5 Fragen an Ingid LaFleur

Ingid LaFleur
Ingid LaFleur | © photo supplied by Ingrid LaFleur

Ingrid LaFleur, Kuratorin der Ausstellung Where Paradise Grows, die am 10. Juli 2014 bei GoetheonMain eröffnet, sprach mit uns über Parallelen zwischen ihrer Heimatstadt Detroit und Johannesburg, über nicht einheimische Pflanzenarten und mehr.

Ingrid LaFleur, willkommen in Johannesburg. Sie sind aus Detroit, wo sie auch recherchiert haben für Ihre Ausstellung “Where Paradise Grows”, die am 10. Juli 2014 bei GoetheonMain eröffnet. Was haben Detroit und Johannesburg gemeinsam?

Beide Städte sind mehrheitlich Schwarz und durchlaufen eine rasante urbane Erneuerung. Detroit und Johannesburg haben sich aufgrund von Rassenspannungen verwandelt und in der Folge sind Unternehmen und Investoren aus dem Stadtzentrum in „sicherere“ Gegenden abgewandert. Und nicht zuletzt ist House-Musik in beiden Städten sehr beliebt.

Was wird das Publikum in “Where Paradise Grows” sehen und erleben?

Where Paradise Grows ist eine Multimedia-Ausstellung die die Einflüsse und Ideen hinter dem fortlaufenden Projekt und der vom Künstlerkollektiv Complex Movements geschaffenen Science-Fiction Parabel Beware of the Dandelions skizziert. Anhand der Parabel untersuchen die Künstler die Beziehung zwischen komplexer Wissenschaft und Bewegungen für soziale Gerechtigkeit. Drucke zeigen die aus der Wissenschaft genutzten Beispiele als auch Anführer von Gruppen für soziale Gerechtigkeit, nach deren Vorbild die Charaktere in der Parabel geschaffen wurden. Üblicherweise spielt das Künstlerkollektiv für das Publikum, doch leider konnten sie nicht nach Johannesburg kommen. Wir werden von ihnen produzierte Musik der Hip-Hop/J Dilla-Tradition spielen. Zudem gibt es eine Videoinstallation, die die Welt zeigt, die für die Parabel geschaffen wird. Complex Movements erforscht neue Theorien, um die Welt zu verändern. Das Publikum wird dazu aufgerufen, innovative Praktiken zu teilen, die in ihren jeweiligen Gemeinden eingeführt worden sind. Die Beiträge werden spatter in das Werk des Künstlerkollektivs integriert.

Zeitgenössische Kolonisierung, Gentrifkation, nicht einheimische Pflanzen – wie spielt das in Ihrer Ausstellung alles zusammen?

In Detroit ist die Privatisierung öffentlichen Raums zu einem bedauerlichen Trend geworden. Wenn wir von dieser Art aggressiver Veränderung sprechen beziehen wir uns auf zeitgenössische Kolonisierung. Um zeitgenössische Kolonisierung handelt es sich, wenn Respektlosigkeit und Missachtung der Anwohner einer Gegend offensichtlich ist, weil sie als unerwünschtangesehen werden und folglich keinen Wert bieten - wirtschaftlich, sozial oder kulturell. Diese Anwohner sind dann gezwungen, ihr Heim zu verlassen und Platz zu machen für neue Bauprojekte, die dann von Leuten besetzt werden, die als wertvoll betrachtet werden; sprich, deren Einkommen und oft Ästhetik als für die Gegend passend erachtet werden.

Ich habe die Ausstellung Where Paradise Grows genannt mit Bezug auf den nicht einheimischen asiatischen Paradiesbaum, der sich in Detroit ausgebreitet hat. Der Paradiesbaum dient als Symbol für die zeitgenössische Kolonisierung, die in Detroit ziemlich verbreitet ist. Ich spiele ebenfalls mit der Idee, dass eine Stadt, die als Dystopie gesehen wird, ein “Paradies” hervorbringen könnte. Hier liegt der komplexe Widerspruch, den Detroit so vollständig verkörpert.

Complex Movements haben eine post-apokalyptische Szenerie gewählt, um neue Theorien für sozialen Wandel zu erforschen. Denken Sie, in der realen Welt gibt es keinen Raum für Experimente?

Zuerst muss ich fragen: was ist die “reale Welt” ? Realität wird von der eigenen Wahrnehmung konstruiert; folglich ist die Welt jeder Person einzigartig und auf bestimmten Erlebnissen basierend. Aufgrund meiner Erfahrung lebe ich bereits in einer post-apokalyptischen Umgebung innerhalb dieser “realen Welt” von der Sie sprechen. Erforschung passiert täglich, sogar außerhalb des kreativen Sektors. Es ist notwendig, um in urbanen Umgebungen wie Johannesburg und Detroit zu überleben.

Sie haben über Afrofuturismus geschrieben. Wie würden Sie Afrofuturismus jemandem beschreiben, der mit dieser Kunstbewegung nicht vertraut ist?

Afrofuturismus ist eine internationale, multidisziplinäre, kulturelle Ästhetik die sich mit der Erfahrung, Identität und Geschichte schwarzer Menschen auseinandersetzt und dabei spekulative Modalitäten wie magischen Realismus, Fantasie, Horror, Science Fiction und Surrealismus nutzt. Afrofuturisten vereinen antike Geschichte, afrikanische Mythologie, Technologie, Biologie, Genetik, afrikanische Kosmologien sowie andere Themen in ihrer Arbeit.
 

Ingrid LaFleur ist Kuratorin und Gründerin von Maison LaFleur. Sie lebt und arbeitet in Detroit.

Where Paradise Grows
10.07. – 03.08.2014, GoetheonMain