5 Fragen an Vincent Bezuidenhout

Vincent Bezuidenhout
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Vincent Bezuidenhout's Ausstellung Fail Deadly bei GoetheonMain hinterfragt das Nuklearprojekt im südafrikanischen Apartheidstaat.

Vincent Bezuidenhout hat an der Michaelis School Of Fine Art der University Of Cape Town seinen Master-Abschluss in Kunstwissenschaft gemacht und war Teilnehmer des Tierney-Stipendiums 2010/11. Seine Ausstellung Fail Deadly („Tödliches Versagen”) bei GoetheonMain befasst sich kritisch mit dem Nuklearprojekt im südafrikanischen Apartheidstaat.

Wie sind Sie auf diesen speziellen Aspekt des Apartheidprojekts gestoßen – können Sie uns kurz erzählen, was die Konzeption dieses Werkes für Sie persönlich bedeutet hat?
Vincent Bezuidenhout: In meiner Arbeit geht es um die Psychologie der Macht und die Bedeutung der Erinnerung an geschichtliche Ereignisse. In einem früheren Werk, Separate Amenities („Getrennte Einrichtungen“), habe ich mit Landschaftsfotografie gearbeitet, um die konstruierten Landschaften als Ausdruck der Psyche jener, die sie geschaffen haben, darzustellen. Bei Fail Deadly wollte ich auf ähnliche Weise einen bestimmten Moment der südafrikanischen Geschichte beleuchten und die Macht der Architekten der Apartheid zeigen. Anfangs wollte ich mit dem Projekt geheime, nicht mehr existierende Waffenprogramme fotografieren, im Lauf der Zeit haben sich jedoch auch die Themen Zensur, die Grenzen des Mediums Fotografie bzw. der Darstellung von Dingen allgemein herausgeschält.

Wie hat die Art, wie Sie aufgewachsen sind, Ihr Interesse an verschiedenen Aspekten der Apartheid beeinflusst?
VB: Als weißer Afrikaans-Künstler, der die tödlichen Kämpfe der Apartheid in Südafrika selbst erlebt hat, hat meine Vergangenheit meine derzeitige Arbeitshaltung stark geprägt. Meine Kunst reflektiert meine Identität im Hinblick auf die Geschichte der Machtstrukturen, die unser Leben immer noch beeinflussen. Ich füge zwei Bereiche zusammen, die eigentlich inkompatibel sind: Meine eigene widersprüchliche Geschichte und unsere kollektive Geschichte. Indem ich bestimmte Dinge auslasse oder verdecke, zeige ich, dass diese unvollständigen Geschichten ein Ausdruck von Macht sind.

Welchen Stellenwert nehmen Ihre Arbeiten in einer Welt ein, in der bestimmte Aspekte der Apartheid aus dem kollektiven Gedächtnis Südafrikas gelöscht werden sollen?
VB: Über die heimlichen und ungerechten Machenschaften in diesem Bereich wird leider noch viel zu wenig enthüllt, was an einer über allem schwebenden konstruierten Realität liegt, die sich durch die gesamte südafrikanische Geschichte zieht. Mit Fail Deadly möchte ich auf diesen Missstand aufmerksam machen, indem ich die Grenzen der Fotografie und das Problem der öffentlichen Informationsquellen als einzige geschichtsbeeinflussende Faktoren aufzeige.


Eines Ihrer jüngsten Projekte, Banned Vol. II („Verboten Teil II”) zeigt Material, das zu Zeiten der Apartheid verboten war. Glauben Sie, dass sich die Geschichte der Zensur in Südafrika mehr oder minder immer wiederholt?
VB: Das Projekt wurde in Uganda und Simbabwe wegen homosexueller Inhalte zensiert. Abgesehen von den umstrittenen Gesetzen beider Länder zum Thema Homosexualität ist es doch paradox, dass bereits zu Zeiten der Apartheid zensiertes Material erneut auf dem Index landet. Es scheint so, als würden sich bei einer Machtverschiebung innerhalb des Staates auch die Mechanismen des alten Regimes mitverschieben. Wir müssen nicht nur bei der Umschreibung der Geschichte wachsam bleiben, sondern auch genau hinschauen, wie sich diese heute fortschreibt.

Die GoetheonMain Galerie liegt im Stadtbezirk Maboneng in Johannesburg. Wie geeignet finden Sie diesen Standort für Fail Deadly?
Meiner Ansicht nach muss Kunst politisch sein, sonst ist sie keine Kunst. Mir ist sehr bewusst, wie sehr Kunst und Künstler dazu benutzt werden, bestimmte Projekte nach vorne zu bringen. Wir leben hier und anderswo in einer Zeit der zunehmenden Armut, Zensur und eines „Kampfs um die Wahrheit“, daher ist es wichtiger denn je, dass kulturelle Institutionen den Mut haben, die Kunst zu unterstützen. Immerhin ist die Kunst in vielerlei Hinsicht inzwischen der einzige Bereich, in dem die Wahrheit ausgesprochen wird.