Thaterakt Cover Up späht durch die vierte Wand

Cover Up“ von Mamaza
Cover Up“ von Mamaza | Foto: © John Hogg

Das deutsche Tanztrio Mamaza spielt mit dem Theaterakt im Dance Umbrella-Stück „Cover Up“.

Tennessee Williams nannte seine Tagebucheinträge „Gedankenakte“ – spielerische (und manchmal düstere) Überlegungen eines Künstlers über die Natur der Kunst. Wenn ich eine Beschreibung finden soll für den Geschmack und die Texturen von Mamazas Darbietung zu Beginn des Dance Umbrella-Festivals, dann scheint „Gedankenakte“ am treffendsten zu sein. Und in der Tat schienen die Worte zu fehlen, um die Gefühle zu beschreiben, die während dem Stück aufgekommen waren, als das Publikum sich nach der Show im Foyer der Dance Factory einfand. Die vielfältige und glühende Bildwelt, die demontiert zu werden schien, sobald sie aufgebaut wurde, schaffte ein sensorisches Erlebnis, das den flüchtigen Charakter der Theaterkunst widerspiegelt. Die Bühne war wie eine Ausstellung aufgebaut. Ein weißer Rundhorizont lieferte den Hintergrund für den gleichfalls weißen, aber klar andersartigen großen weißen Teppich; dieser ersetzte die konventionelle Tanzmatte und half funktionell die hohe Lichtqualität zu schaffen, die das Stück so entrückt erscheinen ließ.

Es gab nur wenig, das als Tanz im traditionellen Sinn, nämlich eine Reihe von Bewegungen, die dem rhythmischen Tempo eines Musikstücks folgen, eingestuft werden konnte. Tatsächlich gab es in dem Stück seltsamerweise keine Musik und zeitweise war es im Raum so still, dass man den Bass im Nachbargebäude hören konnte. Doch sogar ohne musikalische Begleitung gab es eine Kakophonie von Klängen, von blökend über bellend zu lachend, während die Tänzer bei jeder Wendung mit den Erwartungen des Publikums spielten. An einer Stelle zogen die beiden männlichen Tänzer kleinere weiße Teppiche unter dem großen auf der Tanzfläche hervor. Sie drapierten diese Teppiche auf ihrem Rücken und begannen eine blökende Unterhaltung, die lauter und lauter wurde, als May Zarhy sich dem Lärm anschloss, während sie den Scheinwerfer auf eine gelbe Farbe umstellte, die die Gedanken in eine andere Dimension zwang beim Versuch, die fremdartige Textur einzuordnen, die nun zur Haut der Performer wurde. Die Geräusche ein Stöhnen zu nennen, erscheint falsch, denn zuerst konnte man den Mund der Tänzer unter dem Teppich nicht sehen und die blökenden Töne strahlten eine seltsame Körperlichkeit aus. Die Fehlbezeichnung spielt mit “dem, was ansprechend ist, oberflächlich, dem Auge zugänglich, das was einprägsam sein könnte, kitschig oder geschmacklos”.

Es ist wie ein greifbar gemachter Gedankenstrom; gerade genug, um zusammenhanglose Gedanken zuzulassen, die man haben könnte, wenn man in ein Theater hineingeht und versucht, sich mit dem, was man sieht, hört und fühlt zu verbinden, bevor der Gedanke selbst sich verwandelt. Die “Schafe” auf dem Schafsfellteppich bieten eine faszinierende visuelle Metapher, denn das Paar darunter verschwindet scheinbar und bleibt durch die Geräusche trotzdem präsent. Ein Gefühl der Notwendigkeit, sich ins Nichts aufzulösen unter der Barriere von verwirrenden Gedanken, an denen ein Künstler leiden kann, und sich trotzdem nicht zu weit weg zu entfernen vom Licht, das es einem erlaubt, gesehen zu werden, war eine der stärkeren Emotionen, die durch das absurde Stück ausgelöst wurden.

Es gab etwas sehr Ehrliches im Gesamteindruck dieser Performance, als ob jeder gut ausgearbeitete Augenblick zum ersten Mal geschehen würde. Und in der Tat erlaubte einem die Gegenwart der Tänzer in ihren Körpern auf der Bühne und, was wir theatralische Präsenz nennen, sich selbst mehr gegenwärtig zu fühlen in einem Theaterauditorium als generell, wenn man durch die unsichtbare vierte Wand schaut. In „Cover Up“ gab es keine Verschleierung; es war uns allen erlaubt, durch das Fenster hineinzuspähen und uns hineinziehen zu lassen in verschiedene Räume mit verschiedenen Farben und Texturen; und dann waren wir verschwörerisch dazu gezwungen, über uns selbst zu lachen wegen der geheimen Absprache.

Written by Nondumiso Msimanga, first published on www.artlink.co.za

As part of the Dance Umbrella 2013 (31.08. – 14.09.2013) programme, the Goethe-Institut supported the performance Cover Up – conceived, staged and performed by Ionnis Mandafounis, Fabrice Mazliah and May Zarhy; or MAMAZA, as they are collectively known. The three dancers are members of the internationally renowned William Forsythe Company (Germany).