Lückenschluss Ein neues Netzwerk nimmt Afrikas Fotografie unter die Lupe

Centres Of Learning for Photography in Africa
Centres Of Learning for Photography in Africa | Foto: © Ala Kheir

Das Netzwerk Centres of Learning for Photography in Africa – Lernzentren für Fotografie in Afrika ­– hat es sich zum Ziel gesetzt, fotografische Praktiken zu entwickeln, dafür bringt es afrikanische Fotografiezentren und Fachleute zusammen. Organisiert wird die Initiative vom Goethe-Institut Südafrika und Market Photo Workshop in Johannesburg.

„Im Sudan gibt es keine Institution, die Fotografie als eine Kunstform lehrt.“ So lautet die nüchterne Feststellung von Ala Kheir, Fotograf und Direktor der Sudanese Photographers Group, über die fotografischen Praktiken in seinem Heimatland. „Es gibt kleine Institute, wo man die technische Seite der Fotografie vermittelt und wie man eine Kamera bedient, aber Themen wie Kontext, Ethik und soziale Verantwortung von Fotografie werden nicht gelehrt."

Nach Aussage des preisgekrönten Fotografen Kheir ist das einer der Gründe, warum er hier in Johannesburg zusammen mit Dutzenden von Fotografen und Vertretern von Lehrinstituten für Fotografie aus ganz Afrika an einem Workshop und Veranstaltungen für das Projekt und Netzwerk Centres of Learning for Photography in Africa teilnimmt.

Durch eine enge Vernetzung von Zentren und Fachleuten für Fotografie auf dem ganzen Kontinent will das Projekt kritisches Denken über Fotografie fördern, dafür unterstützt es bereits bestehende formelle und informelle Ausbildungsstrukturen und -initiativen in Afrika. Das Netzwerk, ermöglicht und erdacht vom Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit Market Photo Workshop, plant außerdem, auf dem Kontinent eine Drehscheibe für eine fundierte Lehrmittelsammlung für Fotografie aufzubauen.

„Uns geht es um kritisches Denken rund um die Fotografie, vor allem angesichts Instagram, Facebook und der Millionen Fotos, die jeden Tag ins Internet gestellt werden“, sagt Dalia Suleiman, Geschäftsführerin vom Kairoer Contemporary Image Collective, einer Kunstinitiative für fotografische Praktiken.

Die Idee, zusammen mit John Fleetwood und Michelle Loukidis von Market Photo Workshop, Maxine Thomik, Molemo Moiloa, Dalia Suleiman, Khona Dlamini sowie dem in Deutschland geborenen Fotografen André Lützen Ausbildungskurse für Projektmanagement, Dozentenausbildung und einen Austausch von Lehrplänen auf die Beine zu stellen, stammt vom nigerianischen Fotografen und Intellektuellen Akinbode Akinbiyi. Diese Treffen wollen dabei helfen, Ausbildungsinstitute für Fotografie mit Fachleuten und strukturierten Studienplänen zur Verfügung zu stellen, um Fotografen eine hochwertige Ausbildung zu bieten, und gut ausgestattete Ausbildungszentren aufzubauen, die später in der Lage sind, sich selbst zu tragen.

Das Netzwerk Centres of Learning for Photography in Africa wird Verbindungen zwischen gut eingeführten Ausbildungsinstituten für Fotografie wie dem Market Photo Workshop in Johannesburg, der seit 20 Jahren existiert, und jüngeren Zentren wie der Sudanese Photographers Group am anderen Ende des Kontinents knüpfen und stärken.

„Wir hier in Ägypten vernetzen uns kaum mit dem Süden oder den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Wir arbeiten mit Tunesien, Marokko oder dem Nahen Osten zusammen, aber in den Süden haben wir kaum Verbindungen. Das war also eine gute Gelegenheit, sich zusammenzuschließen", sagt Suleiman. 

„Und es erstaunt mich zu hören, dass wir mehr oder weniger vor den gleichen Problemen stehen, auch wenn die Umstände andere sind.“ Nach einem Kurs über Projektmanagement, organisiert von Suleiman zusammen mit Khona Dlamini von Market Photo Workshop, bei dem auch Kheir anwesend war, traf ich mich mit Khona Dlamini und Kheir, um über Centres of Learning for Photography in Africa zu sprechen.
CLPA participants CLPA participants © John Fleetwood Interview mit Dalia Suleiman vom CIC – Contemporary Image Collective – in Kairo und Ala Kheir von der Sudanese Photographers Group:

Wird es eine spezielle Struktur oder Form geben, die jedes Zentrum übernimmt?

Ala Kheir: Ein Zentrum kann sehr viele Strukturen und Formen annehmen. Jedes Zentrum hat eine eigene Zielgruppe und ein eigenes Ausbildungssystem. Es hängt auch sehr davon ab, was dieses Zentrum machen will. Zentren, die Fotografie lehren können, haben wir, es kommt also drauf an. Das Hauptziel ist jedoch, auf dem ganzen Kontinent die Fotografie zu verbessern.

Dalia Suleiman: Wir haben versucht herauszufinden, welche Einrichtungen jedes Zentrum hat. Und wenn wir [als Netzwerk] etwas gemeinsam unternehmen, sehen wir uns an, wer mitmachen kann. CIC [Contemporary Image Collective] und Market Photo Workshop haben zum Beispiel eine etablierte institutionelle Struktur, diese beiden Zentren könnten also vielleicht Räume zur Verfügung stellen und Veranstaltungen organisieren und ausrichten. Andere Zentren wie die Sudanese Photographers Group und das Institut in Nigeria [Nlele Institute] haben hingegen sehr talentierte Fotografen, dafür aber keine Infrastruktur. Wir werden also sehen, was wir brauchen und wie wir das Netzwerk nutzen können, um Dinge voranzubringen.

Ala, Sie haben gesagt, das Ziel sei es, die Fotografie auf dem ganzen Kontinent zu verbessern. Was denken Sie über den aktuellen Stand der Fotografie?

Ala: Nun, im Sudan gibt es kein Institut, das Fotografie als Kunstform lehrt. Es gibt kleine Institutionen, wo die technische Seite der Fotografie vermittelt wird und wie man eine Kamera bedient, aber keine Themen wie Kontext, Ethik und soziale Verantwortung der Fotografie. Deshalb werden die Netzwerke versuchen, ein besseres System zu schaffen, das all diese Aspekte der Fotografie einschließen kann.

Dalia: Ich sehe das mehr oder weniger genauso. In Ägypten gibt es so viele Orte, wo man fotografieren lernen kann, vor allem seit der Revolution. Die Fotografie ist weit verbreitet, heutzutage hat jeder eine Kamera, macht Fotos damit und stellt sie ins Internet. Der technische Bezug ist also vorhanden. Doch uns [dem Netzwerk] geht es auch um das kritische Denken in der Fotografie, insbesondere angesichts Facebook, Instagram und der Millionen von Fotos, die jeden Tag ins Internet gestellt werden. Aber auch in Bezug auf die Medien, das heißt, was veröffentlicht wird und was nicht. Manche Bilder wirken nicht so, als habe sich da jemand viele analytische Gedanken gemacht. 
  
Über welche Probleme wurde bei den Workshops im Goethe-Institut gesprochen und wie, glauben Sie, helfen die Zentren dabei, sie zu entschärfen?

Ala: Die Zentren sind Verbindungsglieder zu den Ausbildern, die in Afrika sehr qualifiziert sind, und wir sind mit Organisationen wie dem Market Photo Workshop verbunden, die auf eine große Anzahl Ausbilder mit internationalem Niveau zurückgreifen können. Die Fotografenausbildung ist überall auf der Welt ähnlich, doch muss auch der lokale Kontext eingebracht werden. Centres of Learning versucht schrittweise, alle diese Bedürfnisse auf der Grundlage des lokalen Kontexts jedes Zentrums zu befriedigen. Und unsere Vernetzung mit anderen Zentren wird uns sehr dabei helfen, Strukturen und Ausbildungspläne zu schaffen.

Dalia: Diese Workshops und die Reihe von Treffen sind das Ergebnis dessen, was für uns entscheidend war, und dabei geht es um Probleme wie zum Beispiel den Mangel an Ausbildern. Deshalb haben wir den Workshop zur Dozentenausbildung organisiert. Ein weiteres Problem ist es, all diese Dinge verwaltungstechnisch richtig zu machen. Deswegen hatten wir einen Workshop für Projektmanagement. Das sind wohl die Hauptprobleme, vor denen jeder steht. Aber es gibt auch eher lokale Probleme wie Finanzierung, die auch jeden betreffen. Wie, unterscheidet sich allerdings von Land zu Land, denn das hat viel mit staatlichen Auflagen, mit den Menschen in diesem Land und den Organisationen für Fotografie und deren Strukturen usw. zu tun.  

Wird das Projekt Unterstützung bei diesen lokalen Problemen bieten?

Dalia: [Jedes Zentrum] wird versuchen, jedes Problem eigenständig anzupacken, und um es zu personalisieren, würden wir uns auf die Menschen, die [in den verschiedenen Zentren] arbeiten, stützen [um lokale Probleme anzusprechen]. 

Gäbe es dann eine Person oder Organisation, die diese Zentren beaufsichtigt? 
Dalia: Der Vermittler ist das Goethe-Institut. Das war auch eines der Ergebnisse des ersten Treffens im November: Wir werden jemanden brauchen, der die Dinge, die wir tun wollen, koordiniert. Die Initiative kommt vom Goethe-Institut, aber alle sind wirklich begeistert und setzen sich für dieses Netzwerk ein.

Ala: Das ist auch eine kollektive Anstrengung. Wir alle arbeiten gemeinsam daran, in verschiedenen Ländern bessere Ausbildungszentren für Fotografie zu schaffen. Wir sind ein Kreis, der zusammenarbeitet, um auf dem ganzen Kontinent entsprechende Zentren aufzubauen.

Worum ging es beim ersten Treffen im November?

Ala: Wir haben ermittelt, ob es Bedarf für so etwas [wie ein Ausbildungszentrum] gibt. Und was der nächste Schritt ist, falls es diesen Bedarf gibt. Wir machten eine Umfrage und auf dieser Grundlage trafen wir eine Entscheidung. Dass Bedarf besteht, wissen wir bereits, doch lag der Fokus hier eher darauf, zu hören, was genau gebraucht wird, und das weitere Vorgehen zu planen.

Und was passiert als Nächstes nach den Ausbildungskursen und dem Treffen?

Ala: Viele Ausbildungsprogramme werden beginnen. Jedes Zentrum wird ein Dokument erstellen, auf dem ein Ziel und die Aktivitäten und Pläne für die nächsten zwei Jahre festgehalten sind. Je nach den eigenen Prioritäten wird jedes Zentrum anders arbeiten. 

Dalia: Ich werde über das, was bei den Kursen passiert ist, nachdenken und sehen, wie das auf einer strategischen Ebene mit dem CIC zusammenhängt. Die Kerngruppe des Netzwerks soll sich auch im November treffen – denn vor einem Jahr wurde das Netzwerk gegründet – um die Kurse zu evaluieren und darüber zu sprechen, was man verbessern kann und was noch benötigt wird.  

Dieser Artikel wurde vom Goethe-Institut Johannesburg in Auftrag gegeben und erschien zuerst auf www.mg.co.za am 17 Juni 2015.