Latitude Afrika jenseits der Klischees

Pumzi
Pumzi | Foto: © Pumzi / Wanuri Kahiu

Ein Wettbewerb für afrikanische Kurzfilme. Geschrieben, gefilmt und geschnitten von Regisseuren aus allen Ecken des Kontinents, von Südafrika bis Tunesien, von Togo bis Mozambique, die damit ihre Sicht auf ihre Heimatländer darstellen.
Dies war die Idee zu LATITUDE, dem panafrikanischen Kurzfilmwettbewerb, den das Goethe-Institut 2007 in Kooperation mit der Stiftung Art in Africa ins Leben rief. Inzwischen lassen sich die Blüten des Wettbewerbs bewundern, dessen Filme im Februar 2010 auf der Berlinale Premiere feierten.

Das Kino stellt den an Afrika interessierten Zuschauer vor die Wahl:
Es ist die Wahl zwischen der Darstellung Afrikas als Schauplatz des Krieges, der Zerstörung, der Korruption und der Hungersnöte oder als Heimat fröhlicher, tanzender Buschmänner in traditioneller Kleidung. Beide Klischees gehören zwar zur Realität in vielen afrikanischen Ländern, gleichzeitig ist die ganze Realität aber um einiges komplexer.
Vor allem in europäischen und amerikanischen Filmen werden diese Stereotypen reproduziert. Deshalb hat der Kurzfilmwettbewerb LATITUDE es sich zur Aufgabe gemacht, junge Filmemacher aus Afrika ein eigenes Bild über ihre Heimat zeichnen zu lassen, ihnen die Möglichkeit zu geben ihren Kontinent nicht weniger facettenreich wiederzugeben als er es ist und dem Zuschauer damit einen anderen Blickwinkel auf Afrika zu eröffnen. Ein Blickwinkel der nicht von außen beurteilt, sondern afrikanische Lebenswirklichkeiten von innen heraus darstellt, kritisiert und weiterdenkt.
Im Jahr 2007 begann diese Idee Wirklichkeit zu werden. Das Goethe-Institut suchte in Kooperation mit der Stiftung Art in Africa nach Konzepten für Drehbücher von afrikanischen Filmemachern, eine Jury wählte 22 Vorschläge aus. Die Skripte wurden nach Drehbuch- und Schnittworkshops in Lomé und Johannesburg verwirklicht.
Nach genau einem Jahr der Konzeption und Produktion entstanden bis Juni 2009 in Zusammenarbeit mit dem südafrikanischen Produzenten Steven Markovitz 15 Filme, an deren Produktion sich das Goethe-Institut beteiligte. Neun von Ihnen wurden anschließend von einer Fachjury ausgewählt um auf eine DVD gepresst zu werden. Sie feierten ihre Premiere am 17. Februar 2010 am Rande der Berlinale und haben seitdem auf Filmfestivals weltweit Preise gewonnen.

Von Mosambik bis Tunesien

Die Filme sprechen Realitäten an, die nicht immer schön sind: Von häuslicher Gewalt (Mahla, Mosambik) bis zu den Problemen einer arabischen Familie den schwarzen Freund ihrer Tochter zu akzeptieren (Prestige, Tunesien). Von der Geschichte eines Malers, der wegen seines Erfolges in Europa in Konflikt mit seinem Umfeld gerät (The Painter, Uganda) bis zum schwierigen Leben zweier Brüder, die illegal als Abalonentaucher arbeiten (The Abyss Boys, Südafrika).
Einige der Filme wurden erst kürzlich ausgezeichnet, so auch der Film der Film des südafrikanischen Regisseurs Jan-Hendrik Beetge, The Abyss Boys: Neben dem African Movie Academy Award 2010 und dem Preis für den besten Kurzfilm auf dem Edinburgh African Film Festival wurde er beim Durban International Film Festival von der Jury besonders erwähnt.
Der Film erzählt die Geschichte der Brüder Jimmy und A.B., die in einem kleinen Küstenort im Süden Südafrikas leben und dort illegal als Abalonentaucher arbeiten. Als Jimmy aus dem Geschäft aussteigen will um ein besseres Leben zu beginnen gerät er zusammen mit seinem Bruder in Schwierigkeiten.
Beetge beendete im Jahr 2001 die Filmschule mit dem Kurzfilm Triomfeer und produzierte von dort an vor allem Werbefilme, trotzdem blieb er dem Genre des Erzählfilms treu und produzierte schließlich mit The Abyss Boys einen seiner größten Erfolge.

Preisgekrönter Science-Fiction Film

Auch die kenianische Regisseurin Wanuri Kahiu feierte mit ihrem Kurzfilm Pumzi einige Erfolge.
Der Film beschreibt eine dystopische Welt kurz nach dem dritten Weltkrieg. Asha ist Wissenschaftlerin und lebt in einer futuristischen Kuppelstadt, in mitten einer Welt in der Wasser zur wertvollsten Ressource geworden ist, jegliche Natur zerstört wurde. Nach einem Traum gelangt sie zur Überzeugung, dass es noch Leben außerhalb der Stadt gibt und macht sich auf den Weg. Die Handlung führt den Film schließlich in ein unerwartetes und intelligentes Ende.
Kahiu vollendete ihre Ausbildung zur Regisseurin an der University of California in Los Angeles und wurde für ihre Arbeit vielfach ausgezeichnet, neben dem Motion Pictures of America Associates Award und dem Hollywood Foreign Press Award wurde sie auch für Pumzi mit dem Preis für den besten Kurzfilm auf dem Cannes Independent Film Festival ausgezeichnet.

Afrika durch afrikanische Augen gesehen

Die Filme die im Rahmen des Wettbewerbs produziert wurden haben eines gemeinsam: Zusammen präsentieren sie die Vielfältigkeit der afrikanischen Filmszene, sie brechen Klischees und hinterfragen Konventionen, sie widersprechen einem langjährig durch Europa und Amerika geprägtem Afrikabild. Die LATITUDE Reihe hat es möglich gemacht den Blick auf den Kontinent durch afrikanische Augen der Welt zu präsentieren.

Die DVD mit den Ergebnissen steht in allen Archiven und Informationszentren des Goethe-Instituts zur nichtkommerziellen Nutzung zur Verfügung.