Kusbarra
Zuckerrohr wird als ein resonantes Archiv verstanden, das sich über einen langen zeitlichen Kontinuum erstreckt – von alten Ernährungstraditionen, medizinischen Anwendungen und rituellen Praktiken bis hin zu zeitgenössischen Formen industrieller Landwirtschaft und Monokultur. Tief verflochten mit Kolonialismus, Sklaverei, Migration und globalem Handel, trägt Zuckerrohr zugleich Traditionen des Gesangs, der gemeinschaftlichen Arbeit, des Kochens und des geteilten Wissens. Die Forschung hält diese Spannungen zusammen und widmet sich dem, was fortbesteht, was ausgelöscht wird und was durch kollektive Praxis reaktiviert wird.
Methodologisch spiegelt das Projekt die kollektive und zeitabhängige Natur des Zuckerrohranbaus selbst wider. Die Forschung entfaltet sich durch Archivarbeit, ortsbezogene Untersuchungen, Feldforschung, Kochen, Zuhören und Gespräche, mit einem Fokus auf Durban und KwaZulu-Natal als Orte, an denen südafrikanische Zuckerhistorien in Dialog mit ägyptischen Kontexten treten. Diese Forschungszeit umfasst Ortsbesuche, Archivgrabungen sowie Gespräche mit Historikerinnen, öffentlichen Intellektuellen, Heilerinnen und Landwirt*innen.
In all seinen Ausdrucksformen bringt das Projekt Poesie, beauftragte Texte, Karten, Spiele und Archivmaterialien zusammen und aktiviert Lesen, Sprechen und Zuhören als kollektive Handlungen. Anstatt eine einzige Erzählung zu produzieren, kultiviert Sugarcane Continuum: Between Egypt and South Africa eine gemeinsame Forschungsökologie, die in Verkörperung, Kollektivität und Fürsorge wurzelt und Zuckerrohr als Medium vorschlägt, durch das alternative Methodologien und landbasiertes Wissen neu imaginiert werden können.
The Kusbarra Collective
Das Kusbarra Collective ist ein Kollektiv von Mariam Boctor und Nour Kamel, das experimentelle Kooperationen, Koch-, Schreib- und Forschungsprojekte organisiert. Zu ihren Interessengebieten zählen Ernährung, unser Körper, Ökologie, Land, Kulturerbe und alternative Wissenssysteme. Gemeinsam haben sie mehrere Schreibworkshops und anschließende Publikationen ins Leben gerufen und moderiert, darunter „The Taste of Letters / طعم الحروف” und „Our Bodies Breathe Underwater / أجسادنا تتنفس تحت الماء” beim Contemporary Image Collective sowie einen Kurs (Vocabularies of Grief) am Cairo Institute of Liberal Arts and Sciences. Das neueste Projekt des Kusbarra Collective, Mukawen (Zutat), ist eine Ode an das Kochen und Bewirten in Gemeinschaft mit anderen. Im Jahr 2025 nahmen Boctor und Kamel am kuratorischen Teil der Àsìkò Art School teil.