5 Fragen an Lard Buurman

Lard Buurman
Lard Buurman | Lard Buurman © Image supplied by the artist

Für seine Ausstellung und Publikation “Africa Junctions” fotografierte der Holländer Lard Buurman 14 Städte in 12 afrikanischen Ländern. Er sprach mit uns über seine Faszination für öffentlichen Stadtraum und über afrikanische Fotografen die er bewundert.

Lard Buurman, woher kommt Ihre Faszination für Stadtentwicklung und öffentlichen Raum?

Ich recherchierte öffentlichen Stadtraum in Europa erstmals für meine Reihe Taking Time. Seit meiner Chinareise im Jahr 2004 hat sich meine Faszination für Stadtentwicklung verstärkt. Ich war erstaunt darüber, wie unterschiedlich man eine Stadt wahrnimmt wenn man sich die Skyline von einem Hochhaus aus anschaut im Gegensatz zum Anblick von Straßenhöhe aus. In China wurde ich erstmals mit dem Einfluss ländlicher Kultur in einem urbanen Kontext konfrontiert. Später brachte much dies nach Afrika, wo das Formale und das Informale verschmelzen und Netzwerke entstehen, die auf den ersten Blick unsichtbar sind. Für mich war das Konzept der afrikanischen Stadt auch im weiteren Sinne unsichtbar, denn wir im Westen betrachten Afrika immer noch als einen ländlichen Kontinent, in dem Kultur immer traditionell und Natur noch unberührt ist.

Sie waren 2009 für eine Residenz bei der Bag Factory in Johannesburg und dann wiederum 2011 im Stadtbezirk Maboneng. Wie hat sich die Stadt seit Ihrem letzten Aufenthalt verändert?

Johannesburg ist ständig in Bewegung. Mein Freund Raymond Marlowe, der 2009 bei der Bag als Assistent arbeitete, lehrte mich, wo im Stadtzentrum ich mich frei bewegen konnte. Er gab mir Ratschläge; zum Beispiel sagte er, ich solle alleine nicht weiter als bis zum Joe Slovo Drive gehen und nicht ins Stadtviertel Hillbrow. Zwei Jahre spatter war ich für eine Residenz bei LiveCollection / MainStreetLive und ich war überrascht, wie sicher es ist, in Maboneng in einem Straßencafé zu sitzen – nicht weit entfernt vom Joe Slovo Drive. Ich hatte den Eindruck, das Stadtzentrum sei ebenfalls weniger gefährlich. Abens scheinen die Strassen belebter zu sein als bei meinem letzten Besuch. Ich muss zugeben, dass meine Einschätzung dieser Veränderungen nicht sehr zuverlässig ist. Heutzutage fürchte ich mich nicht, zu Fuß zur Boxschule von George Khosi in Hillbrow zu gehen. Es ist schwer zu sagen, ob ich es bin oder Hillbrow, das sich so sehr verändert hat. In der Zwischenzeit war ich in vielen Städten in Afrika gewesen: Lagos, Luanda und Nairobi; ich war daher erfahrener und weniger ängstlich. Grundsätzlich denke ich, dass es mit Johannesburg vorwärts geht. Braamfontein verändert sich jedes Mal wenn ich herkomme. Newtown scheint zurzeit ein wenig zurück zu fallen. Den Gandhi Square muss ich mir noch anschauen. Ich bin kein Stadtplaner, aber ich denke, dieser Stadtplatz hat eine Zukunft. Es fühlt sich an, als ob es dort Potenzial für einen Begegnungsort gibt.

Städte in Afrika sind viel informeller als solche in Europa. Das Leben findet auf der Straße statt und öffentlicher und privater Raum vermischen sich oftmals – dies eröffnet Möglichkeiten sowohl für Unternehmertum wie auch für Chaos. Was können Stadtplaner in einer europäischen Stadt wie Amsterdam von einer eher informellen Stadt wie zum Beispiel Lagos lernen?

Ein organisierter Stadtraum bietet viele Vorteile; doch in Europa waren wir in der letzten Dekade zu sehr auf Sicherheit fokussiert. Wir verlieren unsere Flexibilität. Wir erschaffen sichere aber langweilige Räume. Alles ist geplant und wird bald eintönig aussehen. Was wir von Lagos lernen könnten ist, auf die Bedürfnisse der Menschen zu hören, die den öffentlichen Raum nutzen – sie wissen am besten, was sie brauchen. Informalität kann unerwartete Freuden in die Stadt bringen. Menschliche Begegnungen in den Straßen sind wahrscheinlicher. In Städten in Afrika rede ich mit mehr Leuten als in Amsterdam.

Sie sagen, die Fotografien in Africa Junctions hinterfragen die allgemein angenommene Wahrhaftigkeit der Dokumentarfotografie – wieso?

Meine Bilder sind aus duzenden von Fotos zusammengestellt, die alle von demselben Blickwinkel aus aufgenommen wurden. In der Dokumentarfotografie, und insbesondere im Journalismus, ist dies ein Tabu, das ich nicht verstehe. Wir haben alle akzeptiert, dass Fotografie nicht die Wahrheit abbilden kann. Wir wissen, dass Fotos im Nachbearbeitungsprozess manipuliert werden können. Trotzdem sehen es die meisten Medien als Sünde an, mehr als einen Augenblick in einem Bild zu kombinieren, wohingegen Schwarzweißbilder akzeptiert sind. Weshalb?

Welche afrikanischen Fotografen bewundern Sie und weshalb?

Ich bewundere viele afrikanische Fotografen. Einer davon ist George Oshodi aus Lagos, den ich durch sein Werk “Devil's Dexterity”, das sich mit den Gefahren des Straßenverkehrs befasst, kennen gelernt habe. Last Letzten Oktober sah ich Arbeiten des Südafrikaners Sabelo Mlangeni bem Picha Rencontres Festival in Lubumbashi. Seine Bilder von Schwulen und Transsexuellen in Alexandra sind überaus interessant und relevant. Natürlich bewundere ich auch das Werk von Zanele Muholi und ich freue mich auf das neue Buch von Mikhael Subotzky und Patrick Waterhouse über den Ponte Tower in Johannesburg.
 

Der Holländer Lard Buurman studierte an der Royal Academy of Art in Den Haag Fotografie. In seiner Arbeit war der öffentliche Raum schon immer prominent. Indem er mehrere Aufnahmen die alle vom gleichen Blickwinkel aus aufgenommen wurden zu einem Foto kombiniert, hat er einen Hybrid aus Dokumentarfotografie und gestellten Bildern geschaffen. Buurman hat in den Niederlanden auf Kunst- und Architekturfestivals ausgestellt und in Afrika bei Lagos Photo (2010 und 2014) und bei den Biennial Picha Recontres Lubumbashi in der Demokratischen Republik Kongo (2013).

Für "Africa Junctions" fotografierte er während sechs Jahren 14 Städte in 12 Ländern Afrikas. Das gleichnamige Buch ist beim Hatje Cantz-Verlag erschienen. "Africa Junctions" ist von 29.05.2014 bis 04.07.2014 in der Galerie des Goethe-Instituts in Johannesburg zu sehen.