ArtsWork Refiguring Women

2012
2012 | Foto: © ArtsWork: Refiguring Women 2012

Wo ist die Stimme afrikanischer Frauen in der Kunstszene heute? Das Goethe-Institut lud 24 afrikanische Frauen aus dem Kunstsektor ein, im Rahmen der ArtsWork-Konferenz die Themen Positionierung, Gender und Identität zu diskutieren. 

N’Goné Fall schreibt in ihrem Artikel Providing a Space of Freedom: Women Artists from Africa: „Bis in die späten 1980er-Jahre wurden Künstlerinnen in Afrika eher als Freizeitkünstler angesehen, die sich mit Kunsthandwerk, Inneneinrichtung, Mode und Haarkunst zu beschäftigen hatten. Von ihnen wurde erwartet, Dinge zu verschönern, und nicht sich mit intellektuellen Theorien auseinander zu setzen. Keine Fragen, keine Provokation. In afrikanischen Gesellschaften wurden Frauen in dieses enge Rollenbild gedrängt und entsprechend nicht als professionelle Künstlerinnen wahrgenommen, die mit ihrer Kunst gesellschaftliche Themen hinterfragten. Dies änderte sich mit einer neuen Generation die in den späten 1990er-Jahren die Szene betrat. Diese Frauen befassten sich in ihrem Kunstschaffen mit Rasse, Geschlecht, Macht, Gewalt, Postkolonialismus und Demokratie. Sie nahmen die Herausforderung an, die Gesellschaft kritisch zu betrachten. Doch wie fügen sich diese Künstlerinnen in die Gesellschaft ein, und wie beziehen sie sich als Frauen aus Afrika auf die Welt?”

Geschlechterrollen und Körperidentität neu betrachtet

Passend zum Thema Körperidentität eröffnete die gefeierte südafrikanische Fotografin Zanele Muholi ihre Ausstellung Phases and Faces am Goethe-Institut, eine Serie von Porträts schwarzer Homosexueller (insbesondere Lesben) in der südafrikanischen Gesellschaft. Die Ausstellung war im Rahmen der dOCUMENTA(13) in Kassel und Oldenburg gezeigt worden und kehrte nun nach Südafrika zurück. Der Betrachter ist dazu eingeladen Fragen aufzuwerfen wie etwa: Wie sieht eine afrikanische Lesbe aus? Gibt es eine lesbische Ästhetik oder drücken wir unser auf Geschlecht, Rasse und Klasse reduziertes Selbst auf eine vielfältige und verschiedene Weise aus?

Großer Bedarf an Kunsterziehung, Mentoring und Sichtbarkeit im Markt

Im Verlauf des Workshops wurde eines klar: Künstlerinnen aus Afrika haben vor allem mit dem Problem des Mangels zu kämpfen – Mangel an Kunsterziehung, Mentoring, Präsenz im Markt sowie akademischer Forschung. Die Teilnehmerinnen N’Goné Fall und Jacqueline Karuti waren sich einig, dass diese Themen im Workshop offen diskutiert wurden. Jacqueline Karuti, bildende Künstlerin aus Nairobi und jüngste Teilnehmerin, war vom offenen Gesprächsklima positiv überrascht und bezweifelt, dass Themen wie Gender und Sexualität in ihrem Heimatland Kenia in dieser Form diskutiert worden wären.

Wertvoller Erfahrungsaustausch

Für junge Künstlerinnen wie Jacqueline Karuti ist ArtsWork eine willkommene Gelegenheit, von erfahrenen Kolleginnen zu lernen und dabei auch noch wertvolle Kontakte zu knüpfen. Die ehemalige Architektin und jetzige Kuratorin N’Goné Fall glaubt, dass Kunst einen Beitrag zu gesellschaftlichem Wandel leisten kann – vorausgesetzt, sie wird nicht als reine Dekoration verstanden, sondern als Mittel zum sozialen Wandel. Angeregt durch ArtsWork will N’Goné vorherige Generationen weiblicher Künstler recherchieren, um sie sichtbar zu machen und ihnen Tribut zu zollen.
 

Dieser Artikel entstand anlässlich des Workshops ArtsWork 2012: Refiguring Women, einer Initiative des Goethe-Instituts in Johannesburg. Das Format reflektiert die Rolle von Künstlerinnen aus Afrika, deren Räume und künstlerische Praxis, sowie Genderfragen. Vor allem aber ist es eine Plattform zum Netzwerken und Austausch.

2011 fand ArtsWork erstmals statt, unter dem Thema Frauen im Film.

ArtsWork 2012: Refiguring Women fokussierte das Thema afrikanische Frauen in der Kunst aus drei Perspektiven: Positionierung, die Rolle von Frauen in der bildenden Kunst; der Körper, aktuelle Spannungen bezüglich der Darstellung des weiblichen Körpers in der Kunst; und Transidentität, eine Auseinandersetzung mit transformativen Ansätzen in Feminismus und Gender-Konzepten.

In Zusammenarbeit mit Nontobeko Ntombela und Jabu Pereira wurden Ende November 2012 eine Reihe von Gesprächen, Diskussionsforen, Präsentationen und Networking Events mit einer Gruppe von 24 Frauen in der bildenden Kunst aus verschiedenen afrikanischen Ländern, der Diaspora, und Deutschland durchgeführt.