5 Fragen an Darryl Els

Darryl Els
Darryl Els | © supplied by Darryl Els

Darryl Els, Mitgründer und Programmdirektor des Bioscope Independent Cinema, sprach mit uns über Südafrikas Filmtalente und Filmprogrammierung abseits vom Mainstream.

Darryl Els, Sie haben das Bioscope Independent Cinema als Kino erster Wahl etabliert für ein Publikum, das sich Filme außerhalb des Mainstream anschauen will. Erzählen Sie uns ein wenig über die Anfänge und darüber, wie Sie es geschafft haben, sich eine Nische für Ihr Programm aufzubauen.

Die Idee fürs Bioscope stammt von meiner Zeit im Ausland und von Filmen, die dem Publikum auf verschiedene Weise gezeigt werden (Kommerzielle Arthouse-Kinos, Multiplexe, Mikro-Kinos). Dadurch wird eine große Vielfalt an Inhalten geschaffen und ein Publikum für verschiedene Kinoformen gewonnen und behalten. Daraufhin habe ich an der Universität die südafrikanische Kinoindustrie recherchiert und dann zusammen mit Russell Grant eine Reihe von Filmvorführungen ins Leben gerufen, die zu monatlichen Veranstaltungen bei Arts on Main wurden um diesen Durchführungsort zu testen. Eines Morgens im Februar 2010 traf ich mich mit Henrike Grohs, die den 35mm-Projektor des Goethe-Instituts spenden wollte und plötzlich planten wir einen permanenten Vorführungsort. Leider haben wir den Filmprojektor nie installiert

Seit der Gründung vor vier Jahren habe ich viel mit dem Filmprogramm im Bioscope experimentiert und realisiert, dass das Kino ein sozialer Ort sein sollte, der Unterhaltung bietet aber auch Kultur und Politik. Seither habe ich versucht, dies bei der Programmauswahl zu beachten. Der Schwerpunkt liegt auf kleineren lokalen und internationalen Dokumentarfilmen (die oft zur Debatte anregen), unabhängigen Filmen und experimentellen Werken wie auch speziellen Veranstaltungsreihen wie KiezKino und Noodle Box-Kino.

Wer ist Ihr Publikum und gibt es zusätzliche demografische Schichten, die Sie erreichen wollen?

Das reguläre Publikum im Bioscope hängt von den Filmen ab, die gezeigt werden – ein lokaler Dokumentarfilm zieht ein spezifisches Publikum an, ebenso die speziellen Veranstaltungsreihen. Ich versuche ständig, neues Publikum zu erreichen und das bestehende zu stärken, was im Fall des Bioscope mit nur einer Leinwand natürlich eine Herausforderung ist. Insbesondere habe ich ein Interesse daran, ein jüngeres Publikum zu erreichen. Ich würde mich auch freuen, wenn das Bioscope von Filmstudierenden als ein Ort angesehen wird, wo sie neue, innovative oder sogar inspirierende Filme sehen, die das eigene Werk der Studenten beeinflussen.

Haben Filme die Macht, Veränderungen anzuregen – in Menschen, in der Gesellschaft?

Auf jeden Fall, und ich denke, das kann auf verschiedenen Ebenen passieren - in Form eines direkten Handlungsaufrufs wie in Rehad Desais „Miners Shot Down“ oder auf andere Weise, wie in „Jeppe On A Friday“ (Regie: Arya Lalloo und Shannon Walsh) oder „The Good Man“ (Regie: Phil Harrison).  Obwohl die beiden letztgenannten Filme Gesellschaftskritik auf eine subtilere Weise anbringen, sind sie doch sehr gute Beispiele dafür, wie Film die oftmals versteckten strukturellen Dynamiken der Welt, in der wir leben aufzeigen und Gelegenheiten für kritische Reflektion und Diskussion bieten kann.  

In Südafrika gibt es viele Filmtalente –Regisseure, Schauspieler, Filmmusikkomponisten. Wird genug getan, um lokal produzierte Filme einem breiteren nationalen und internationalen Publikum zu zeigen?

Ich finde, international besteht ein wachsendes Interesse an südafrikanischem Kino. Der Erfolg von Regisseuren wie Oliver Hermanus und Khalo Matabane bestätigt dies. Zudem ist eine steigende Anzahl junger Regisseure und Produzenten  an Koproduktionen beteiligt, wodurch das Interesse internationaler Filmfestivals und Verkäufe steigen.  Dies ist eine sehr positive Entwicklung für Südafrikas Filmindustrie.

Auf nationaler Ebene hingegen muss immer noch sehr viel getan werden, um lokale Filme dem lokalen Publikum näherzubringen. Eine Grundvoraussetzung dafür ist der Zugang zu Kinos und in diesem Zusammenhang ist eine starke unabhängige Kinolandschaft unabdingbar. Ich glaube, die Besitzer unabhängiger Kinos sollten dazu ermutigt werden,  lokale Filme zu zeigen. Grundsätzlich würde ich gerne mehr politischen Willen sehen hin zu einem Wiederaufkommen des unabhängigen Kinosektors als zentraler Akteur wenn es darum geht, Kinokultur in unserem Land zu fördern.

Welches ist der letzte Film, den Sie gesehen haben?

Das war “The Square” von Jehane Noujaim; eine brilliante Dokumentation der ägyptischen Revolution. Der Film wurde auf dem Encounters Filmfestival 2014 gezeigt.
 

Darryl Els ist Mitgründer und Programmdirektor des Bioscope Independent Cinema in Maboneng, Johannesburg.

KiezKino (Nachbarschaftskino) ist eine neue Veranstaltungsreihe im Bioscope Independent Cinema, das deutsches Kinoschaffen erkundet. Einmal im Monat wird ein Film aus dem Archiv des Goethe-Instituts Südafrika gezeigt.