UIA2014 Durban ist Gastgeber für afrikanische Architekten und Ideen

Workshop at UIA2014. From left to right: Lesley Kokko, Issa Diabate, Naeem Biviji, Bisrat Kifle
Workshop at UIA2014. From left to right: Lesley Kokko, Issa Diabate, Naeem Biviji, Bisrat Kifle | © Goethe-Institut South Africa. Foto: Lien Heidenreich-Seleme

Die UIA 2014, so Edgar Pieterse, Direktor des African Centre for Cities, biete ein Forum, um „zu klären, wie das globale und interkontinentale Gespräch geführt werden sollte, aber auch, welche Prioritäten wir als Südafrikaner und Afrikaner während des Übergangs in den nächsten zwei, drei Jahrzehnten setzen.“

Der Einfallsreichtum afrikanischer Architektur stand im Mittelpunkt des Interesses beim letzten Kongress der Union Internationale des Architectes (UIA 2014) in Durban. Auf diesem Weltkongress, den 4.000 Fachleute aus 96 Ländern besuchten, wurden auch Schlüsselthemen diskutiert, die Architekten auf dem gesamten afrikanischen Kontinent betreffen. Jeder UIA-Kongress befasst sich mit einem bestimmten Thema. Durban, das als erste Stadt südlich der Sahara seit ihrer Gründung in Lausanne 1948 einen Kongress der UIA ausrichtete, schuf die Rubrik „Architektur anderswo“. Dieses Thema, das Kategorien ihren Nimbus nimmt, wurde genutzt, um ein vielfältiges wissenschaftliches und kulturelles Programm zu gestalten, das die Aufmerksamkeit gezielt auf marginalisierte, inoffizielle und übersehene Stätten architektonischen Denkens lenkte.

Im Verlauf der viertägigen Konferenz kristallisierten sich mehrere Schlüsselkonzepte heraus, die in der Architektur Afrikas wesentlich sind, insbesondere architektonische Schlichtheit. In einem öffentlichen Gespräch, an dem die Architekten Diébédo Francis Kéré, der in Burkina Faso geboren ist und in Berlin arbeitet, und Kjetil Thorsen aus Norwegen teilnahmen, kam unerwartet die kleinere Größenordnung zu ihrem Recht. Es geschah, als Kéré Thorsen fragte, wie er die „hohe Qualität“ seiner Projekte bewahre. Thorsen antwortete, indem er zuerst Kéré lobte. „Ihr jungen Architekten, habt ihr das gehört?“, rief Kéré dazwischen und bekam dafür heftigen Applaus. „Bitte geht zurück zu euren Wurzeln“, fuhr Kéré fort. „Versucht, zu Hause etwas zu tun, auf kleinem Raum. Ihr werdet erleben, dass dann die großen Architekten eure Projekte sehen werden. Wartet nicht!“

Kéré, der Thorsen 2004 kennenlernte, als eine Grundschule, die er in seiner Heimat Burkina Faso entworfen hatte, den Aga Khan Award für Architektur gewann, war nicht der einzige Architekt, der auf dem alle drei Jahre stattfindenden Kongress die Tugenden schlichter Architektur hervorhob. Viele Redner auf der UIA 2014 präsentierten gestalterische Interventionen kleinerer Größenordnung aus ganz Afrika und darüber hinaus. Zu den bemerkenswerten Beiträgen zählen die Entwürfe von Thorsten Deckler und Anne Graupner vom Johannesburger Architektenbüro 26'10 south Architects. Der in Namibia geborene Deckler beteiligte sich rege an der UIA 2014. Er fasste das Thema des Kongresses „Architektur anderswo“ in einer öffentlichen Präsentation zusammen, die sich auf zwei inoffizielle Siedlungen in Gauteng – Ruimsig und Marlboro South – konzentrierte.

In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut, der Universität von Johannesburg und der NRO Ikhayalami förderte Decklers Firma eine Intervention in Ruimsig, einer inoffiziellen Siedlung am westlichen Stadtrand von Johannesburg. Studenten arbeiteten zusammen mit acht „Gemeindearchitekten“ an Strategien für die unmittelbare und langfristige Verbesserung der Siedlung. Deckler stellte das Konzept infrage, dass es in der Architektur einzig um „Agitation und Chaos“ gehe, eine Praxis, die sich zwangsläufig über Regeln und Bürokratie hinwegsetzt. „Haben Sie die Regel schriftlich vorliegen?“, fragte er. Decklers Vortrag zielte ganz besonders darauf, zu zeigen, dass es möglich ist, ohne den klassischen Antagonismus – zwischen Bauherr und Architekt, Bürger und Staat, Architekt und Staatsbeamten – zu denken und zu arbeiten und so Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit und Beteiligung auf kommunaler Ebene zu schaffen.

Franck Houndégla, ein multidisziplinär arbeitender französischer Designer mit afrikanischen Vorfahren, arbeitet ähnlich wie Deckler. Auf der UIA 2014 stellte Houndégla drei kleine Projekte vor, an denen er arbeitet, darunter eines auf einem Marktplatz in Porto-Novo, der zweitgrößten Stadt Benins. Houndégla, der mit dem in Liberia geborenen Architekten Francis Sessou und einem Team von Handwerkern und Kunsthandwerkern aus Porto-Novo zusammenarbeitet, leitete den Bau eines unprätentiösen Handelsgebäudes, das die schlichten Räume und Linien des alten inoffiziellen Marktes nachahmt, den es erweitert.

Houndégla erklärte, wie öffentliche Räume – „Außenflächen für den allgemeinen Gebrauch“ wie er die Bedeutung dieses Begriffs in Afrika erklärt – in vielen afrikanischen Städten verwahrlosen, obwohl gerade sie oftmals die am stärksten benutzten Plätze sind. Sie instand zu setzen ist üblicherweise ein enormes Unterfangen. Houndégla, der mit der französischen Agentur für Design und Entwicklung Liaisons urbaines zusammenarbeitet, hat ein ortsspezifisches Verfahren weiterentwickelt, das sowohl günstig als auch schnell ist. Der Schlüssel sei Zusammenarbeit, erklärte er, seine Projekte seien für Anregungen von lokalen Maurern und Steinmetzen ebenso offen wie für die von Architekten und Möbeldesignern.

Schlichtheit war zwar ein wichtiges Konzept, aber dennoch nicht das einzige Thema, das beim Kongress zur Sprache kam. Menschliche Würde und die Notwendigkeit, die afrikanische Debatte über Architektur und die bebaute Umwelt zu klären, erwiesen sich ebenfalls als Schlüsselthemen. Edgar Pieterse, Direktor des African Centre for Cities an der Universität von Kapstadt, unterstrich in seiner Rede bei der Eröffnung der UIA 2014, wie wichtig es sei, dass afrikanische Architekten die Agenda für den Übergang des Kontinents bestimmen. Die UIA 2014, sagte er, biete ein Forum, um „zu klären, wie das globale und interkontinentale Gespräch geführt werden sollte, aber auch, welche Prioritäten wir als Südafrikaner und Afrikaner während des Übergangs in den nächsten zwei, drei Jahrzehnten setzen.“

Das Goethe-Institut sah darin eine Gelegenheit, zu dieser beginnenden Debatte beizutragen, und veranstaltete kurz vor dem UIA-Kongress eine zweitägige Klausurtagung mit Architekten aus ganz Afrika. Unter den Teilnehmern waren Naeem Biviji (Kenia), Issa Diabaté (Elfenbeinküste), Koku Konu (Nigeria), Jean-Jacques Kotto (Kamerun), Lesley Lokko (Ghana/SA), Bisrat Kifle (Äthiopien) und Doung Anwar Jahangeer (Mauritius/SA). Der Fokus der Tagung lag auf einer Architekturausstellung zum Thema Afrika, die 2016 im Architekturmuseum der TU München gezeigt wird, dessen Direktor Andres Lepik ebenfalls am Workshop und an der Diskussion teilnahm. Zweck des Prozesses war es, Protagonisten und Themen für diese von Afrikanern gestaltete Ausstellung zu bestimmen.

Biviji beteiligte sich an diesem Prozess mit vielen engagierten Beiträgen. Geboren und aufgewachsen in Nairobi, studierte Biviji in Edinburgh Architektur. Nach einer weiteren Auszeit in Indien, wo er sein Pensum an „üblicher Büroarbeit“ in einem Architekturbüro in Ahmadabad abarbeitete, befasste er sich in England auf dem Land (Northumberland) mit der Imkerei und kehrte später mit der Idee, es dort als professionelle Tätigkeit zu etablieren, nach Kenia zurück. Seine Idee verfing nicht, darum gründete er das Studio Propolis, eine Designwerkstatt mit Rundumservice.

Das Studio, das seinen Namen vom harzigen Bindemittel hat, das Bienen zum Abdichten und Versiegeln ihrer Honigwaben produzieren, entwirft Inneneinrichtung und entwickelt maßgeschneiderte architektonische Lösungen. Bei einem seiner aktuellen Projekte geht es um Design und Fabrikation von Türen und Kirchenbänken für eine katholische Kathedrale in Kericho, einer Stadt im Hochland. Das Studio Propolis ist klein, selbst für afrikanische Begriffe: Die einzigen beiden Angestellten sind Biviji und seine Frau Bethan Rayner.
„So eng in einer Studioumgebung zu arbeiten hat mir mehr und mehr klargemacht, dass viele der Spiele, die Architekten spielen, sehr formalistisch sind“, sagte Biviji während einer Pause zwischen den Vorträgen auf dem Kongress UIA 2014. Er erklärte genauer, inwiefern Langsamkeit ein wesentlicher Teil der Methode des Studios ist. „Man muss mit den Objekten, die man macht, leben und wirklich verstehen, wie sie auf Menschen in einem Raum wirken. Es geht um Verständnis in einem sehr intimen Rahmen. Dabei wird man zutiefst demütig.“

Bivijis Begeisterung über seine Teilnahme an der UIA 2014 war offensichtlich und ebenso groß war die von Jean-Jacques Kotto. Kotto, der Mitglied der Delegation des Goethe-Instituts war, spricht mit starkem französischen Akzent. Er ist leitender Direktor der Higher Special School of Architecture von Kamerun, der ersten Universität für Architektur dieses zentralafrikanischen Staates. Die Universität in Privatbesitz in Yaoundé eröffnete 2010 mit einem Unterrichtsraum und man prophezeite ihr ein baldiges Ende. Jetzt rühmt sie sich fünf Unterrichtsräume und einer Fakultät von Gastdozenten, die meisten französische Architekturprofessoren. Ein solides Curriculum zu etablieren bliebe eine der größten Schwierigkeiten der Schule, sagte er.

Kotto nimmt seit zwei Jahrzehnten an Kongressen der UIA an wechselnden Orten teil. Er wies Vorwürfe zurück, dass die Veranstaltung, die 900 Studenten anlockte und ein reges wissenschaftliches Programm von Parallelgesprächen einschloss, vorwiegend auf akademische Architekten zugeschnitten gewesen sei. Er betonte, dass es dabei um berufliche Praxis gehe, und fügte hinzu, dass der Kongress eine Gelegenheit sei, die Verständigung unter Architekten zu fördern. „Es ist ein Forum, wo über die Lage der Architekten überall gesprochen werden kann", erklärte er. Kotto freute sich auch über die Entscheidung der UIA, erstmals einen Kongress in einer Stadt südlich der Sahara abzuhalten. „Manchmal verstehen Menschen die Realitäten unseres Kontinents nicht, die Realitäten dort, wo wir arbeiten“, bemerkte er und sagte, er und die anderen afrikanischen Architekten hätten Durbans Bewerbung als Gastgeber des Kongresses unterstützt. Was auf ein anderes Schlüsselthema des Kongresses hinweist: Zusammenarbeit.