5 Fragen an Jay Pather

Jay Pather
© Adrienne van Eeden-Wharton

Jay Pather, Dozent an der UCT und Kurator des öffentlichen Kunstfestivals „Infecting The City” in Kapstadt, spricht mit uns über die utopische Stadt und ein fiktionales Mittagessen mit dem Bürgermeister von Johannesburg. Pather ist Diskussionsteilnehmer bei der öffentlichen Gesprächsrunde „Urban Places - Public Spaces” zum Thema „Die globale Stadt”.

Wir freuen uns, dass Sie bei der öffentlichen Gesprächsrunde Urban Places - Public Spaces dabei sind. Bei der Live-Video-Diskussion tauschen sich am 26. April 2015 Experten aus Johannesburg, München, Rotterdam, Madrid, New York, Istanbul und Sao Paulo aus.

Welchen Stellenwert haben die darstellende Kunst und das Tanztheater vor dem Hintergrund des Städtewandels?
Jay Pather: Die darstellende Kunst, vor allem der Tanz, symbolisiert Bewegung und ist veränderbar wie Quecksilber. Er ist der Inbegriff von Transformation, sich verändernden Räumen, verändertem Zeitempfinden. Dieser Bereich der Kunst ist ein besonders kraftvolles Mittel, um Dinge neu mit Leben zu füllen, zur Schau zu stellen, versteckte Bedeutungen aufzudecken und sie mit anderen Augen zu betrachten. Der bewegte Körper kann den Beton quasi zum Leben erwecken, und durch Tanz können starke Raumbeziehungen entstehen, indem etwa die Architektur hervorgehoben wird und damit ansonsten eine kaum wahrgenommene bzw. statische Ästhetik ihre Wirkung entfalten kann. Durch eine Performance wird auch oft ein Raum in einer erfrischend neuen und anderen Perspektive wahrgenommen. Tanz und Performance sind zeitlich begrenzt, darum unterbrechen sie bestehende Strukturen, setzen einen Endpunkt und hinterlassen Spuren. Kurz, diese Sparte ist vielseitig einsetzbar und von großer Bedeutung.

Beim Thema Städtewandel ist es natürlich sehr wichtig, verschiedene Bevölkerungsgruppen zur Verantwortung zu ziehen. Großstädte wurden bislang oftmals als homogene Orte beschrieben, die von einigen wenigen Mächtigen kontrolliert werden. Ziel meiner mit ganz unterschiedlichen Mitteln realisierten Tanz- und Performancedarbietungen ist es, diese Annahme stets kritisch zu hinterfragen. Im Rahmen des Infecting the City Festivalprogramms wurde im Bahnhof von Kapstadt auch eine Aufführung des Jazzart Dance Theatre gezeigt. Ich konnte beobachten, wie die Reisenden plötzlich innehielten, um diesen zeitgenössischen Bewegungsformen zu folgen, die mit alten Nama Rhythmen, eines traditionellen Tanzes der Nordkap-Provinz, untermalt waren. Innerhalb eines sehr unpersönlichen Raumes waren die Menschen plötzlich veranlasst, die Stadt nicht, wie sonst üblich, schnell zu verlassen (wie es die Stadt sonst von ihrer Arbeiterklasse erwartet), sondern einen Moment innezuhalten und zu spüren, dass sie mehr sind als nur ein nützliches Mitglied der Gesellschaft.

Es besteht die Gefahr, dass einige Künstler die Stadt als bloße Kulisse nutzen, als „Theater”, also als etwas, das sie eigentlich gar nicht sein soll. Sobald der Performancekünstler jedoch nicht nur die Theateraufführung in den öffentlichen Raum verlegt, sondern auch unterschiedliche Zuschauergruppen anspricht und diese in die Aufführung integriert, kann dies sehr spannende und bewegende Momente erzeugen. Kunst im öffentlichen Raum kann aufklären, die Sinne herausfordern und Entfremdung entgegenwirken; sie kann das Gemeinschaftsgefühl stärken, schafft Präsenz und Freude.

Aufführungen im öffentlichen Raum nehmen einen immer wichtigeren Stellenwert ein, allerdings befassen sich viele Künstler viel zu wenig mit deren eigentlicher Bedeutung. Das Experimentieren mit dem Neuem, das vonzeitgenössischen Arbeiten verlangt wird, auf der einen und die Gefahr einer Entfremdung des Publikums auf der anderen Seite liegen hier sehr eng beieinander. Man muss die Grenzen immer wieder austesten, denn in den sich stets wandelnden Städten gibt es kein homogenes Publikum, sondern ständig ein neues. Egal, welche guten Absichten sie auch verfolgen, viele Konzeptkünstler wollen einfach nicht zugeben, dass sie ihre Zielgruppe manchmal nicht erreichen. Es kommt auch vor, dass der Künstler vor einer Gruppe von eigens versammelten Bekannten agiert und Passanten oder Bewohner ungewollt als Kulisse dienen und zu Mitspielern werden. Es ist immer gut, das Publikum teilhaben zu lassen - wenn jemand jedoch zum Akteur wird, ohne sich dessen bewusst zu sein, ist das nicht mehr fair und sogar kontraproduktiv.

Wir müssen uns also auch kritisch mit diesen Aspekten beschäftigen, wenn wir die Möglichkeiten dieser Art der Performance ausloten. Realistisch betrachtet sind Großstädte Orte des Kommerzes, die mit Sicherheit nicht von irgendwelchen Kunstorganisationen und auch nur teilweise von demokratisch gewählten Regierungen und Stadtverwaltungen beherrscht werden. Ein großer Teil der städtischen Identität und ihrer ganzen Komplexität wird bekanntlich immer noch von der großen Geschäftemacherei bestimmt. So entsteht ein merkwürdiger Zwiespalt: Die Kunst soll einerseits die Stadt lebenswerter machen, aber andererseits auch in kommerzieller Hinsicht erfolgreicher. Das Selektieren einer bestimmten Art von Kunst steckt damit quasi in einem ständigen Prozess des Festhaltens an der gegebenen Situation fest. Wir müssen uns also fragen: Was genau soll sich in den Städten eigentlich ändern? Wenn wir ehrlich sind, sind doch viele sogenannte Kunstaktionen nur ein Mittel zur Gentrifizierung und Beschönigung einer Welt, in der die Arbeiterklassen möglichst kleingehalten werden, während einkommensstärkere Schichten (die gerne als Messlatte einer erfolgreichen Stadt herangezogen werden) bereitwillig Unterhaltung vorgesetzt bekommen: Sie sollen sich in ihrem Umfeld wohlfühlen und Geld ausgeben. Dass dies im Gegenzug die Wirtschaft ankurbelt, ist mir dabei durchaus bewusst.

Wenn wir unter Veränderung jedoch verstehen, uns weg von den unpersönlichen Käfigen zu bewegen, die die Städte vielerorts geworden sind oder zumindest so aussehen, dann müssen wir einen Kurswechsel einschlagen. Die Kunst besitzt viel Potential, die Welt zu verändern oder gar zu verzaubern. Gleichzeitig ist sie lehrreich, inkludierend, lässt die Menschen teilhaben und klärt über soziale Themen auf. Die Frage bleibt dabei, inwieweit eine Stadt das alles jedoch überhaupt will. Spirituellen Beistand liefern, ein körperliches Wohlgefühl oder ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen, das alles steht wohl nicht ganz oben auf der Agenda der großen Unternehmen und Städte, die jeden Tag ein Heerschar an Arbeitern beschäftigen. Das könnte sich jedoch ändern, wenn man einsieht, dass die Stadt langfristig von genau diesen Angeboten profitiert. Es ist allerdings ein anstrengender und kostspieliger Weg. Leider gehören die Faktoren Zugehörigkeitsgefühl und Zufriedenheit der Einwohner nicht zu den mir bekannten Indikatoren einer erfolgreichen Stadt. Hier wird dann oft nach der Kunst gerufen, um als kulturelle Touristenattraktion zu fungieren oder jenen ein oberflächliches Gefühl der Freude zu bereiten, die Geld dafür bezahlen – und das ist ganz und gar nicht im Sinne von Utopia.

Welche Rolle also die Kunst spielt, hängt vom Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren ab. Kunst im öffentlichen Raum kann sehr wichtig sein, um Raum für den öffentlichen Austausch zu schaffen, weil sie die Fantasie beflügelt und Visionen heraufbeschwört, wenn sie die Menschen einlädt, sich etwas auszudenken und die Zukunft mitzugestalten. Man sollte der Kunst aber immer auch ihre Fähigkeit zugestehen, als kritische Stimme zu agieren und damit einen Gegenpol zu dem zu liefern, was viele Städte anstreben, nämlich ein pures Abziehbild der bereits existierenden Wirklichkeit, eine Beschönigung des bislang doch sehr begrenzten Erreichten oder ein Mittel des Zusammenhalts und feierlich zur Schau gestellter Vereinigung. Letzteres ist nicht nur stumpfsinnig, sondern auch gefährlich. Künstler haben nur wenige Gelegenheiten, sich zu präsentieren, und einige erliegen einem zunehmend bürgerlichen Diskurs. Ein für Kunst im öffentlichen Raum ausgelegtes Umfeld muss von allen Beteiligten, angefangen von der Stadt über den Produzenten bis hin zum Künstler, gleichsam als Ort der Kritik als auch als Ort des Feierns und des Zusammenhalts betrachtet werden. Nur so kann Kunst auch wirklich etwas bewirken.

Wie definieren Sie den Begriff „öffentlicher Raum”, und wer sollte Zugang dazu haben?
JP: Die Frage hat etwas Widersprüchliches, finden Sie nicht auch? Es ist eine wichtige und relevante Frage, aber es ist doch interessant, dass wir fragen, wer Zugang zu etwas haben sollte, das öffentlich ist. Und wir müssen diese Frage stellen, denn in Südafrika wird der Begriff „öffentlich“ sicherlich fragwürdig gebraucht. Unsere Modelle eines öffentlichen Raums basieren auf der Annahme, dass es ein homogenes Publikum gibt. Dabei ist dieses hochkomplex, heterogen und setzt sich immer wieder neu zusammen.

Dabei ist es doch ganz simpel: Der öffentliche Raum soll sich einfach selbst definieren und für alle da sein. Die Hinweise auf einen Raum geben oftmals Auskunft darüber, wie eine Stadt ihr Publikum definiert. Das ist einer noch so jungen Demokratie wie Südafrika nicht immer ganz klar, wie zahlreiche Diskussionen um das Thema Kunst im öffentlichen Raum gezeigt haben. Nur diese Öffentlichkeit selbst kann ihre eigenen determinierenden Merkmale für sich selbst festlegen.

In unserer Gesellschaft herrscht eine Art Universalität, bei der man annimmt, dass der aktuelle Diskurs die Meinung aller wiederspiegelt. Dabei wird ein solcher Diskurs immer von jenen angestoßen, die über wirtschaftliche und politische Macht und Bildung verfügen. Und diese Leute sind schlau genug, diese Meinung nicht nur als die ihrige zu verkaufen, was oft einen herablassenden und unangebrachten Beigeschmack hat. Dieser Umstand muss immer wieder in Betracht gezogen werden, denn die Homogenität der Zuschauer löst sich mehr und mehr auf. Diejenigen, die den öffentlichen Raum definieren, sollten es diesen Räumen, die sich in der Stadt niederlassen, zugestehen, ein selbstbestimmtes Dasein zu führen. Das ist ein schwieriger Prozess, den es detailliert zu planen gilt. Eine postkoloniale Stadt wie Johannesburg und vor allem Kapstadt ist jahrhundertelang mit Palimpsest beschrieben worden, sprich, mit immer wieder neuen Texten, von denen man sich nun befreien oder sie zumindest umschreiben und anpassen muss. Die Geschäftswelt dieser noch jungen Handelsstädte hat einen weiteren wichtigen Vektor geschaffen, sie wetteifern um spannende, dynamische und höchst kreative Projekte, die nicht nur vor Erfindungsreichtum strotzen, sondern auch sämtliche Bevölkerungsgruppen mit einbeziehen.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden den Bürgermeister von Johannesburg zum Mittagessen treffen und könnten ihm drei Fragen stellen. Welche wären das?
JP: a) Also, über Johannesburg wird ja, wie über Kapstadt auch, gerne als afrikanische Stadt von Weltklasse gesprochen. In den letzten Wochen ist jedoch die Bezeichnung „afrikanische” Stadt in Südafrika immer mehr in Frage gestellt worden. Ich würde gerne mit ihm über die große Armut, die Arbeitslosigkeit, die allgemeine Trägheit und all die vernachlässigten Orte reden, die Kriminalität und fremdenfeindlich motivierte Gewalt hervorgebracht haben. Ich würde ihn fragen, welche Rolle die notwendige Infrastruktur dabei spielt und würde wissen wollen, ob die jüngsten Angriffe auf Ausländer nicht ein Zeichen sind, dass sich, wenn überhaupt, nur oberflächlich etwas geändert hat.

b) Ich würde ihn auch ganz bestimmt fragen, warum man nicht ein Programm entwickelt und finanziell fördert, das einen ständigen Austausch zwischen Kunstorganisationen und öffentlichen Räumen ermöglicht. Außerdem würde ich versuchen, herauszufinden, wie seine Haltung gegenüber der Kreativwirtschaft ist, die in einer postkolonialen Stadt, die einen grundlegenden Wandel bitter nötig hat, für öffentliche Kunstprojekte sowohl sinnvoll als auch gefährlich sein kann.

c) Falls ich bis dahin noch nicht aus dem Empfangszimmer des Bürgermeisters herausgebeten sein sollte, würde ich noch folgendes wissen wollen: Zu welchem Preis ist die Entwicklung eines Kunstviertels wie Maboneng zu haben und inwieweit spielen dabei die Visionen von Anwohnern, Besitzern und Entwicklern eine Rolle? Und wie können innerstädtische Flächen so gestaltet werden, dass sie tagsüber den hier lebenden Menschen Wohnqualität bieten und abends für Bewohner wie Touristen gleichermaßen attraktiv sind?

Ist die ideale Stadt immer eine Utopie, oder glauben Sie, dass man Stadtplanung so gestalten kann, dass sie Bewohnern sämtlicher demografischer Schichten ein lebenswertes Umfeld bietet?
JP: Ich glaube, wir haben keine Wahl. Unsere Gesellschaft besteht nun einmal aus verschiedenen demografischen Schichten. Das ist keine Utopie, sondern eine Notwendigkeit. Es ist doch die Frage, wen oder was wir zu schätzen gelernt haben. Historisch gesehen hat es immer wieder neue Definitionen dessen gegeben, was wir als menschlich betrachten, welche Art von Arbeit wertgeschätzt und verehrt wird. Die ideale Stadt muss so vieles berücksichtigen. Welche öffentlichen Räume entstehen, ist immer eine Folge des bestehenden Wertesystems. Und in Südafrika schätzen wir, wie in vielen anderen Teilen der Welt auch, heimlich immer noch die Wirtschaftsmacht als am wichtigsten ein. Ich finde, das muss man sehen, sonst schwebt man als Künstler nur auf einer Wolke herum.

Der Kulturtheoretiker Ranjit Hoskote hat die Anforderungen an eine utopische Stadt interessant formuliert:
Wenn wir annehmen, dass die Großstädte unserer Welt Persönlichkeiten sind, dann sind die meisten davon heute schizoid. Einerseits streben sie nach dem Komfort und der Kultiviertheit einer internationalen Wirtschaft und Kultur, andererseits stecken Sie mit ihren Bemühungen, lokale Strukturen der Unterdrückung aufrechtzuerhalten, alle unter einer Decke, und so leben die Menschen in den Slums weiter wie Sklaven, sind die Randbezirke von Gewalt geprägt und die innerstädtischen Ghettos isoliert. Ein solcher Wandel verschärft die bereits bestehenden wirtschaftlichen Asymmetrien nur noch und schafft neue kulturelle Unebenheiten, er erzeugt soziale Konflikte und politische Unsicherheit, allesamt eine Gefahr für die Stabilität. Die moderne Stadt ist ebenso die Geisel ihrer vielfältigen Vergangenheit wie sie ihre alternative Zukunft verpfändet hat. (2009)

Diese Schizophrenie zu erkennen, ist vielleicht der Anfang von Utopia. Nelson Mandela hatte so eine ideale Stadt vor Augen, in der die Menschen versöhnt sind und nationale Einheit und Zusammenhalt herrscht. Von dieser Vision haben wir uns jedoch immer weiter entfernt. Wir haben es versäumt, das Notwendige zu tun, auch bei den in den frühen neunziger Jahren unterzeichneten Abkommen. Außerdem orientieren wir uns bei unseren Vorstellungen, wie eine ideale Stadt auszusehen hat, mehr und mehr am globalen Empfinden. Jetzt ist es Zeit, zu überlegen, was wir selbst eigentlich wollen, uns etwa an Arbeiten wie Edgar Pieterses African Centre For Cities zu orientieren und sich seinen darin erwähnten Herausforderungen zu stellen. Diese drängenden Fragen sind auf unserem Kontinent und besonders der südafrikanischen Großstadt mit all ihren Besonderheiten ein allgegenwärtiges Thema. Die letzten Wochen haben klargemacht, dass die gegebene Situation keine Option mehr ist.

Natürlich gibt es viele Ideen zur Utopia-Stadt: ein neues Wirtschaftssystem, die Abschaffung ineffektiver Verwaltungsapparate – alles blauäugige Utopien. Die ideale Stadt ist jedoch nicht statisch. Wir müssen verstehen, dass unsere Städte sich stets im Wandel befinden und endlich das Vorbild werden, das wir immer sein wollten.

Gibt es irgendwo auf der Welt eine Stadt, die als Vorbild für südafrikanische Großstädte dienen könnte?
JP: Keine ganze Stadt als solche. Die Großstädte in Südafrika stehen vor den gleichen Herausforderungen wie viele andere auf diesem Kontinent. Städte in unmittelbarer Nähe wie Lagos, in denen bereits viel passiert ist, sind zum Teil ein gutes Modell. Städte wie Bangkok und Hong Kong zeigen, dass man einerseits Teil der Weltwirtschaft sein kann, ohne seine kulturelle Identität aufgeben zu müssen. Mit Hinblick auf stetigen sozialen Wandel sind diese Städte vor allem für die postkoloniale Stadt ein vernünftiges Vorbild, auch wenn es innerhalb der dortigen Stadtverwaltungen sicherlich noch viele ungelöste Probleme gibt. Man könnte auch Sydney oder Auckland als Muster für lebenswerte und allem Anschein nach utopische Städte sehen, sie können allerdings einer komplexen südafrikanischen Großstadt nicht so einfach als Vorbild dienen bzw. man darf die immer noch ungelösten Probleme in punkto Erinnerungskultur, gemeinsames kulturelles Erbe und Diversität nicht außer Acht lassen.

São Paulo empfinde ich etwa als eine weltoffene Stadt, Havanna ist Vorreiter in Sachen Kunsterziehung und Berlin hat es geschafft, seine schändliche Vergangenheit äußerst aufrichtig in den zeitgenössischen Diskurs zu betten. Eine südafrikanische Großstadt könnte aus all diesen Bemühungen sehr viel lernen.
 

Jay Pather ist Dozent an der University Of Cape Town, Leiter des Gordon Institute For Performing And Creative Arts (GIPCA) und Künstlerischer Leiter des Siwela Sonke Dance Theatre. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen zählen Beiträge in Changing Metropolis ll und Performing Cities. Seine letzten Arbeiten waren Blind Spot für die Metropolis Biennale, Qaphela Caesar in einem alten Börsengebäude im Zentrum Johannesburgs und Rite, eine Neuinterpretation von Stravinskys Le Sacre Du Printemps. Außerdem ist Pather Kurator des Infecting The City Public Art Festivals und des GIPCA Live Art Festivals.

Miriam Daepp conducted the interview with Jay Pather in April 2015