Literatur und Performance Das lange Gedicht für Grenzen

DAS LANGE GEDICHT FÜR GRENZEN © Goethe-Institut Hanoi

Mo, 17.08.2020

Goethe-Institut Hanoi

56-58-60 Nguyen-Thai-Hoc-Str.
Ba Dinh
Hanoi

Poesie & Musik Performance von Chinh Ba

Poesie und Performance: CHINH BA
Musik: Chinh Ba & Alex Schachner
VJ: Linh Ha
Installation: Chinh Ba
Tonausrüstung: Frog Recording Studio
Dauer | 90 min

VON ANFANG AN...

6:00 Uhr
Ich habe eine Nachricht von einem Freund in Gaza erhalten. Es war eine Aufzeichnung von Bombengeräuschen. Es krachte an allen Orten, an denen er sich aufhielt. Bei ihm war es 2 Uhr morgens. Ich fragte, ob er mir eine Aufzeichnung des Geräusches schicken könne, wenn er durch den Fluchttunnel ging. Er sagte, es sei sehr gefährlich.
 
Ich fange an, über Grenzlinien zu schreiben, Dinge, die nicht zu mir gehören. Ich sehe sie  ganz klar auf meinem ganzen Weg. Diese Grenzlinien. Ich fange an, über Grenzlinien zu schreiben. Die Dinge, die ich sehe, gehören mir nicht. Auf dem ganzen Weg ist alles ganz klar.
 
Die Grenzen.
 
Grenzen, die die Menschen bauen, um die Angriffe zu stoppen. Das bedeutet, dass sie keine Möglichkeit haben zu entkommen. Sie sind  in ihren eigenen Fallen gefangen. So sehe ich die Welt. Ich sehe, wie widersprüchlich es ist, wenn Menschen versuchen, einen Traum von einem Himmel ohne Grenzen zu erschaffen und sich dann darin zu verfangen. Ich sehe wie die Menschen  den Humanismus verehren | wenn sie auf Migranten schießen. Ich sehe wie Leute, surreale Mauern aus Speichel und Geflüster bauen, und sie dann in aller Ruhe beseitigen, so wie ein Wassertropfen sich auflöst, bevor er den Boden berührt ... Ich sehe das so oft. Und ich schreibe über mich. Ich schreibe darüber, wie ich lebe, wie ich mit Dingen umgehe, die ich erschaffe, und sehe, wie sie erschaffen werden. Ich schreibe nicht über |echte| Mauern.
 
Ich schreibe über Grenzen.

PERFORMANCE

Als Performance Künstler des gesprochenen Worts setze ich mich seit 2013 bis heute der emotionalen Schicht zufällig angeordneter Sprachen und unterschiedlichster Klangbänder aus. Das lange Gedicht für die Grenzen ist eine Konfrontation zwischen Ideologien, die von Wänden umgeben sind, die Umwelt und Gesellschaft sowie die Ideologien von einander trennen. Es besteht aus Sätzen, Wörtern, authentischen Geräuschen, die meine Freunde aus dem isolierten Land geschickt haben, aus Konfliktgebieten, von Freunden, die sich selbst zurückgezogen haben und die Geräusche aufzeichneten, die sie hörten. Sie kommen aus vielen Teilen der Welt und aus Vietnam.
 
Eine 90-minütige Show mit Gedichten, experimenteller Musik und einem persönlichen Raum, in dem Künstler unmittelbar den Besuchern gegenübersteht.

 

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