entwicklung und Einführung eines Sicherheitsstandards für Spielgeräte.
 
Die Podiumsdiskussion vom Samstag findet heute eine ganz praktische Fortsetzung. Auf der Fußgängerzone am Hoan Kiem See, hat Think Playground ein stattliches Areal von 200 qm als Spielzone markiert. Dort liegen Gegenstände, die Kinder zum Spielen einladen. Was sind das für Gegenstände, woher kommen sie und was passiert jetzt hier?

​Bianca Elgas: Für das Freispielevent am Sonntag greifen wir auf bewährte Materialien, sowie Fundstücke zurück: Autoreifen, Holzabschnitte, unterschiedliche Rohre, leere Dosen, Seile, Kartons usw. Ein Großteil der Materialien ist recycelt und somit kostenlos. Zum Schutz der Kinder achten wir darauf, dass die Sachen nicht zu schwer sind, keine scharfen Kanten oder Splitter haben und nicht schnell brechen. Vor dem Event haben wir alle Materialien sorgfältig auf Beschädigung geprüft und gereinigt. 30 junge Freiwillige betreuen das Spielangebot. Am Sonntag heißt es dann „Spiel frei“: da dürfen Türme gestapelt und Hütten gebaut, Mondraketen gestartet oder Tipis errichtet werden, ganz nach Lust, Laune und Fantasie der Kinder. Sie sind die wahren Experten an diesem Tag! Was schlussendlich passiert, und wie die lokale Bevölkerung von Ha Noi dieses Angebot annimmt, wissen wir noch nicht, denn: es handelt sich um ein Pilotprojekt/Experiment auf dessen Ergebnis wir gespannt sind!

Morgen fliegen Sie wieder zurück nach Deutschland. Gibt es eine Fortsetzung des Dialog mit den vietnamesischen Partnern?

​Bianca Elgas: Für Think Playground und KuKuk Kultur war diese Veranstaltung der Auftakt zu weiterer Zusammenarbeit: bei einem weiteren Besuch im Oktober arbeiten wir gemeinsam an einem Konzept für einen öffentlich zugänglichen Spielraum in Ha Noi. Der Platz dafür ist wohl bereits gesichert. Auch fachlich bleiben wir im Austausch.
 

Bianca Elgas

Bianca Elgas © afilii.com geboren in 1991.
Bianca Elgas  hat 2016 ihr Studium im Spiel- und Lerndesign an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale abgeschlossen. Seither baut Sie mit KuKuk Kultur weltweit Spielplätze für Kinder in Not- und Krisensituationen. Der Ansatz ist dabei immer partizipativ: es wird nicht nur für, sondern mit den Menschen geplant und gebaut. Bianca interessiert sich im Besonderen für den Stellenwert des Spiels in der gesunden Entwicklung eines Kindes.

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