5 Fragen an CUSS Group

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Ravi Govender von der Künstlergruppe CUSS redet über BROWZA, ein Anagramm für "a BRighter tomorrOW ZA” – eine bessere Zukunft für Südafrika. BROWZA ist der Hauptcharakter in der interaktiven Ausstellung “Video Party”.

Die Ausstellung “Video party” zeigt überlagerte Videos, zusammengeschnitten aus Videoclips die die Künstler während ihrer Internetrecherche zum Thema „Darstellung südafrikanischer Identitäten in den letzten zwei Jahrzehnten“ gefunden haben. Ravi Govender, können Sie das Konzept erläutern?

“Video Party” zeigt diesmal nicht nur Videoarbeiten, sondern auch großformatige Collagen, LED-Bildschirme und eine interaktive Videoanimation. Das Hauptwerk mit dem Titel "Live Distillation" ist eine Videocollage die sich auf Konstrukte bezieht, die in der südafrikanischen Medienlandschaft existieren. Wir haben diese Meinungen und Konstrukte hauptsächlich im Internet gefunden; daher wurde diese Thematik wichtig für die Entwicklung der Ausstellung als Gesamtwerk. Die Installation wurde zu einer Mischung aus Branding und zeitgenössischer Kunstproduktion.

Der Hauptcharakter in “Video party” ist BROWZA. Was ist BROWZA und welche Ideen repräsentiert es?

BROWZA ist eine sogenannte G.R.A.P-plikation. Eine G.R.A.P-plikation ist eine Geschlechtslose, Rassenlose, Androide Plug-in Applikation. BROWZA steht für eine optimistische Interpretation Südafrikas, denn der Name ist gleichzeitig ein Anagramm für "a BRighter tomorrOW ZA" – eine bessere Zukunft für Südafrika. Die hervorgehobenen Grossbuchstaben ergeben ausgesprochen BR.OW.ZA. Die Art in der wir das Wort Internet Browser abkürzen ist typisch für Südafrika: der Vorname "Lebogang" zum Beispiel wird oft zu "Lebza." BROWZA kann als Plug-in in Videonetzwerken wie Youtube verwendet werden. Anstatt die Suchergebnisse einzuschränken erweitert das Plug-in BROWZA die Suche und geht einen Schritt weiter, indem es die gefundenen Videos als Collage zusammenfügt. Dies wiederum konditioniert den Betrachter neu auf Dinge, für die er bisher desensibilisiert war. Es geht dabei um soziopolitische Themen, die relevant für Südafrika sind.

In “Video party” geht es unter anderem um “erschaffene Gemeinschaften” wie zum Beispiel online Foren. Was ist das Faszinierende an solchen virtuellen Gemeinschaften?

In der Ausstellung sind Gemeinschaften ein dominierendes Thema, und zwar nicht nur virtuelle Foren, sondern auch Gemeinschaften im Sinne von ideologischen, kulturellen und rassischen Gruppen. In Bezug auf virtuelle Gemeinschaften hat die Präsenz sogenannter "Bots" und "Trolls" sowohl die Ästhetik wie auch das theoretische Konzept von „Video Party“ stark beeinflusst. Die Existenz von “Bots” im Internet ist im Moment eine Art Graubereich; die „Bots“ scheinen nicht "bösartig" zu sein. Oft agieren wir online mit diesen virtuellen Personen; zum Beispiel wenn ein “Bot” eine unserer Twittermeldungen als Favorit markiert. Nach einer Weile verschwinden solche Nutzerprofile wieder. Aus konzeptueller Sicht ist dies interessant weil echte Menschen in sozialen Netzwerken oft ewig weiterleben. Die „Bots” hingegen sind eine Art verfügbares Einkommen, eng verbunden mit Kennzahlen für Internetverkehr auf Webseiten, unter anderem Zugriffszahlen und Absprungraten. „Bots“ schaffen Internetverkehr – eine leicht hämische Referenz zu BROWZA.

Trolls beeinflussen die Verwendung der LED-Bildschirme in der Installation. Sie agieren als konstanter Internetstream aus Nutzerkommentaren und geben der Ausstellung somit den Charakter eines online Forums, direkt verbunden mit der "Live Distillation" und den gedruckten Videoclipcollagen an den Wänden. Trolls existieren in Anonymität und manchmal machen sie rassistische Kommentare in Internetforen. Dieses Phänomen der "Trennungslinien" die in Südafrika bestehen zieht sich als thematischer roter Faden durch die Installation hindurch.

Wie reagieren Ausstellungsbesucher auf die interaktiven Elemente?

Die Interaktivität ist eine simple Interpretation der öffentlichen Ansprache die BROWZA macht. Das gezeigte Werk ist das von BROWZA; es ist verantwortlich für die Darstellung der Situation in Südafrika und wie wir als Nation in die Zukunft schreiten können. Je nachdem, wie viele Ausstellungsbesucher an der Webcam vorbeigehen, spricht BROWZA lauter oder leiser über die am Bildschirm gezeigten Videoclips. Ich habe den Eindruck, das Publikum spielt bei dieser Interaktion gut mit.

Die vier Mitglieder von CUSS haben unterschiedliche künstlerische Ausbildungen. Wie ergänzen sich die verschiedenen Kunstformen, und wie verläuft der Prozess bei der Entwicklung eines neuen Werks?

Jeder von uns ist für einen anderen Teil der Installation verantwortlich. Als Gruppe haben wir uns bisher vor allem in digitalen Medien ausgedrückt. Wir sind eine ästhetisch gut abgerundete Gruppe von Individuen; wir arbeiten gut zusammen weil wir ein gemeinsames Verständnis haben von dem was wir erreichen wollen. Eine kreative Vision und ein Verständnis für die Möglichkeiten sind bei der Konzeptentwicklung wichtig.