Straße trifft Bühne Neue Tanzstile aus Südafrika

Perfect Storm Pantsula
Perfect Storm Pantsula | Foto: © John Hogg

Nondumiso Msimanga über die neue Plattform „Street Beat“

Die Jugend unseres Landes beschert uns offensichtlich eine neue kulturelle Revolution. Die Tänze der neuen Schule heißen Hip Hop (wie die Musik), Pantsula und iSbhujwa. iSbhujwa ist in der demokratischen Ära entstanden, man wollte neue Formen des Kwaito Tanzes erfinden, die eine Hommage an die Eigenschaften „jung, talentiert und schwarz” sein sollten, mit der man früher die Jazz-Szene beschrieb.

Der Street Dance gehört aber nicht mehr nur den Schwarzen und auch nicht mehr nur auf die Straße. Er ist vielmehr ein Stil, der die neusten Trends in Sachen Hip Hop und Pantsula mit aufnimmt und gleichzeitig ein Spiegel der südafrikanischen Identität.

Beim Eröffnungskonzert des Dance Umbrella Street Beat Festivals drängten sich im Wits Theatre Menschen von sechs bis sechzig Jahren in den Zuschauerraum.

Am Anfang lief alles noch recht unbeholfen. Mal wurde ein Text vergessen, mal eine Bewegung. Die Tänzer gaben alles, um das Publikum zu begeistern, das nach den ersten zwei Stücken jedoch nur recht zögerlich applaudierte. Es schien bereits, als ob das Projekt Street Beat nicht aufgegangen war.

Konzipiert hat Street Beat der ehemalige Tänzer und inzwischen als Organisator tätige Matthews „Oupa” Manamela. Das Forum ersetzt den Bereich Stepping Stones innerhalb des Festivals Dance Umbrella. Während die Plattform Stepping Stones allen Tanzensembles frei zugänglich war, um ihre Stücke vor Publikum auszuprobieren, will Street Beat verschiedene Formen des Street Dance vor einem zahlenden Theaterpublikum auf die Bühne bringen.

„Ich wollte unter anderem Stücke konzipieren, die im Theater aufgeführt werden können”, erzählt Manamela begeistert, der immer noch fest an sein Projekt glaubt. Mit einigen Fehlstarts hatte er dabei schon gerechnet, denn, so Manamela, „einige Gruppen sind für die Theaterbühne nur bedingt geeignet.“

Sibusiso Douglas, Tänzer bei Vilacosta, sieht die Schwierigkeiten bei der Verbindung von Street und Bühne genauso. „Asikhonanga ukusebenzisa i-prop e-stage”, erklärt er und meint damit, dass die Tänzer keine Chance hatten, die Arbeit mit den Theaterrequisiten vorher einzuüben.

Nach einer unbetitelten Aufführung von Soweto Junxion folgte als zweite Pantsula Aufführung des Tages das Stück Struggle To Success. Der Applaus, der nach dieser Darbietung auf die Akteure hereinprasselte, war fast so donnernd wie das während der Performance hörbare Soundgewitter.

Männer pfiffen, Frauen heulten, Mädchen riefen „Ayi ayi ayi”, Kinder sprangen auf dem Boden herum und wollten am liebsten mitmachen: Ein Sinnbild der Lebensfreude in Südafrika. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht beschreibt Zuschauer Raffi Gabeyan die originelle Choreografie: „Sie benutzen Requisiten aus dem ganz normalen Alltagsleben. Das ist typisch für Südafrika.“ Gesten wie Zeitunglesen oder Kopfschütteln, auf die Uhr schauen und auf Taxis warten, Betteln und Kehren, von harter Arbeit müde Menschen – das alles zu den sichtbar werdenden Rädern der Zeit und den Rhythmen von Getränkekisten, die sich auf weißbehandschuhten Händen drehen.

Nach der Pause ging Manamelas Konzept dann voll auf. Der Hip Hop Tanz von Mpho Ramogase und Siyabonga Ndaba und die iSbujwa Choreografie von Mpho Ramarou setzten mit einem Mix aus der technischen Raffinesse des Street Dance und sehr originell eingearbeiteten Erzählstrukturen aus dem Theater neue Maßstäbe in Sachen Unterhaltung.

Besonders stolz war Manamela darauf, wie sich die beiden Gruppen beim Mentoring-Programm weiterentwickelt hatten und auf einmal nicht mehr nur zwei-, sondern zehnminütige Choreografien konzipierten. „Dieses spannende Hip-Hop-Stück hat die Zuschauer mit auf eine Reise genommen“, erklärt er, „iSbhujwa hat alles geboten, was man von Afrofusion Dance erwartet!”

Der Auftritt war nicht nur, wie viele Tänzer bestätigten, „eine tolle Erfahrung”, sondern laut Ramogase sogar der Wendepunkt, auf den die Jugendlichen des Landes lange gewartet haben.

„Wir brauchen den Wettbewerb, um Geld zu verdienen, also ist dies ein wichtiger Karriereschritt“.

Erstveröffentlichung in The Sunday Independent, 8.3.2015
 

Informationen über den Dance Writers Workshop:
Junge Autoren, die sich mit der Kunstszene beschäftigen, haben es immer schwerer, ihre Texte in den etablierten Medien zu platzieren. Besonders schwierig ist es in den Bereichen Tanz und Performancekunst, da sich hier das Dargestellte oftmals nur schwer in Worte fassen lässt.

Darum veranstaltet das Goethe-Institut gemeinsam mit dem Dance Forum bereits zum dritten Mal parallel zum Dance Umbrella Festival den Dance Writing Workshop. Die Veranstaltung möchte nicht nur neue Schreibtalente in diesem Bereich aufspüren, unterstützen und aufbauen, sondern gleichzeitig etablierte Journalisten für den Bereich Contemporary Dance interessieren. Geleitet wird der Workshop von Mary Corrigall.

Die diesjährigen Workshop-Teilnehmer diskutierten etwa die Rolle von Mann und Frau in zeitgenössischer Choreografie – ein Thema, über das derzeit viel debattiert wird und das ebenfalls einen Bezug zur Plattform für Choreografinnen aufweist, die Teil des Dance Umbrella Festivals 2015 war.