Picture Perfect Peter Magubane über sein ikonisches Werk

 Europeans Only, 1956. © Peter Magubane
© Peter Magubane

Peter Magubane spricht mit Percy Mabandu über den Tag vor 58 Jahren, an dem er dieses berühmte und aufrüttelnde Foto schoss. 

Im Sommer 1956 begann Peter Magubane eine fotografische Laufbahn, die ihn zu einem der Meister seines Fachs in Südafrika gemacht hat. Er war gerade 24 geworden und wollte sich beim legendären Drum Magazin einen Namen machen. So fuhr er durch die Stadt und lief durch die Straßen, auf der Suche nach einem guten Foto um die Redakteure zu beeindrucken. Auf diese Weise kam sein berühmtes Bild Nur Europäer zustande. Magubane erzählt: “Ich fuhr auf der Oxford Road. Es war kein Auftrag, aber ich schaute mich nach Fotos mit menschlichem Aspekt um … dann sah ich das Kindermädchen mit dem Kind und hielt das Auto an.” Magubane sagt, er hob die Kamera an und schoss das Bild. “Ich fragte nicht nach Erlaubnis. Ich hätte mich nur entschuldigt, wenn eine der fotografierten Personen einen Einwand erhoben hätte. Erst nachdem ich das Bild gemacht hatte, lief ich zu der Frau und fragte: ‚Arbeiten Sie bei diesen Leuten?‘ Sie sagte ja und ich ging.”

Menschlicher Aspekt

Nur Europäer wurde zum oft gedruckten Foto, das die bizarre und doch häusliche Natur der Apartheid zeigte. Das Bild fängt die unausgesprochene Menschlichkeit derjenigen ein, für die das unterdrückerische System, das mehr als 40 Jahre andauerte, zum alltäglichen Erleben gehörte. Nach Gesetz durfte die schwarze Frau einzig auf der nicht-weißen Seite der Bank sitzen. Dies ist hinter dem Kind, das auf der mit Nur Europäer markierten Seite sitzt. Die Fürsorge und Zuneigung ist im Blick des Kindermädchens spürbar. Nur das Kind schaut in Magubanes Kameralinse.

Der ehrgeizige junge Fotograf fuhr zurück zum Newsroom von Drum wo er dem nicht weniger berühmten Bildredakteur Jürgen Schadeberg sein Foto zeigte. Magubanes Ausbeute war der Gewinn von Drums monatlichem Preis (£80, zum heutigen Wechselkurs 1459 Rand) für das beste Foto in der Kategorie „menschlicher Aspekt“.

Entschuldige Boss

An einem heißen Sommertag 58 Jahre später sitzt der heute 82-jährige Magubane in seinem Haus und teilt seine Erinnerungen als Fotograf zum Höhepunkt der Apartheid. Sein Zuhause im alten hippen Stadtteil Melville ist eine Schatztruhe – seine Sammlung reicht von antiken Möbeln bis hin zu klassischen Autos. Er spricht in kurzen Sätzen, betont durch keuchende Atemzüge –  ein Zeichen seiner schwindenden Gesundheit. Magubanes Arbeit brachte ihn oft in Schwierigkeiten mit dem Apartheidsstaat. In den frühen 70er-Jahren verbrachte er über ein Jahr in Einzelhaft. Doch die Realität dieser harten Zeit schreckte ihn nie ab. Er sagt: “Die Apartheid kümmerte mich nicht. Meine Arbeit als lernender Fotograf stand an erster Stelle. Ich wäre für ein Bild gestorben. Ich erinnere mich, als ich zum Parlament ging und den Premierminister sah. Ich erinnere mich nicht, ob DF Malan oder Hendrik Verwoerd in einem der Büros saß  – ich lief einfach hinein und schoss das Bild. Er sprang auf und fragte: ‘Was tust du?’ Ich sagte, ‘Sorry my baas’ (Entschuldige Boss) und lief weg.”

Wir lachen und wenden uns anderen Gesprächsthemen zu.
 

Nur Europäer und weitere Fotos von Peter Magubane sind in der Ausstellung The Rise and Fall of Apartheid: Photography and the Bureaucracy of Everyday Life im Museum Africa in Johannesburg zu sehen. Diese preisgekrönte Ausstellung fällt mit dem 20-jährigen Jubiläum der südafrikanischen Demokratie zusammen. Organisiert vom International Center of Photography und kuratiert von Okwui Enwezor, zusammen mit Rory Bester, bietet die Ausstellung einen beispiellosen und umfassenden historischen Rückblick auf die bildliche Reaktion auf die Apartheid. Das Goethe-Institut Südafrika ist einer der Partner der Ausstellung.

The Rise and Fall of Apartheid: Photography and the Bureaucracy of Everyday Life
13.02.2014 – 29.06.2014 im Museum Africa, Newtown, Johannesburg

Magubanes Einzelausstellung A Struggle without Documentation is no Struggle, eine Retrospektive seiner Arbeit, war vom 18.02. bis zum 13.03.2014 in der Kunstgalerie der Absa Bank in Johannesburg zu sehen.