Ins Schwarze getroffen Die Fotografie von Muntu Vilakazi

Muntu Vilakazi bei Goethe On Main
Muntu Vilakazi bei Goethe On Main | Foto: © Goethe-Institut / Masimba Sasa

Die Eröffnung von Muntu Vilakazis erster Fotoausstellung „Politics of Bling: An East Rand Culture Quest“ letzte Woche war ungewöhnlich. Es waren weder Kunstsammler in Anzügen anwesend, noch wurden Wein und Käse serviert.

Bei der Goethe on Main-Ausstellung im Maboneng Bezirk tönte laute House-Musik aus den Lautsprechern und das Publikum bestand aus einer lauten, jugendlichen, bunt gemischten Gruppe von Fotografen, Künstlern, Schriftstellern, Dichtern, Malern und neugierigen Jugendlichen aus den Townships. Sie alle waren hier, um zu beurteilen, wie die Township-Subkultur des „Bling“ repräsentiert wurde. Anstelle von Wein wurde Bier ausgeschenkt.Für das richtige Ambiente bei der Eröffnung von „Politics of Bling: An East Rand Culture Quest” sorgte ein bunt bemaltes Auto das in hohen Drehzahlen kreischte. Jetzt war die Zeit gekommen, um einen Blick auf die Township-Subkultur des „Bling“ zu werfen, mit Schwerpunkt auf drei Townships in Johannesburgs East Rand: Vosloorus, Katlehong und KwaThema.

Die Ausstellung gibt einen unheimlichen Einblick in den Lebensstil der Mittelklasse in Townships – wo es wenig Zurückhaltung gibt: Mode, teure Getränke, Zigarren und Frauen sind ein wichtiger Bestandteil davon.

Eine jugendliche Menschenmenge versammelt um einen alten, staubbedeckten BMW. Auf dem Fahrersitz ist ein Jugendlicher, wohl im selben Alter wie die beeindruckbaren Zuschauer um ihn herum. Das Spektakel ist sein gekonntes „Spinning“ (Durchdrehen der Autoräder) in Vosloorus. Dieses Foto trägt den Titel „Donuts” und hängt neben einem anderen Foto eines BMWs – nur ist dieser ein neues 3er-Serie Modell. Mit dem Titel „Gusheshe” versehen, Umgangssprache für ein BMW-Modell, prahlt der Besitzer mit dem Auto – vor seinen Freunden und einigen ungefähr vierjährigen Kindern. Diese Kinder werden offensichtlich dazu erzogen, diese materialistische Subkultur zu schätzen – eine Kultur, in der ein Auto einen höheren Stellenwert als ein Haus besitzt.

Ein Bild nach dem anderen zelebriert pompösen Reichtum – eine Harley Davidson in voller Pracht, fotografiert in einer Straße von Häusern in der Größe von Streichholzschachteln. Ein Ausstellungsbesucher, der nur Mluleki genannt werden will, kommentiert: „Die heutigen Politiker sind nicht anders als diese Jugendlichen, wenn es darum geht, ihre Besitztümer und ihren Reichtum zu zeigen. Genau wie diese Jugendlichen fahren auch sie große Autos, feiern als gäbe es kein Morgen und geben ihr Geld für teuren Singlemalt-Whiskey aus. Wenn die politischen Anführer es tun… was soll man da von der Jugend erwarten?”

Bildergalerie: Ausstellungseröffnung und Township-Kultur im East Rand

  • Ausstellungseröffnung 06.02.2014 Foto: © Masimba Sasa
    Ausstellungseröffnung 06.02.2014
  • Ausstellungseröffnung 06.02.2014 Foto: © Masimba Sasa
    Ausstellungseröffnung 06.02.2014
  • Ausstellungseröffnung 06.02.2014 Foto: © Masimba Sasa
    Ausstellungseröffnung 06.02.2014
  • Ausstellungseröffnung 06.02.2014 Foto: © Masimba Sasa
    Ausstellungseröffnung 06.02.2014
  • Ausstellungseröffnung 06.02.2014 Foto: © Masimba Sasa
    Ausstellungseröffnung 06.02.2014
  • Ausstellungseröffnung 06.02.2014 Foto: © Masimba Sasa
    Ausstellungseröffnung 06.02.2014
  • Ausstellungseröffnung 06.02.2014 Foto: © Masimba Sasa
    Ausstellungseröffnung 06.02.2014
  • Ausstellungseröffnung 06.02.2014 Foto: © Masimba Sasa
    Ausstellungseröffnung 06.02.2014
  • Township-Kultur im East Rand: Katlehong Foto: © Ulrike Sommer
    Township-Kultur im East Rand: Katlehong
  • Township-Kultur im East Rand: Katlehong Foto: © Ulrike Sommer
    Township-Kultur im East Rand: Katlehong
  • Township-Kultur im East Rand: Katlehong Foto: © Ulrike Sommer
    Township-Kultur im East Rand: Katlehong
  • Township-Kultur im East Rand: Katlehong Foto: © Ulrike Sommer
    Township-Kultur im East Rand: Katlehong
  • Township-Kultur im East Rand: Katlehong Foto: © Ulrike Sommer
    Township-Kultur im East Rand: Katlehong
  • Township-Kultur im East Rand: Katlehong Foto: © Ulrike Sommer
    Township-Kultur im East Rand: Katlehong
  • Township-Kultur im East Rand: Katlehong Foto: © Ulrike Sommer
    Township-Kultur im East Rand: Katlehong
  • Township-Kultur im East Rand: Katlehong Foto: © Ulrike Sommer
    Township-Kultur im East Rand: Katlehong
  • Township-Kultur im East Rand: Katlehong Foto: © Ulrike Sommer
    Township-Kultur im East Rand: Katlehong

Doch dies ist nur eine Sichtweise. Die Dichterin Aviwe Damane, die sich ein Foto anschaut von zwei jungen Frauen in auffallend farbiger Kleidung, in den Townships „colour blocking” genannt, kommentiert: „Bei dieser ‚Bling‘-Sache geht es darum, Farben und Accessoires sorgfältig auszuwählen. Die Mädchen in den Townships sind wagemutig. Sie haben eine ‚Mir doch egal‘-Haltung. Das passiert in den Townships die ganze Zeit. Ich kann mich mit dieser Kultur identifizieren. „Es geht ums Image”, sagte sie über ein Foto mit dem Titel „Red”.

Der aus Vosloorus stammende Künstler Khosi Hlatshwayo bemerkt, Vilakazis Ausstellung sei „eine wahre Reflektion dessen, was in Vosloorus vor sich geht. Wenn du ein auffälliges Auto fährst, feierst und teure Getränke konsumierst, wirst du als ‚großer Mann‘ gesehen. Du verdienst dir den Respekt der Leute”.

Ein Foto mit dem Titel „Big Man” illustriert genau das. Es zeigt die Hände eines Mannes, ohne dass der Rest seines Körpers sichtbar ist, eine lange Zigarre haltend, offenbar ein Zeichen, dass jemand angekommen ist und das gute Leben lebt.

Die 28-jährige Zama Nsele, Doktorierende in Kunst an der Rhodes Universität, hat eine Erklärung: „Weshalb sollen wir den Menschen in den Townships die Wahl verwehren, ihr Geld so auszugeben, wie sie wollen? In Gegenden wie Illovo, Sandton, Rosebank und Parkhurst fahren die Leute Luxusautos, trinken teure Getränke und essen in teuren Restaurants. Warum beurteilen wir sie nicht gleich? Wir haben keine moralische Autorität, Leute zu beurteilen, die dieselben Dinge in den Townships tun, denn wir leben im gleichen Land, in dem extreme Armut neben opulentem Reichtum existiert.”

Vilakazi sagt über seine Fotografien: „Es ist die Geschichte des Kampfes junger Menschen, ihres Hungers und ihres Strebens nach materiellen Besitztümern. Wir leben in einer Prominentenkultur, wo Prahlerei einem Respekt einbringt und das Gefühl, wohlhabend zu sein. Die Ausstellung untersucht ihre Ideen von Fortschritt in einer Gesellschaft, die sie als rückschrittlich ansieht. Es ist eine Geschichte von Autos, Mode, Alkohol, Frauen und Musik.

”Politics of Bling: An East Rand Culture Quest läuft vom 6. Februar bis zum 16. März 2014 bei Goethe on Main.

Dieser Artikel wurde zuerst im Saturday Star vom 15. Februar 2014 veröffentlicht. Autor: Edward Tsumele