5 Fragen an Thabiso Pule

In seiner neuen Multimedia-Performance befasst sich der Choreograf Thabiso Pule mit den Veränderungen innerhalb des Ökosystems in Johannesburg. Sein Fazit: „Unsere Umwelt ist diversen Attacken zum Opfer gefallen.“

Thabiso Pule Teaser Thabiso Pule © Goethe-Institut/Thami Manekehla Ihre Multmedia-Performance, die Sie bei GoetheonMain im Rahmen des Dance Umbrella Festivals zeigen, befasst sich damit, wie der Mensch in das Ökosystem Johannesburgs eingegriffen hat. Mit anderen Worten: Es geht um Verschmutzung, Dreck, Vergiftung und Müll. Wie sind Sie auf diese Problematik aufmerksam geworden?
Thabiso Pule: Ich erinnere mich noch, dass ich als Schüler immer „Captain Planet“ im Fernsehen angeschaut habe, eine Zeichentrickserie zum Thema Umwelt (lacht). Das war ein Typ, der immer die Welt gerettet hat, und so wie er wollte ich auch immer sein.

Sie hatten 2014 bei Livearts in New York City eine Residenz, wo Sie Ihre Performance „What The Hell Happened To This Place??“ erarbeitet und auf der berühmten Brooklyn Bridge aufgeführt haben. Können Sie uns Näheres über die Entstehung dieses Stücks erzählen?
TP: Meine Residenz wurde von „Suitcase Funds“ finanziert, einer Abteilung von New York Livearts, die mit dem Movement Research Festival zusammenarbeitet. Man hat mich und meinen langjährigen Partner Thami Hector Manekehla nach New York eingeladen, um dort als Artists-in-Residency zu arbeiten.

Die Performance ist schon vor langer Zeit entstanden. Ich sage den Leuten immer: „Ein Künstler ist wie ein Baby, er ist neugierig auf alles” (lacht).

Bei meinen Reisen ins Ausland war ich immer neugierig, andere Orte kennenzulernen, und irgendwann habe ich begonnen, über Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Johannesburg und anderen Städten nachzudenken. Johannesburg war stets dreckig – keine Stadt, in der man sich gerne lange aufhält oder Geschäfte macht. Aus dieser Neugier heraus ist meine Liebe zu der natürlichen Umgebung einer Stadt entstanden. In den Städten, die ich besucht habe, haben die meisten Menschen die Gegend per Fahrrad erkundet.

Der Ursprung meines Interesses für dieses Thema liegt im Jahr 2008. Damals reiste ich in der ganzen Welt herum und habe gesehen, wie man in verschiedenen Städten die Umwelt mit modernen Technologien sauber hält. Paris war lange Zeit etwa gar kein schöner Ort, aber heute gibt es hier überall, Bäume, Seen und Parks. Die Luft ist rein und man sieht zahlreiche Elektroautos. In Genf in der Schweiz fand ich die frische Luft besonders beeindruckend. Und in Amsterdam gibt es mehr Fahrräder als in New York, obwohl beide Städte ausgewiesene Radwege haben.

Ich verstehe nicht, warum die südafrikanische Umweltbehörde keine rigoroseren Umweltrichtlinien durchsetzt und Initiativen unterstützt, die den Menschen zeigen, was man tatsächlich bewirken kann! Darum habe ich drei Projekte entwickelt: Das erste war „Can Do It“ (2011), eine Zusammenarbeit mit zwei Tänzern, Thami Hector Manekehla und Sifiso Seleme, die vom Goethe-Institut Südafrika unterstützt wurde. Das zweite war das „Greenway Festival” in Soweto; für das wir immer noch Fördermittel sammeln. An dritter Stelle steht das Projekt „What The Tell Happened To This Place??”, eine zweiteilige Serie mit Elementen aus Tanz, Performance und Multimedia-Installationen, die am 28. Februar 2015 bei GoetheonMain gezeigt wird. Die zweite Phase dieses Projekts ist ein Dokumentarfilm, der durch Fracking in der südafrikanischen Halbwüstenlandschaft Karoo inspiriert wurde.

Sie sind in Johannesburg geboren und aufgewachsen. Wenn Sie Johannesburg mit New York City vergleichen, wie steht es Ihrer Erfahrung nach dort um Umweltbewusstsein und Lebensqualität in den Innenstädten?
TP: Ich glaube, wir haben da unterschiedliche Richtlinien, da unsere Regierungen ja auch ganz unterschiedlich sind. Darum kann man die beiden Städte eigentlich gar nicht vergleichen. Beide Städte sind ganz anders aufgebaut, z. B. in Sachen Wirtschaft. In New York ist die Infrastruktur einfach besser, es gibt Parks und funktionierende Technologien. Dort setzt man auf Umweltkampagnen wie City-Camping in geschützten Zonen, z.B. in botanischen Gärten. In Privathaushalten trennt man seinen Müll und recycelt ihn, von Papier über Flaschen bis hin zu Dosen. In Soweto haben wir Abraumhalden und kleine Parks in der Stadt. Unsere Demokratie ist erst 21 Jahre alt und steckt noch in den Kinderschuhen. Unser Bildungssystem hinkt in Fächern wie Mathematik und Naturwissenschaften außerdem anderen Ländern immer noch hinterher.
 
Sie sind mit viel Leidenschaft bei der Sache, wenn es darum geht, auf bedrohte Ökosysteme in Großstädten, besonders in Ihrer Heimat Johannesburg aufmerksam zu machen. Glauben Sie, diesem Thema sollte auf Stadt-, Provinz- oder gar nationaler Ebene mehr Bedeutung zugemessen werden? Und wie kann der einzelne Bürger sich hier engagieren?
TP: Zunächst einmal glaube ich, dass nicht nur die Regierung, sondern jeder Einzelne etwas tun kann. Es wäre zum Beispiel ein Anfang, die Gesetze zu ändern, so dass Umweltverschmutzung strafbar wird.

Man könnte auch Umweltunterricht in Schulen in sämtlichen Klassenstufen einführen oder dort sogar Umweltbotschafter ernennen. Diese könnten wichtige Schlüsselpersonen sein, um ein Umdenken in Gang zu bringen.

Die Umweltbehörde muss endlich ihren Job machen! Jeder einzelne kann ganz einfache Dinge zuhause umsetzen, etwa Recycling, Mülltrennung, Dinge mehrmals verwenden oder den Stromverbrauch reduzieren. Es wäre schön, wenn noch mehr Veranstaltungen die tatsächlichen Folgen unseres Verhaltens auf die Umwelt thematisieren würden. Ich bezeichne so etwas übrigens als „Eco-Entertainment”.

Was erwartet den Zuschauer bei „What The Hell Happened To This Place??” bei GoetheonMain?
TP: Ich nehme das Publikum mit auf eine dreiteilige Reise. Der erste Teil besteht aus einer Performance, danach zeigen wir Bilder einer grünen Stadtumgebung, und zum Schluss sieht das Publikum einen Schauspieler, der als Arzt die Welt rettet. Es wäre schön, wenn die Menschen danach nach Hause gehen und beschließen würden, mehr für die Umwelt zu tun.

 

Der Tänzer und Choreograf Thabiso Heccius Pule wurde in Soweto geboren und lebt in Johannesburg. Mit seiner Performance-Arbeit möchte er dem Publikum das Problem der globalen Erderwärmung und deren Folgen näherbringen.

Seine Multimedia-Performance „What The Hell Happened To This Place??” wurde im Rahmen des Dance Umbrella Festivals 2015 aufgeführt und vom Goethe-Institut Südafrika unterstützt.